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Big 7for4 in Japan - Sechs unvergessliche Tage im fernen Osten

Bereits im Februar dieses Jahres ging es für die vier Jungs von 7for4 (Website) nach Japan: neben allerlei Entdeckungen im Land der aufgehenden Sonne standen für sie dort vor allem zwei Gigs auf dem Programm – eine große Chance, dort in der Ferne neue Hörer für sich zu gewinnen. In einem Gastbeitrag für erinnert sich die Band an sechs unvergessliche Tage.


Erst mal zur Vorgeschichte: Wie hat es uns eigentlich im Februar 2013 nach Japan verschlagen? Zu verdanken haben wir den Trip dem guten alten Charly H. aus Würzburg, in Insiderkreisen wohlbekannt als Konzertveranstalter für außergewöhnliche Musik und Import/Export Kleinunternehmer für ebensolche CDs. Er hatte Kontakt zu einem japanischen Musikvertrieb namens Disk Union und über diesen Weg ein paar 7for4 CDs unters Nippon-Volk gebracht. Die kamen wohl so gut an, dass Disk Union sich entschlossen hat, alle 3 CDs offiziell in Japan zu veröffentlichen und - um entsprechend Werbung dafür zu machen - uns für zwei Konzerte nach Tokio einzuladen. Da mussten wir natürlich nicht lang überlegen: So eine Gelegenheit ergibt sich nicht oft, auch für eine Band die schon so lang im Geschäft ist wie 7for4. Und unser Impresario Charly hat sich so über den gelungenen Deal gefreut, dass er gleich als Tourmanager mitgekommen ist. Hier unsere Erlebnisse in Japan im Detail.

Tag 1, 20.02.13
Nachdem vorab alle technischen Fragen geklärt waren, steigen wir in München mit minimalem Equipment in den Billigflieger von Aeroflot. Vorher lernen wir beim Check-in noch eine kleine Völkerkunde-Lektion zum Thema „Schlangestehen auf russisch“. Ohne Ellbogeneinsatz und gewagte Überholmanöver kommt man in Russland wohl nicht sehr weit. Diese interessante Erfahrung wird allerdings noch getoppt von den beeindruckenden Ergebnissen der plastischen Chirurgie, die die Moskauer Oberschicht in der Business Class zur Schau stellt. Ansonsten ist unser Hauptgesprächsthema während der ersten Flugetappe „Wie rum dreht sich eigentlich die Erde?“. Diese Frage können wir allerdings erst auf dem Rückflug abschließend klären…
Bei der Zwischenlandung in Moskau die ersten Verluste: Charly, der von Frankfurt losgeflogen war und von Moskau gemeinsam mit uns nach Tokio weiterfliegen wollte, sieht dank etwas sportlicher Reiseplanung und Verspätung des Zubringerfluges nur noch unsere Rücklichter. Das hat für ihn eine 10-stündige Odyssee durch diverse chinesische Flughäfen zur Folge. Verglichen damit ist unsere schlaflose Nacht in der Heringsklasse wahrscheinlich noch angenehmer.

Tag 2, 21.02.
Am Vormittag landen wir in Tokio und werden von einem dreiköpfigen Disk Union Empfangskomitee plus weiß behandschuhtem Fahrer abgeholt. Mit dem Kleinbustaxi geht es zum Hotel ins Zentrum von Tokio. Die Größe der Stadt ist beeindruckend, aber die klischeemäßigen Häuserschluchten und Menschenmassen sehen wir erst mal nicht. Sollte später noch kommen. Auffällig ist der Stilmix von modernen Hochhäusern und direkt daneben älteren Häusern mit den typischen Dächern und vogelwilder Stromverkabelung. Dann erst mal Lunch mit „Production Meeting“. Uns wird ein perfekt ausgearbeiteter Zeitplan präsentiert, der wirklich keine Fragen mehr offenlässt. Akiko und ihr Team haben an alles gedacht, sie wird sich auch in den nächsten Tagen rührend um uns kümmern.
Dann richten wir uns erst mal in den winzigen Hotelzimmern ein. Wolfgang verkabelt seine Gerätschaften mit dem japanischen Stromnetz, damit er sich auf den ersten Gig vorbereiten kann - den er ganz alleine spielen muss (dazu später mehr). Nach einem kurzen Jetlag-Nickerchen erkunden wir abends ein bisschen die Gegend zu Fuß. Unser Schlafrhythmus wird sich die ganze Woche nicht mehr normalisieren. Aber normale Rhythmen erwartet bei 7for4 eh niemand.

