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Alle Jahre wieder ... revisited
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Alle Jahre wieder": So begann mein letztjähriger Artikel mit empfehlenswerter Weihnachtsmusik für den weihnachtsfreundlichen Proggy von Nebenan, der sich nicht mehr der akustischen Folter von George Michael, Sarah Connor, Mariah Carey und Wolfgang Petry aussetzen will und stattdessen etwas anspruchsvollere Weihnachtsmusik sucht, die proggy oder zumindest Prog-kompatibel ist. Schließlich wollen wir ja nicht, dass sich uns der Magen bei all den trivialen Klängen mit geraden Takten umdreht (das könnte besser Lebkuchen und Glühwein in Unmengen besorgen). Doch wenn dann die Familie, die Kollegen, die Freunde, Die Mitbewohner im Kellerverließ oder gar der Partner (sic!) auf einen zukommen ("Du kennst Dich doch mit guter Musik aus, behauptest Du immer...") und nach geschmackvollen Alternativen zu 'Last Christmas' um dem 'Wolfgang-Petry-Weihnachtshits-Mix' verlangt, muss der Prog-Fan achselzuckend passen. Und doch gibt es sie, die weihnachtliche Musik mit (mehr oder minder) Prog-Attitüde. Hier nun ein paar (upgedatete) Einkaufstipps für proggige Weihnachten Wie auch schon letztes Jahr sind alle folgenden Tipps sowie weitere empfehlenswerte Weihnachts-CDs ab sofort in unserem Weihnachts-Shop bestellbar.
Sting - If On A Winter's NightDie wohl gelungenste Neuerscheinung in Sachen weihnachtlicher / winterlicher Musik kommt heuer von Sting: Sein Album If On A Winter's Night geht thematisch und musikalisch weit über "normale" Weihnachts-CDs hinaus. Von traditionellen englischen Weihnachtsliedern des Mittelalters, über Eigenkompositionen bis hin zu einer sehr gelungenen Fassung des “Leiermann” aus “Der Winterreise” von Franz Schubert, Sting spannt einen weiten winterlichen Bogen. So unterschiedlich die Songs, so unterschiedlich die Arrangements: Folk, gediegener Pop, Ethno-Einflüsse (wundervoll der indische Chor auf “Christmas At Sea”), Jazz, dazu jede Menge Mittelalter- und Renaissance-Instrumente, alles sehr dezent und geschmackvoll eingespielt. Stings Stimme ist in den letzten deutlich tiefer und etwas heiserer geworden, doch singen kann er immer noch und man hört dem Album an, wie viel Freude er beim Einspielen der Songs hatte. Sting hat einmal in einem Interview gesagt, er wolle nicht ewig der Popstar sein. Er scheint sich langsam eine Nische für ein würdevolles Spätwerk zu schaffen. “If On A Winter’s Night” ist eine zeitlose Platte geworden.
Tori Amos - Midwinter GracesAuch Tori Amos hat mit Midwinter Graces ein Weihnachtsalbum vorgelegt, über das man zumindest geteilter Meinung sein kann. Derweil Fans und Kritiker sich zumeist zufrieden zeigen (mal abgesehen vom Cover, das gerade den Preis für das scheußlichste Albumcover des Jahres gewonnen hat), bin ich nur halbwegs überzeugt. Irgendwann kriegt das Album dann so ab der halben Spielzeit die Kurve und klingt halt wie ein Tori-Amos-Balladen-Album mit weihnachtlichen Texten. Großartig ist allerdings die Big-Band-Jazz-Nummer “Pink And Glitter”, der Rest ist zumindest nicht überraschend. Vielleicht wäre weniger mehr gewesen? Eine EP mit den Highlights (eben “Pink and Glitter”, “Emmanuel”, “Snow Angel” und “Jeanette, Isabella” zum Beispiel) wäre auf jeden Fall kurzweiliger gewesen. Andererseits, besser als Enyas And Winter Came und wohl auch als Loreena McKennitts A Midwinter Night's Dream ist das Album schon geworden.
