Glosse

Der Spaß am Vorbeihören: Impressionen vom The-Mars-Volta-Konzert im Palladium, Köln 08.03.2008

Ich bin kein Fan von Konzert-Reviews. Wenig ist älter als ein beendetes Konzert. Warum soll ich mich damit noch beschäftigen, wenn ich nicht gerade in netter Runde über die gemeinsam gemachten Erfahrungen rede?

Ich will auch gar keine Review schreiben, ich schreibe nichts von dem schlechten Sound im Palladium (eine viel zu hohe, viel zu lange Stahlkonstruktion, die offensichtlich ungeeignet für Konzerte ist), es soll nicht um lebensgefährdende Drum-Marathons gehen, nicht darum, dass Bixler nicht singen kann und Rodriguez kein guter Gitarrist ist...

Bemerkenswert (und der Grund für meine kurze Einlassung) ist eine Aussage von Cedric Bixler Zavala, der nach einer Akustik-Gitarre/ Vocal-Performance das Publikum für Unaufmerksamkeit rügte. Mit den frei übersetzten Worten; "Ich dachte nur Amerikaner labern während Musik rum..." und "Im Kino stört Euch das Gelaber doch auch..." sprach Bixler ein weithin bekanntes Thema an, das auch mir schrecklich auf den Keks geht. Immer wieder entdeckt man bei Konzerten Leute, die nichts anderes zu tun haben, als während der Performance ein Kaffee-Kränzchen mit dem Nachbarn abzuhalten. Warum bezahlt man Geld für ein Konzert und verlabert mindestens die Hälfte? Ganz davon abgesehen, dass sich doch einige Leute auf die Musik konzentrieren möchten, denen es schlichtweg egal ist, welchen Rekord der Nachbar auf seiner WII erzielt hat, ist es doch auch irgendwie eine Geringschätzung gegenüber den Künstlern... Oder bin ich nur ein musik-konservativer Piefke, dem der "Spaß am Vorbeihören" unbekannt ist?

Ich finde es wirklich ärgerlich, mit welcher Oberflächlichkeit zahlende Zuschauer (und eben leider nicht Zuhörer) an das Medium Musik herantreten. Nichts gegen einen kleinen Austausch unter Kumpels, ich rede nur von den (alles andere als seltenen) Dauerschwätzern!

Bixler war nach seiner Ansage die Lust erkennbar vergangen und die Tragik der Situation war nicht zu übersehen; die meisten hatten seine Worte schlichtweg "verquatscht". Gut, dass wir mal drüber gesprochen haben.

Ich war gestern ebenfalls anwesend und kann da Fix voll und ganz zustimmen.
Klar dreh ich mich auch schon mal zu meinem Nachbarn guck ihn fassungslos an und sage "Das kann kein Mensch mehr sein, das ist ein Außerirdischer" (bezogen auf den völlig unfassbar ausdauernden Powerdrummer von Mars Volta), aber das sind 5 Sekunden, die ich meistens auch noch versuche leise nur zu ihm zu sprechen.

Das würde mich auch bei anderen nie stören. Wenn aber vor mir 2 Jungens stehen, die ein Bier nach dem andern trinken (was ja auch ok ist) und dabei immer genüsslich über die neusten Gegebenheiten im Freundeskreis sprechen und nur bei den eigentlich Songs mal die Klappe halten (wenn überhaupt) dann ist das schon recht nervig (Denn ein Mars-Volta-Konzert besteht eben nur etwa zur Hälfte aus Songs und sonst aus Soundcollagen und übergeilen Jams).
Zum Glück waren die beiden noch halbwegs ok und es ging nur manchmal auf die Nerven, zeigt aber die Tendenz, die auch Fix anspricht, die Leute waren nicht wirklich bereit für einen dreistündigen Konzertfilm, sondern wollten nur ihre Songs sehen. Schade, denn die meisten wissen gar nicht was sie verpassen :).

