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Jan Zehrfeld über die Arbeit mit Panzerballett

Mit [Progrock-dt] sprach er über Eindrücke während der Tank Goodness-Tour, Kompositionsarbeit und feine Weiterentwicklungen des Panzerballett-Stils.*

So lange wie keine Tour der Band zuvor war sie, die Release-Tour zum Ende September erschienenen vierten Studioalbum Tank Goodness der Münchner Jazzmetallisten Panzerballett um Frontmann und Gitarrist Jan Zehrfeld. Was sonst innerhalb eines Jahres gespielt wurde, ballte sich im Oktober in einer quer auf Städte in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz verteilt in über 20 Konzerten.

Nach dem Würzburgkonzert am 17.10. gab es die schöne Gelegenheit, mit Jan ein kurzes Gespräch über die Philosophie Panzerballettschen Komponierens, dessen Fortschritt im Laufe der Bandgeschichte und Eindrücke während der Tournee zu sprechen.

Das vielleicht Auffälligste an der Tour ist, daß sie konsequent als Release-Tour wahrgenommen wird und der Schwerpunkt deutlich auf Stücken des neuen Albums sitzt, ältere Stücke werden gar nicht gespielt: mitnichten bedeute dies jedoch eine Verleugnung der Vergangenheit, aber es müsse eben weitergehen, so Zehrfeld. Wie aber sieht nun der Fortschritt in der Kompositionsarbeit einer Band aus, die eh schon zwischen den Stühlen von Rock und Jazz sitzt? - Deren Arbeit, sei es aus dem Blickwinkel der Kompositionsarbeit, sei es aus dem des Ergebnisses, von Beginn an als außergewöhnlich betrachtet werden kann, lief man doch immer Gefahr, dem Rocker nicht straight, dem Jazzer nicht vertrackt genug zu sein – oder auch umgekehrt: eben zu vertrackt zu sein. Eine schwierige Situation also: wo bewegt man sich als nächstes hin, was geht, was geht nicht? Und so verwundert es nicht, daß in Albenbesprechungen insbesondere zum vorab erschienenen Hart genossen… Von Abba bis Zappa die Rede teils von ‚more of the same’ war – dieses ‚same’ jedoch freilich auf hohem Niveau.

Konzeptionell sind sich Panzerballett seit ihrem gleichnamigen Debutalbum treu geblieben, was sich auch in der Konstellation der gegenwärtigen Bandzusammensetzung widerspiegelt: dem Melodieduo von Alex von Hagkes Saxophon und Joe Doblhofers Gitarre steht das treibende Rhythmus-Riff-Duo von Zehrfelds Gitarre und Heiko Jungs Baß gegenüber, die wiederum von Sebastian Lansers Drumming vernietet werden. Dies, so Zehrfeld kann als das Bandkonzept von Panzerballett betrachtet werden, ausgehend von welchem die Stücke dann konzipiert und aufgebaut werden.

Thematisch-kompositorisch hingegen befindet man sich in einem fortschreitenden Entwicklungsprozeß, der die Band vom homogen im Fusionbereich angesiedelten Debutalbum, über das bereits heterogen zwischen den Polen Metal und Fusion angesiedelte Starke Stücke schließlich zum deutlich am Metal ausgerichteten Hart genossen… Von Abba bis Zappa geführt hat; eine Entwicklung, die auf dem ebenfalls stärker metalbetonten Tank Goodness vorerst nicht weitergeführt wurde, allerdings wurde der Anteil von Coverstücken zurückgefahren, was denn auch eine Entwicklung darstellt, wie sie auch bereits für das nächste Album vorgesehen ist. Die Entwicklung liegt hier weniger auf der Seite der Klangfärbung, als vielmehr auf jener der kompositorischen Konzeption: waren bislang Stücke in ihrer Taktbetonung stark auf Achtelnoten ausgerichtet (der bekannte Zappeleffekt beim Versuch, Mitheadzubangen :) ), so wird die Betonung nun stärker auf die Viertelnoten gelegt. Die Folge ist ein scheinbar straight vom Schlagzeug geführter Rhythmus, der aber von den anderen Instrumenten variiert sein kann. Dies schlägt sich u.a. auch in der Weiterentwicklung bestehender Konzepte nieder: Some Skunk Funk, der Opener von Tank Goodness und als Fortführung der Fusion-Verkrassungen in einer Linie mit dem Birdland-Cover anzusehen, basiert gänzlich auf Quintolen; eine Technik, die zum Teil auch beim Coltrane-Cover Giant Steps Eingang fand und zuvor von der Band noch nicht geboten worden war.
Und auch das altgediente Zehrfunk vom Debut hat die Band noch mal hervorgeholt und attraktiv aufgemöbelt, was v.a. auf der Bühne Eindruck hinterlassen dürfte: Zehrfeld teilt sich mit seinem Gitarristenkollegen Doblhofer die Notenverteilung des Leadriffs auf: das Riff wird von einem der beiden Instrumente zum anderen weitergegeben, wodurch quasi ein Stereoeffekt erzeugt wird.

Die – alles andere als oberflächlichen - Neuerungen liegen also dezent unter der Oberfläche verborgen, was die Leute aber nicht davon abhält, Panzerballett weiterhin guten Zuspruch zu geben. Insbesondere das Konzert in Bremen, wo die Band noch gar nicht gespielt hatte, blieb Zehrfeld aufgrund des enthusiastischen Publikums als (bisheriges) Highlight der Tour hängen.

Die Spiellaune ist den Jungs von Panzerballett noch lange nicht vergangen, das merkt man auf, als auch abseits der Bühne. Bleibt noch zu sagen: vielen Dank nochmal für das Gespräch, Jan und viel Spaß weiterhin bei der Umsetzung eurer Ideen! Wir sind jedenfalls gespannt.

* Das Gespräch war nicht aufgezeichnet worden, weshalb eine schriftliche Wiedergabe in direkter Rede leider nicht möglich war.