Tag 3, 22.02.
Um unseren Gesamtzustand mit einem Wort auszudrücken: müde. Weil Wolfgang zu einer Zeit aufwacht zu der er sonst schlafen geht, spielt er vor dem Frühstück schon mal das ganze Live-Programm auf der Gitarre durch. Nachdem wir das japanische Pantoffelsystem einigermaßen durchblickt haben (ein Paar fürs Bad, ein paar fürs Klo) wagen wir uns ins japanische Gemeinschaftsbad im Untergeschoss. Die Hotelzimmer haben nämlich keine Dusche, sondern nur ein Waschbecken und eine Toilette (die allerdings so viele Steuerknöpfe hat wie ein Flugzeugcockpit). Ungewohntes Konzept mit den Sitzeimerchen vor Duschköpfen auf Kniehöhe und dem 42°C heißen Pool, aber hinterher fühlt man sich sauber wie nie. Inzwischen ist auch Charly aufgetaucht und berichtet von seinen Abenteuern in China und den vielen neuen Stempeln in seinem Pass. Mittags kommen unsere Freunde von Le*Silo, eine japanische Avantgarde-Prog Band die vor einigen Monaten bei uns in München gespielt hat. Sie haben sich Zeit genommen, uns ein bisschen was von Tokio zu zeigen. Und sie bringen frische Brezn (!) mit, damit die Bayern unterwegs nicht verhungern. Zusammen mit ein paar Leuten von Disk Union steigen wir in die Metro und fahren zum touristischen Hotspot Tokios, dem Asakusa Tempel. Wir benehmen uns wie brave Touristen und machen ganz viele Fotos, bis wir mit der ganzen Truppe in einem koreanischen Restaurant einkehren. Mal ausländisch essen gehen, sozusagen.
Nachmittags geht es mit der Metro in den Stadtteil Shibuya. Das ist schon eher der erwartete menschliche Ameisenhaufen inmitten von Leuchtreklamen. Unglaubliche Menschenströme, gelegentlich portioniert von Ampeln, und mittendrin wir auf dem Weg zu Tower Records, dem größten Plattenladen von Japan. Hier steht eine Solo Performance von Wolfgang auf dem Programm, mit anschließender Autogrammstunde. Der Laden macht seinem Namen alle Ehre: 9 Stockwerke voller CDs, insgesamt 5000 m². Während überall auf der Welt der Trend zu Downloads geht, steht der Japaner offenbar noch auf Tonträger zum Anfassen. Im Rock-Stockwerk ist schon alles vorbereitet, eine Bühne mit PA, ein Gitarrenverstärker und ein riesiges 7for4 Plakat mit allen Infos zu Tour und CD Release. Wolfgang spielt drei Songs zum Playback, während die Gäste andächtig lauschen und fleißig Fotos machen. Anschließend stellen sie sich brav an, um sich ihre frisch gekauften 7for4 CDs von uns signieren zu lassen. Ungewohnte Erfahrung: Japaner die Schlange stehen für ein Autogramm und ein Foto mit der Band. Hat was…
Den gelungenen Tourauftakt feiern wir mit einem leckeren Abendessen. Wir sind alle total begeistert von der japanischen Küche, wirklich selten so gut gegessen.