Sehr aufschlussreich übrigens, was man alles im Studivz erfahren kann, denn in der Gruppe "The Mars Volta" wird das ganze natürlich auch diskutiert, und ein junges Mädchen konnte folgendes zur Aufklärung beitragen:

Hammer Konzert!!!! Dazu muss man nicht mehr sagen, 3 Stunden Musik vom Allerfeinsten!
Und mal zum Thema Omar und Cedric sein zickig, "Rockstar-Allüren" usw. Ich stand während "asilos magdalena" 2. reihe kurz neben einem Typen, der schon kurz vor dem Konzert versucht hat, sich an mir vorbeizudrängeln, mit der grandiosen Begründung "I'm from El Paso too and I need to talk to Omar". Selbiges hat er dann auch während des Konzerts konsequent an sämtlichen passenden und vor Allem unpassenden Stellen gemacht, als man gerade einfach nur die Musik genießen und sich treiben lassen wollte...das ging im Übrigen sämtlichen Leuten im Umkreis von 10 Metern um diesen Kackvogel unheimlich auf den Kranz (wobei ich der Meinung war, dass Cedric und Omar das gar nicht mitbekommen). Bei Asilos hat er's dann auf die Spitze getrieben in dem er mittendrin irgendwas a la "Ey, play it as if you love it, Omar" gebrüllt hat, woraufhin dann Omar, dem dieser Affe offensichtlich schon länger aufgefallen war, die Schnauze voll hatte und "Shut the fuck up, man!" zu ihm gesagt hat. Später dann aus selbigem Grund auch der Kommentar von Cedric...
Ich würde sagen, dass hat NICHTS mit Rockstar-Allüren zu tun, sondern einfach nur was damit, dass beide es verständlicherweise für eine äußerste Respektlosigkeit ihnen und dem Publikum gegenüber gehalten haben. Ich persönlich war ihnen sehr dankbar dafür, dass sie diesen Kleingeist zum Schweigen gebracht haben, denn ich denke anders hätte man das nicht hinbekommen...Deswegen haben WIR (also die Leute die um den Typen rumstanden) eigentlich angefangen zu applaudieren!

Inzwischen gibt es auch ein Video von dem Song bei youtube, wo man den Kerl einmal zu Anfang und dann bei 3:40 seinen satz und auch omars reaktion sehen kann:

http://www.youtube.com/watch?v=UX8PSxwzNF4

Interessante Meinungen hier , die meisten kann ich teilen , allerdings muss ich Fix aber widersprechen , wenn er sagt das Rodriguez kein guter Gitarist ist . Für die Art Musik , welche Mars Volta spielen , passt sein Stil und Können ganz gut .
Cedric hatte allerdings stellenweise Probleme das gesangliche Niveau welches er auf den Platten unter Beweis gestellt hat auf die Bühne zu bringen , aber wen wunderts , bei dem Gezappel :-)).
Im übrigen habe ich eine relativ positive und interresant zu lesende Review im Netz gefunden , da es ja hier keine zu lesen gibt ;-) . Es sind auch einige wirklich tolle Fotos enthalten:
http://www.regioactive.de/story/6367/the_mars_volta_live_im_palladium_ko...

Die Aussage über Rogriguez Qualitäten an der Gitarre war sicherlich etwas kurz gefasst. Gemeint ist; dafür, dass MV im Grunde "frickelige" Musik machen, ist sein Gitarren-Gefrickel eher experimenteller Natur, denn technischer Fingerfertigkeit. Es geht mehr um die Atmosphäre eines Jams, wenn er da an seinen Effektgeräten rumspielt, oder so. Tatsächlich sind aber alle anderen Beteiligten an MV richtige Topleute, die überaus deutlich machen, dass die Macher von MV eben "nur" die Macher sind und ohne die Hilfe der grossartigen Musiker (siehe das Drum-Monster) ziemlich hilflos wären...

Mir ist die Idee übrigens wichtiger als das Können, insofern macht es mir auch nichts aus, dass Bixler wie ein Hahn herumkräht, das passt nämlich auch dazu... ;)

Unter den Gesichtspunkten , kann man das gelten lassen :-)))

Dieses "Vorbeihören" geht mir seit es Dream Theater gibt gehörig auf die Nerven.
Schon 1993 habe ich nicht verstanden, wieso sich einige einen Runterholten, während Petrucci die Gitarre wichste. Auch nicht verstanden habe ich die ewigen Fachsimpeleien zum Thema: HAt er sich denn nun endlich mal verspielt! Man, wie egal sowas ist, das nervt.

Krass ist das auch immer bei Marillion Konzerten. Ich habe da eines in Neu Isenburg in Erinnerung, wo irgendeine angebliche "Fan-Club" Horde permanent dazwischenkotzte, rumnöhlte und irgendwie ihre Form von Party feierte (mit Seifenblasen und Lufballons, Konfetti und Gedöhns), womit keiner der anderen Zuschauer auch nur annähernd was anzufangen wusste.

Sowas hindert einen daran, einzusteigen und wegzuschweben. Denn Weghören kann man bei diesem Getöse leider nicht.

Besten Gruß
Thorsten