The December People - Sounds Like ChristmasEiner der Klassiker der letzten Jahre im Bereich "weihnachtlicher Progrock" ist mit Sicherheit das Album Sounds Like Christmas von den December People aus dem Jahre 2001, hinter denen niemand Geringeres als Robert Berry (Jack Foster III, Ex-Three) und einige illustre Gäste (unter anderem John Wetton, Steve Walsh, Trent Gardner) stehen. Die Idee war gewitzt: Wenn man schon nicht alle Supergroups des Progs für ein Weihnachtsalbum gewinnen kann, dann kann man wenigstens Weihnachtsklassiker in deren Sound interpretieren. Mit den richtigen Sängern ist die Illusion zwar nicht wirklich wasserdicht pardon winterhart, aber mit etwas Glühwein und gutem Willen hört man dann wirklich Weihnachtliches von Bands wie Genesis, Yes, Pink Floyd, King Crimson, Kansas, Beatles oder Queen. In wie weit das Album dann über eine (unfreiwillige) Parodie hinausreicht, muss wohl jeder für sich selbst entschieden haben. Gehört haben sollte man das Album allerdings wirklich einmal.
The Jethro Tull Christmas Album: ExtendedIan Anderson hatte sich auf den Alben seiner Band Jethro Tull immer wieder mit Weihnachten beschäftigt. 2003 fasste er alte und neue Weihnachtssongs zum Album The Jethro Tull Christmas Album zusammen und überraschte die Kritiker positiv: Das Album bietet beschwingte, weihnachtliche Songs (sowohl traditionelle Weihnachtslieder wie "God rest ye merry gentlemen", als auch Eigenkompositionen wie "Birthday card at Christmas" und den Tull-Klassikern "A Christmas Song" und "Another Christmas Song") im folkigen Klanggewand mit viel Flöte und mit einem Augenzwinkern - wie immer bei Ian Anderson. Ein Weihnachtsalbum, das Spaß macht. Das Album ist dieses Jahr (2009) in einer erweiterten Version wiederveöffentlicht worden. Auf einer Bonus-CD gibt es das weihnachtliche Material live.
California Guitar Trio - A Christmas Album
(Fast) Rein akustisch geht es beim California Guitar Trio auf A Christmas Album zu. Die drei Gitarrenvirtuosen Bert Lams, Hideyo Moriya und Paul Richard, die üblicherweise gerne etwas respektlos-ironisch mit der klassischen Musik umgehen, halten sich auf ihrem Weihnachtsalbum angenehm zurück. Statt drolliger Verulkungen gibt es dezente Gitarrenmusik zum Fest. Dabei bedienen sich die drei Fripp-Schüler aus einem Fundus von über 500 Jahren weihnachtlicher Musik. Wer auf der Suche nach geschmackvollen Interpretationen ist, der liegt mit diesem Album goldrichtig.
Bugge Wesseltoft - It's Snowing On My PianoDer letzte Tipp in diesem Artikel mit prog-kompatibler Weihnachtsmusik ist ein ganz persönlicher: Bugge Wesseltoft, norwegischer Jazzmusiker und üblicherweise dem modernisierendem Teil der Jazz-Szene zugehörig, hat 1997 eher zufällig ein stilles Weihnachtsalbum der Extra-Klasse eingespielt. Anstatt Elektronik, Improvisation und Piano-Jazz miteinander zu vermengen (so wie er das üblicherweise unter der Überschrift "New Conception of Jazz" macht), reduzierte Wesseltoft klassische Weihnachtssongs (und einige neue Improvisationen) aus Skandinavien und aus Rest-Europa auf It's Snowing on My Piano auf zurückhaltende, sehr ruhige Piano-Variationen. Wesseltoft gelingt dabei wie keinem anderen zuvor, selbst die trivialsten und abgenutzesten Weihnachtsmelodien neu aufzuschlüsseln. Wer auf den improvisierten Jazz von Keith Jarrett (The Köln Concert
) oder von Bill Evans (Alone
) steht, wird sehr viel Freude an diesem Album haben, aber auch andere Jazz- und Prog-Fans sollten unbedingt einmal in dieses besinnliche, aber unkitschige Album hineinhören.
Wie gesagt: All diese Tipps und noch viele andere Weihnachts-CDs findet ihr ab sofort im amazon-Shop der Website in der Rubrik Proggige Weihnachten.
