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Interview mit Richard Henshall und Tom MacLean von Haken und To-Mera

Hakens Set beim diesjährigen Night of the Prog an der Loreley wurde vom Publikum trotz der frühen Stunde (12:15 ging es los!) extrem gut aufgenommen. Ich hatte die Möglichkeit, ein paar Stunden später mit zwei Mitgliedern der Band zu sprechen: Keyboarder/Gitarrist/Hauptkomponist Richard „Hen“ Henshall und Bassist Tom MacLean. Die Idee dabei war, Interviews mit zwei Bands auf einmal zu führen, da die beiden auch in To-Mera zusammen spielen – wenn auch in ziemlich unterschiedlichen Rollen, mit Tom als Gitarrist/Hauptkomponist und Hen bloß an den Keys. Wir beschlossen, mit dem Haken-Teil des Interviews zu beginnen.


Michael Schetter mit Tom MacLean (Mitte) und Richard Henshall (rechts). Foto von Dave Mola

Michael Schetter:
Wie gefällt euch Night of the Prog bisher?

Tom MacLean:
Wahrscheinlich das Highlight unser Karriere, denke ich.

Richard „Hen“ Henshall:
Ja, wir haben noch nie vor so vielen Leuten gespielt. Und es ist unser erstes Mal in Deutschland, es ist also eine wirklich große Sache für uns.

 
"Wir haben noch nie vor so vielen Leuten gespielt." - Haken bei Night of the Prog 2011. Foto von Dave Mola

Nur damit ihr mich im Laufe des Interviews nicht korrigieren müsst: Wie spreche ich den Bandnamen richtig aus?

Hen:
Haken wie in „bacon“. So denken wir uns das.

Was bedeutet er?

Hen:
Es gibt keine Bedeutung. Der Name entstand bei alkoholgetriebenen Treffen mit einem Freund von mir und wir dachten, es wäre alleine vom Klang her ein schöner Name. Es steckt keine tiefe Bedeutung dahinter.

Ihr habt nicht dran gedacht, dass er auf Deutsch was bedeuten könnte, als ihr euch dafür entschieden habt...

Hen:
(lacht) Ja, wir haben rausgefunden, dass es in Deutschland unserem "hook" entspricht?

Ja...

Hen:
Ja. Und es ist ein norwegischer König. Das hat also ganz gut geklappt.

Tom:
Und “stricken” in Holland oder so.

Hen:
Wir lieben Stricken, es hat also letztendlich ziemlich gut geklappt!

Ihr arbeitet gerade an eurem zweiten Album. Wie läuft die Sache?

Hen:
Es ist sehr intensiv. Den letzten Monat über ging es praktisch non-stop. Ich hab gearbeitet, bin nach Hause gekommen und hab die Parts aufgezeichnet. Und buchstäblich bis zum letzten Tag vor unserer Abreise nach Deutschland haben wir noch bis zur letzten Minute aufgenommen. Es war also sehr intensiv, aber wir haben's jetzt fast geschafft. Es bleiben noch zwei Tage oder so und es klingt ziemlich gut, denke ich.

Tom:
Es sind nur noch die Gitarrensolos übrig, glaube ich, und die können wir eh später aufnehmen. Das klappt schon.

Nachdem die CD in den Läden steht, nicht? (Tom lacht) Ich glaub es war Allan Holdsworth, der angeblich einmal eine seiner Aufnahmen hörte und eins seiner Solos nochmal aufnehmen wollte – bloß dass ihm der Produzent nur noch sagen konnte „Die Platte ist schon in den Läden, Allan!“ Wie auch immer, habt ihr schon einen angepeilten Erscheinungstermin?

Hen:
Hoffentlich Mitte Oktober. Wir spielen im September beim ProgPower USA, daher werden wir dort einige Exemplare vor dem Release verkaufen und das Album dann um den 15. Oktober herum veröffentlichen.

Tom:
Wir bringen auch ein paar Exemplare zu Generation Prog in Nürnberg eine Woche später. Naja, zumindest hoffe ich, dass wir noch ein paar übrig haben werden. Wir tendieren dazu, zu jedem Auftritt nur ungefähr 10 CDs mitzubringen, daher...

Hen:
Ja, ich denke, wir haben zu diesem Auftritt ungefähr 200 CDs zu wenig mitgebracht, denn sie waren alle in fünf Minuten ausverkauft, glaube ich...