Tag 4, 23.02.
Da unser Hotel nicht weit vom Live Club liegt, können wir zu Fuß zur ersten Show gehen. Unsere Equipment-Wunschliste wurde sogar übererfüllt, auf der Bühne stehen Verstärker vom Feinsten und dazu ein paar kompetente und hilfsbereite Bühnentechniker, die einem jeden Wunsch von den Lippen ablesen. Wenn das nur immer so wäre… Wir haben genug Zeit, einen Großteil des Programms durchzuspielen und fühlen uns mit dem Bühnensound sehr wohl. Schon folgt das nächste kleine Highlight: Unsere Organisatoren haben wirklich nichts ausgelassen und sogar schicke Tour-T-Shirts machen lassen, die jetzt direkt in den Club geliefert werden. Dann räumen wir die Bühne für Korekyojinn, unsere heutige Vorband, und gehen noch einen Kaffee trinken.
Angenehme Überraschung, als wir gegen Ende des Korekyojinn Sets zurückkommen: Der Laden ist voll bis auf den letzten Quadratzentimeter! Spätestens jetzt sind wir überzeugt, dass wir die richtige Band am richtigen Ort sind. Besonders freuen wir über zwei japanische Gäste, die uns schon in Deutschland bzw. Holland live gesehen haben, und sie freuen sich dass sie diesmal eine deutlich kürzere Anreise hatten. Das Konzert läuft gut, auch wenn ein Saitenriss bei Wolfgang uns zu einem spontanen Bass/Schlagzeug Solo zwingt. Das Publikum ist sehr angenehm, keine Spur von der berüchtigten japanischen Zurückhaltung: Es gibt ordentlich Applaus und Zugaben. Nach dem letzten Song wird das Publikum zügig hinauskomplimentiert, um Platz für die After-Show-Party zu schaffen. Im Zuschauerraum werden Tische aufgestellt für feinstes Catering (haben wir eigentlich
schon das sensationelle japanische Essen erwähnt?). Ein extrem gut eingeschenktes Glas Sake in der Kneipe um die Ecke rundet diesen perfekten Tag ab.

Tag 5, 24.02.
Nach ein bisschen Touri-Shopping am Vormittag beschließen wir in grenzenloser Selbstüberschätzung, zu Fuß zum Hotel zurück zu laufen - sieht ja auf dem Stadtplan gar nicht weit aus. Als uns nach einer Stunde die Dimensionen von Tokio langsam klar werden, nehmen wir doch lieber die Bahn, um noch rechtzeitig zum Soundcheck zu kommen. Wir spielen zwar nochmal im gleichen Club wie gestern, die Bühne musste aber inzwischen wegen einer anderen Veranstaltung komplett geräumt werden. Umso erstaunlicher dass wir alles - wirklich alles bis hin zum letzten Kabel - auf der Bühne genauso wieder vorfinden, wie wir es gestern hinterlassen hatten. Die müssen das echt fotografiert haben… unglaublich diese Japaner. Der Sound ist sogar noch besser als am ersten Tag.
Vor dem Konzert geben wir noch ein ausführliches Interview, das „Euro-Rock Press“ Magazin hat eine dreiköpfige Delegation geschickt: ein Fragesteller, eine Übersetzerin und ein langhaariger Waldschrat in Flipflops, der die ganze Zeit kein Wort spricht und sich am Ende als Chefredakteur entpuppt. Sie sind unfassbar gut vorbereitet und müssen wirklich alles gelesen haben was jemals im Internet über 7for4 geschrieben wurde.
Heute haben wir eine Band namens KBB im Vorprogramm. Erstaunt entdecken wir im Publikum einige Wiederholungstäter, die uns tatsächlich noch ein zweites Mal sehen wollen. Wir fühlen uns sehr geehrt, zumal die Tickets selbst für dortige Verhältnisse nicht ganz billig waren. Nach dem Konzert gibt es ein großes Abschiedsessen mit reichlich japanischem Bier.

Tag 6, 25.02.
Der Fahrer mit den weißen Handschuhen holt uns pünktlich vom Hotel ab und bringt uns zum Flughafen. Nach dem Check-in haben wir eigentlich noch viel Zeit bis zum Abflug, übersehen aber die extrem lange Schlange an der Sicherheitskontrolle. Um ein Haar hätten wir unseren Heimflug verschusselt, wenn uns nicht eine freundliche Flugbegleiterin Rockstar-mäßig vorbeigeschleust hätte. Aber hey - es gibt definitiv schlimmere Orte um zu Stranden als Tokio…
Abschließend muss man sagen, dass dieser Trip ein absolutes Highlight für uns war. Als nächstes werden wir nun hochmotiviert am neuen 7for4 Album arbeiten. Die Japaner haben nämlich schon angedeutet dass wir mit frischem Material im Gepäck nochmal kommen dürfen. Und das muss man uns nicht zweimal sagen.