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Freakshow-Festival - Part II, 25.09.2010 (Franz-Oberthür-Schule, Würzburg)

Roten Alarm gab es kurz vor dem Festival zu vermelden. Die Posthalle zu Würzburg war aus amtswiehernden Gründen nicht bespielbar, also musste in einer Nacht- und Nebelaktion umdisponiert werden. Es fand sich die Aula der Franz-Oberthür-Schule, welche bereits vor Jahresfrist Austragungsort fantastischer Konzertaktivitäten der Freakshow-Reihe gewesen war. Damals hiessen die Protagonisten noch Three Friends, Koenjihyakkei und Present, dieses Mal beglückte uns Sir Charles Heidenreich mit dem belgischen Kammerorchester Aranis (verstärkt durch Kult-Drummer Dave Kerman), der Avant-Dada-Metal-Kultband Sleeyptime Gorilla Museum und dem Erfinder des Zeuhl, nämlich Christian Vander und sein Musiker-Ensemble, welches er Magma betitelt.

Bier gab es keines und für das leibliche Wohl wurde auch nicht gesorgt. Kann man nicht drüber Meckern, denn die Umsiedlung des Events geschah tatsächlich quasi über Nacht. Wie soll man da noch für die Rahmenbedingungen sorgen? Dafür war das Wetter richtig schlecht, was sich als vortrefflich erwies, denn als Aranis fast pünktlich gegen 14.00 Uhr anfingen zu spielen, war die Halle angenehm abgedunkelt. Und so musizierte sich das ausgezeichnete Ensemble durch "Klassik-Pop" der gehobenen Güte. Dieses Mal mit einem gut aufgelegten Dave Kerman, der sich aber angenehm unprätentiös im Hintergrund hielt. Mancher mag sich fragen, ob das neue Album Roqueforte wirklich den Ausnahme-Drummer brauchte, doch die schöne Idee bot zumindest im zweiten Teil des Sets eine angenehme Abwechselung zum ehedem wunderbaren Sound der Belgier. Der akustische Sound der Band groovte wie eh und je, bekam einen deutlichen Hauch "Univers Zero" light verpasst und konnte auch in der Aula überzeugen. Ein weiterer, toller Auftritt der Band, die immer wieder kommen darf!

Umbaupause ist die Zeit für das allgemeine "meet and greet" und dieses Mal konnte man fast den Überblick verlieren. So viele Leute waren schon lange nicht mehr auf einer Freakshow! Magma und Sleepytime Gorilla Museum als Zugpferde? Vielleicht hat es sich aber auch einfach rumgesprochen, dass die von Charly veranstalteten Konzerte hohe Qualität haben.

Und schon ging es mit Sleepytime Gorilla Museum weiter. Zwei Worte; Sleepytime-Inferno! Eine enthemmte Band versucht akustisch die Halle zum Einsturz zu bringen, auf eine irgendwie elegante Art... Kleiner Wermutstropfen; der Sound. Vorne sehr laut, dafür halbwegs differenziert, kam hinten leider nur noch ein unstrukturiertes Gewummer an. Der Preis den man für den Umzug zahlen musste. Aber gut, die meisten liessen sich vorne die Hörleisten auf links drehen und gierten verzückt in Richtung der violinierenden Jungmutter. Auch die Frauen, natürlich! Mit welchem Körpereinsatz dieses verrückte Combo ihre Konzerte zelebriert und mit welcher Genauigkeit, das verschlägt einem doch immer wieder die Sprache. Aber gut, Krach muss man abkönnen. Danach ging es in entspannte Gespräche mit der Band, die sich noch den ganzen Abend, die ganze Nacht und überhaupt im Umfeld der Würzburg-Freaks bewegten. Bewegen? Wenn der gurgelnde Derrwisch Nils Frykdahl um 3.00 Uhr im neuen Immerhin am Kicker ackert oder 40 Minuten zu MDK abzappelt, dann sieht man noch viel, viel mehr Energie und bekommt noch viel, viel mehr Sympathie für die Super-Combo aus Oakland!

 

 

Zum Abschliess am Abschluss gab es einen endlosen Soundcheck von Magma, der dann von einem eher kurzen Konzert gekrönt wurde. Ementehtt-Re wurde gespielt und zwei neue Stücke. Ich gebe unumwunden zu, ich konnte es erneut nicht wirklich geniessen. Die Attitüde der Band gefällt mir nicht und wird es nie tun. Die Musik ist teils in Ordnung, teils hervorragend, teils aber auch überaus belanglos und die kultige Verehrung des Christian Vander, nebst der etwas überzogenen Selbstliebe desselben gehen mir eher auf den Keks. Aber so etwas gehört nicht in einen Konzertbericht, wenn ich auch hier kein Bild von Magma anbieten kann, war doch der Progszene Haus- und Hof-Fotograf Lutz Diehl (progrockfoto.de) leider schon auf dem Wege nach Hause. Er konnte schlicht nicht auf das Ende des Soundchecks warten, manche Leute haben ja auch noch andere Verpflichtungen. Aller Verbliebenen machten aber einen guten Eindruck und so konnte zu später Stunde das Magma-Konzert gefeiert werden.

Schlussendlich wurde ins neue Immerhin gepilgert und geklönt, getrunken, gefeiert, getanzt - Sir Charles, wir Danken Dir! Und wenn das so weiter geht (und irgendwo kamen Stimmen auf, dass man ja nächstes Jahr mit Echolyn und Anglagard eventuell schon nicht so schlecht aufgestellt sei... - bevor jemand einen Herzinfarkt bekommt: GERÜCHTE!!), dann kommen nächstes Jahr noch mehr Leute. Und das wäre ja kaum auszuhalten...

 

Sehr schöner Bericht, dem ich mich voll und ganz anschliessen kann... für mich sicherlich eine der beeindruckensten und musikalischen besten Freakshows überhaupt. Schade, dass ich nicht noch zur Aftershow bleiben konnte, aber nächstes Jahr wird wieder übernachtet ;-) Thanks, Charlie und auf "die Zehn", die wir nächstes Jahr erleben wollen!

Möchte mich dem anschließen, war meine vierte Freakshow und die bisher Beste :)