Ihr hattet schon eine komplette CD an Demos, bevor euer erstes Album veröffentlicht wurde. Da Aquarius ein Konzeptalbum war, musste darauf natürlich alles zusammenhängen. Aber habt ihr beim neuen Album die Gelegenheit gehabt, nochmal zu irgendwas von dem Demo-Material zurückzukommen oder ...?

Hen:
Nein, tatsächlich ist alles komplett frisch. Wir beschlossen, alles in einem Durchgang zu schreiben, sodass die Songs miteinander verbunden sind.

Es ist also wieder ein Konzeptalbum?

Tom:
(nickt) Ein weiteres großes, bombastisches Konzeptalbum. Sogar noch epischer als das letzte!

Hen:
Wir sind immer noch unsicher, was das Konzept angeht, da müsstest du mit Ross sprechen. Ich verstehe bis heute noch nicht mal das Aquarius-Konzept. (lacht)

Tom:
Ja, wir sind da nicht eingewiesen worden!

Hen:
Ich bin ziemlich sicher, dass es lose auf Träumen basiert. Du wirst einfach abwarten müssen. Lies die Texte und du wirst es hoffentlich verstehen.

Tom:
Gute Antwort!


Night of the Prog 2011: Sänger und Konzept-Mann Ross Jennings mit Tom und Hen. Foto von Dave Mola

Die neuen Songs, die ihr heute gespielt habt, waren stilistisch dem Debüt relativ ähnlich, aber ich glaube es gab darin kein Growling. Habt ihr das abgeschafft oder ist es immer noch etwas, das …?

Hen:
Ich denke nicht, dass es ein bewusstes Bestreben gibt, das Growling wegzulassen. Es ist eher so, dass die Abschnitte in den neuen Songs kein Growling brauchten. Wir haben auf dem Album tatsächlich kein Growling, aber das ist nicht daher, dass wir dies bewusst so beschlossen hätten. Wir fühlten einfach keinen Bedarf dafür, während bei Aquarius einige der Motive etwas düsterer waren, von daher...

Ihr habt etliche Mitglieder, die in anderen Bands aktiv sind oder waren, teilweise sogar in führenden Rollen. Wie funktioniert der Schreibprozess von Haken mit so vielen Komponisten in der Band?

Tom:
Es beginnt grundsätzlich mit Hens Grundgerüsten für Songs. Aber diesmal, obwohl Hen weiterhin definitiv der Hauptkomponist ist, gab es mehr... sagen wir mal Gruppen-Bearbeitung...

Hen:
Ja, es gibt zwei Songs, bei denen es eher Gemeinschaftswerke waren. Einer wäre Insomnia, das wäre das Hauptbeispiel dafür, wie wir eine Idee für einen Song hatten, aber wenn du ihn dir jetzt anhörst, hat er sich wirklich in etwas Neues verwandelt.

Etwas viel schlechteres natürlich...

Hen:
(lacht) Natürlich!

Jeder ist zufrieden mit dem Song bis auf denjenigen, der ihn ursprünglich geschrieben hat...

Tom:
(klopft Hen auf die Schulter) Er muss bei einem Song Kompromisse eingehen!

Hen:
Ja! Es gibt also zwei Songs, die ein Gemeinschaftswerk sind, aber natürlich ist es das gleiche Konzept, bei dem wir ein Grundgerüst zu den Jams mitbringen und wo jeder seinen eigenen Stil mit einbringt.

Tom, für einen Gitarristen spielst du ziemlich gut Bass! (lacht)

Tom:
Naja, manchmal... Heute konnte ich mich kaum dran erinnern, wo ich meine Finger hin tun sollte...

Was ist denn jetzt wirklich dein erstes Instrument?

Tom:
Sicherlich Gitarre. Mit Bass hab ich angefangen aus Prinzip, nachdem ich irgendwann genug hatte vom Mangel an guten Bassisten in unserer Stadt. Ich dachte, wenn's jemand tun muss, kann das genau so gut ich sein. Und mein Ego hätte es nicht verkraftet, wenn sie jemanden anderes zum Bass-Spielen gefunden hätten. Ich musste mich der Herausforderung stellen. Aber ich habe seit Aquarius daran gearbeitet. Ich muss zugeben, dass Bass damals für mich noch etwas ziemlich Neues war, aber ich habe diesmal viel stärker an meinen Bass-Fähigkeiten gearbeitet.

Man kann also ohne zu übertreiben sagen, dass du für Haken mit dem Bassspielen angefangen hast?

Tom:
Ja.