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Ich bin ein absoluter Sting-Fan, aber bei diesem Machwerk verweigere ich Sal die Gefolgschaft. "If On A Winter's Night" beginnt gut und verflacht ab dem dritten Stück zuhörens, bis es wortwörttlich nicht mehr zu ertragen ist. Sting knödelt sich einen zurecht, dass man nicht weiss, ob man weinen oder lachen soll. Alles hat so eine kirchlich-ätherische Ausstrahlung, passt ja zu Weihnachten, aber dann nehme ich doch lieber die Original-Weihnachts-Chorale und Ovatorien und was es nicht alles gibt. Nein, dieses Sting-Album ist keineswegs zu empfehlen. Lahm, lahmer, Sting! Der Kerl wird alt.
Kommen wir zur Botox-Braut: Das schlimmste an "Midwinter Graces" ist das Cover. Die Tori Amos, die man dort zu sehen bekommt, ist mitnichten eine Computer-Animation... Die Trulla sieht tatsächlich heute so zugespachtelt aus. Keine Ahnung was sie geritten hat, aber das ist heute das Gegenteil des süssen Mädchens von Nebenan, wie sie weiland um 1990 aus dem Nichts in der Musikszene aufgetaucht ist. Genug geketztert; die Musik von "Midwinter Graces" ist nämlich weitgehend gut, richtig gut... Passend zur Jahreszeit auch ein bisschen angekitscht, dennoch Abwechselungsreich und spannungsgeladen, dass ich fast zu der Überzeugung kommen; dies ist die überzeugendste Tori-CD seit Ewigkeiten. Ein heisser Tip für "Weihnachtsmucke-mit-Kern-Suchende.
Die anderen Alben sind aus den Vorjahren ja bereits bekannt und da schliesse ich mich Sal weitgehend an; die sind alle ziemlich schön und für "alternative" Weihnachtsmusik überaus geeignet. Höhepunkt ist dabei natürlich "Sounds Like Christmas" der December People. Ich höre da auch keine Parodie, sondern eine angenehme Würdigung der speziellen Sounds grossartiger Jahrhundert-Bands. Höchstempfehlung zu Weihnachten.
Kommen wir zu ergänzenden Möglichkeiten zu Weihnachten... Der Progger ist bekanntlich komplett humorlos, weshalb ich mit meinen Tipp gezielt den gemeinen Progger aus seinem Keller holen möchte:
- Richard Cheese: Silent Night Club
Wie gehabt verhohnepiepelt "Dick Cheese" weihnachtlich passende (Like A Virgin... get the picture?) und tatsächlich weihnachtliche Stücke (natürlich auch und gerade modernere Art) zu Swing- und Lounge-Versionen. Fantastisch! Und natürlich mit entsprechendem Humor, höre man sich doch nur die sensationelle Version von "Last Christmas" an, besser kann man dieses Stück nicht performen!
- South Park: Mr. Hanky's Christmas Classics
Rüde Texte, politische Unkorrektheiten, quietschige Gesänge und Satan würde so gerne auch Weihnachten feiern. Und "Oh, Du Überraschung", richtig gute Musik - zumindest Teilweise. Was ein Dreidel ist? Was Adolf Hitler Weihnachten so treibt? Wie cool Isaac Hayes gesungen hat? Die Antworten bietet diese spassige CD.
- Neal Morse - Merry Christmas From the Morse Family
Klasse Album, mit Humor, Spielfreude, Geschmack... Also eigentlich allem, was dem wiedergeborenen Christen Neal Morse heute leider weitgehend abgeht. Homerecordings, selbstkomponiert, herzerwärmend und erfreuend.
- Aimee Mann - One More Drifter In The Snow
Wenn man berücksichtigt, dass ich Aimee Mann (Ausnahme: Soundtrack zu Magnolia) für die langweiligste Künstlerin des Planeten halte, dann verwundert es um so mehr (zweite Ausnahme), dass ich ihr Weihnachtsalbum zum Grossartigsten in dieser Aufzählung zähle. US-Weihnachts-Songs, Interpretationen von Klassikern der 50er und 60er Jahre und dazu der Teil-Soundtrack des Grinch... Besser geht es nicht.
Meine 22 Cents zu diesem Fred! Frohe Weihnachten!