Charlie Griffiths (links) ergänzt den dichten Haken-Sound um 8-saitiges Gitarrenriffing. Foto von Dave Mola

Hakens Musik ist sehr vielschichtig und komplex, daher habt ihr live – und auch im Studio – zwei Leute, die Keys spielen, und zwei Gitarristen. Fühlt sich der Bassist da nicht manchmal ein wenig einsam?

Tom:
Einsam? Ich leide immer noch etwas am Bassisten-Minderwertigkeits-Komplex, aber ich arrangiere mich damit. Ich meine, das ist teilweise der Grund dafür, dass ich mir für Aquarius einen Fretless-Bass gekauft habe. Denn ich dachte, wenn ich nur einen Standard-Bass nehme, wird ihn niemand bemerken. (lacht) Also ja: Ego, leider. Aber diesmal gibt es viel mehr 6-saitigen Bass, mit Bünden. Etwas Slapping, ein wenig mehr tapping. Etwas mehr Bass-Bass. Bass für Bassisten.

Hen:
Es gibt definitiv in manchen Abschnitten des Albums viel mehr Platz für Tom, um coole Grooves zu spielen.

Hen, du spielst auch zwei Instrumente, in deinem Fall Keys und Gitarre. Nachdem du bei To-Mera auch Keyboarder bist, ist dies dein Hauptinstrument oder kam die Gitarre zuerst?

Hen:
Ich war ungefähr 7, als ich mit dem Klavierspielen angefangen habe, und ich habe mit ungefähr 12 Jahren mit Gitarre angefangen, daher würde ich sagen, dass ich um einiges besser zurechtkomme am Klavier und an Keyboards. Von daher, ja: Es ist mein erstes Instrument.

Wie unterscheidet sich deine Herangehensweise ans Keyboard-Spielen zwischen den beiden Bands?

Hen:
Ich denke, bei Haken halte ich mich oft etwas zurück und Diego nimmt die Führungsrolle ein, aber in To-Mera bin ich der einzige Keyboarder, also übernehme ich eher eine führende Rolle. Und es ist wirklich ein anderer Musikstil – es ist mehr vom Jazz beeinflusst. Ich denke daher, dass sich mein Spielstil ganz automatisch anders gestaltet.

Tom:
Er kann mehr an den Keyboards frickeln anstatt an der Gitarre.

Das eignet sich perfekt als Übergang zum nächsten Teil unseres Interviews: Ich stehe hier mit Richard Henshall und Tom MacLean – nicht von Haken, sondern diesmal von To-Mera!

Hen:
Lange nicht gesehen!

Beginnen wir mit einer wirklich kreativen, originellen Frage – was bedeutet der Bandname eigentlich?

Tom:
Angeblich, so wurde mir das jedenfalls aufgetragen, basiert er auf dem ursprünglichen Namen, den die alten Ägypter ihrem Königreich gaben, das auf der Vorstellung gegründet wurde, dass Wissenschaft und Magie bei der Gründung einer Zivilisation koexistieren sollten. Oder irgendwas in der Art. Angeblich.

Das hast du alles auswendig gelernt, ja?

Hen:
Die Version hab ich noch nie gehört! (lacht)

Tom:
Das war die ursprüngliche. Sie hat sich mit den Jahren geändert.

Ich finde es recht auffällig, dass To-Mera im Vergleich mit den meisten Metalbands mit weiblichem Gesang einen sehr unkommerziellen Stil hat. War das eine bewusste Entscheidung oder hat sich das für euch einfach ganz natürlich so ergeben?

Tom:
Naja, wenn du mit „unkommerziell“ meinst, dass wir keine CDs verkauft kriegen, dann hast du wahrscheinlich recht. (lacht)

Ich meine, die Musik ist viel weniger zugänglich als Bands wie Nightwish oder Epica.

Tom:
Als die Band ursprünglich anfing, sollte es mehr oder weniger eine ziemliche Avantgarde-Sache sein. Sie wurde eigentlich von Lee Barrett gegründet, der nicht mehr dabei ist, aber er war der Label-Manager von Elitist Records und sie nahmen viele sehr extreme, technische, abgedrehte Avantgarde-Bands unter Vertrag. Ich traf in und Julie durch einen reinen Zufall, kannte sie aber beide schon durch ihre individuellen Vorgeschichten. Julie hatte gerade ihre letzte Band verlassen und wollte eine neue gründen, Lee wollte eine technische Metal-Band gründen, wir kamen also einfach alle zusammen und schrieben Riffs auf 'nem Laptop und produzierten ein paar Songs. Ich weiß nicht, ob es eine bewusste Absicht war, unzugänglich zu sein.

Es muss ja nicht etwas negatives sein, es kann euch auch auf gewisse Art von der Masse abheben...

Tom:
Es hat Vor- und Nachteile, denn wir wollten eine originelle und technische Metal-Band mit weiblichem Gesang sein. Aber es sorgt für Probleme, wenn der Großteil des Publikums und die Medien mehr oder weniger nach den nächsten Nightwish und Within Temptation suchen. Daher variieren die Bands, mit denen wir spielen, ziemlich stark. Manchmal spielen wir einfach mit Goth.-Bands zusammen und es ist etwas seltsam, denn wir nehmen wirklich, was kommt.

Ihr habt euch nach zwei Alben von Candlelight Records getrennt und eure nächste EP selbst veröffentlicht. Wie ist das für euch gelaufen?

Tom:

Es war eine steile Lernkurve, denn in mancherlei Hinsicht wurden wir so schnell unter Vertrag genommen, dass wir gar nicht wussten, wo wir waren und was wir taten. Wir wurden quasi von diesem Label bemuttert, das gleichzeitig sehr kühl agierte und sich nicht eingemischt hat, und wir waren nicht ganz sicher, was wir tun sollten. Und wir kamen zu einem Punkt an dem wir erkannten, dass sie nicht wirklich Interesse hatten an der Richtung, die wir gewählt hatten. Sie drückten praktisch ihre Enttäuschung darüber aus, dass wir keinen kommerzielleren Weg einschlagen wollten. Wir dachten „Das wird nicht passieren.“ Also nahmen wir vor zwei Jahren in ungefähr einer Woche die EP auf und natürlich war es ganz anders als wenn man ein Label hat, das die Dinge antreibt. Plötzlich hatten wir ganz auf uns allein gestellt, aber die Sache ist nach und nach durchgesickert.

Werdet ihr bei eurem nächsten Album versuchen, wieder mit einem Label zu arbeiten?

Tom:
Wir haben einige Ideen und ich denke, das Wichtigste ist es, ein Produkt zu haben, mit dem wir alle zufrieden sind und auf das wir uns einigen können, und die Sache dann ab da weiterzuführen. Anstatt uns erst ein Label zu suchen, was in der heutigen Zeit ohne ein Produkt nicht sehr wahrscheinlich ist, werden wir einfach versuchen, erst einmal was zusammenzustellen, und dann schauen, ob es sich lohnt es zu vermarkten.

Arbeitet ihr derzeit schon an neuem Material?

Tom:
In den letzten zwei Monaten war alles auf Standby, da wir die Haken-Platte abgeschlossen haben, aber es gibt eine Menge an Zeug, an dem wir arbeiten können, wenn wir uns wieder dran setzen.

Ich fand, dass sich die EP stilistisch relativ deutlich von den früheren Alben unterschied. Was für eine weitere Entwicklung können wir erwarten?

Hen:
Nun, Tom hat viele der Ideen bereits geschrieben. Wir hatten ein paar Proben vor ungefähr vier Monaten oder so und ich würde sagen, die Songs fließen sehr schön und wenn überhaupt, ist die Herangehensweise an die Musik etwas softer geworden. Aber es gibt immer noch die Hardcore-Riffs und die Jazz-Harmonien, es ist also immer noch der gleiche Stil.

Tom:
Es wird erkennbar die selbe Band sein, aber ich denke, es könnte irgendwann ein paar weitere Verweise auf den früheren Stil geben, das düsterere Zeug. Aber wir haben noch Zeit, das auszuarbeiten.

Hen, als der Neuling in der Band, welche der alten To-Mera-Stücke spielst du am liebsten?

Hen:
Nun, ich liebe Delusions. Ich würde sagen Hourglass, es scheint eine tolle Energie zu haben, es kommt beim Publikum super an. Aber das ganze Album ist wirklich spaßig (Tom klopft Hen auf den Rücken).

Habt ihr jetzt einen zweiten Gitarristen in den To-Mera-Livesound eingebracht, nun da du in der Band bist? Spielst du live beide Instrumente?

Hen:
Wir haben's einmal probiert, oder? Wir spielten ein Cover von...

Tom:
Queensryche... (lacht)

Hen:
Ja! Ich hab da etwas Mist gebaut. „Ist das jetzt mein Einsatz?“ Und ich hab mein Solo verpasst, das hat also nicht so toll geklappt. Aber wer weiß, in der Zukunft...

Tom:
Ich denke, es gibt dafür Handlungsspielraum, wir müssen uns nur überlegen, wie wir es einbringen. Wir haben immer noch dieselben Musiker wie auf der Earthbound-EP, wir müssen bedenken, wie wir unseren Sound zwischen all den Alben beständig halten können, während wir gleichzeitig versuchen, neue Dinge einzubringen. Hoffentlich wird Hen etwas Gitarre übernehmen, aber mich dabei nicht wie einen Amateur aussehen lassen. (lacht)

Hen:
Das wird nie passieren!

Tom:
Wir schneiden einfach einige seiner Noten raus! (lacht)

Hen:
Und dann packen wir sie in dein Solo! (lacht)

To-Mera gibt es seit sechs Jahren und in anderen Ländern habt ihr schon für Bands wie Dream Theater, Emperor und Pain of Salvation eröffnet, aber ihr habt noch nie in Deutschland gespielt. Wie ist das passiert?

Tom:
Es war witzig: Als Transcendental auf den Markt kam, verriss es die deutsche Presse total, um ehrlich zu sein. Ich kann mich an das erste Review in Metal Hammer erinnern und ich glaub es war eine Einzeiler-Rezesion nach dem Motto „Wo sind die Refrains? 1 von 10“ oder so. Wir haben in Deutschland leider keinen guten start erwischt. Ich denke, mit der Zeit wurde unsere Musik für das deutsche Ohr etwas ansprechender, aber leider haben alle woanders gesucht...



Nun zu meiner Lieblingsfrage: Ihr habt drei CDs rausgebracht und drei Mitgliederwechsel gehabt. Wer ist als nächstes dran?

Hen:
(lacht)

Tom:
Wahrscheinlich ich...

Hen:
Ich, Mann. Ich steig aus!

Tom:
Es ist eine gute Frage. (lacht) Nein, ernsthaft. Ich gebe dir nicht die Antwort, die du erwartest. Wir haben vorsichtig darüber nachgedacht, dass wir auf diesem nächsten Ding viel mehr Gastmusiker einsetzen werden. Denn bislang sind die Songskizzen, die wir haben, ziemlich vielfältig, so dass sie in vielen Fällen davon profitieren würden, wenn wir eine Mischung von verschiedenen Leuten hätten, während die Kern-Band gleich bleibt.

An was für Instrumente denkt ihr?

Tom:
Naja, ich meine alles von so etwas gewöhnlichem wie einem Piano zu Dingen wie ethnische Instrumente und Percussion.

Irgendwelche Jazz-Instrumente wie Saxophon...?

Tom:
Möglicherweise. Wir haben die Saxophon-Sache schon einmal gemacht. Wir hatten ein paar Gastmusiker auf Delusions und das machte die Platte stellenweise ziemlich verschroben. Ich denke, sowas würden wir gerne probieren. Ich sage nicht, dass wir zu irgendeinem Ayreon-Projekt mutieren werden, bloß dies ausarbeiten... Das ist eine Folge der langen Mitarbeit bei Haken, wo alles so unheimlich vielschichtig ist. Ich meine, beim durchschnittlichen Stück sind ungefähr Hundert unterschiedliche Instrumente drauf oder so. Da wird einem klar, dass es viel mehr Handlungsspielraum für zusätzliche Parts und dergleichen gibt. Wir werden also wahrscheinlich ein paar zusätzliche Sänger einsetzen. Julie hat einige talentierte Sängerinnen in ihrem Freundeskreis, die zum Einsatz kommen könnten... Ich meine, wir haben noch nicht so weit voraus gedacht, dass wir das auch live machen, aber in Sachen Aufnahmen denken wir darüber nach, zusätzliche Stimmen und was weiß ich noch einzusetzen. Ich kann noch nicht sagen, wer es ist, aber manche von ihnen sind relativ bekannt.

OK, zum Abschluss nennt eine halbwegs aktuelle CD, die jeder hören sollte!

Tom:
Ich sag einfach mal Jasmine von Keith Jarrett und Charlie Haden, weil es ein wunderschönes Jazzballaden-Album ist. Nur Piano und Kontrabass.

Hen:
Ich hab vor kurzem eine neue Band entdeckt, sie heißt Shaolin Death Squad. Ich mag sie wirklich. Es ist ein wenig wie eine Mischung aus Mr. Bungle und Pain of Salvation. Und was mit gefällt ist das Album Five Deadly Venoms, also hör mal rein, es ist ein wirklich gutes Album!