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Darryl Way spielt Vivaldis "Vier Jahreszeiten" komplett

Anlässlich des 50. Geburtstags von Curved Airs Stück "Vivaldi" hat der Violinist Darryl Way das gesamte Vivaldi-Meisterwerk "Die Vier Jahreszeiten" in den Rock-meets-Classic-Stil hinüberarrangiert und eingespielt. Das Album "Vivaldi's Four Seasons In Rock" erscheint am 25. Mai. Eine Vorschau findet sich hier.

Quelle: burning shed

Vivaldi soll dazu gesagt haben: "Darryl Way has beautifully caught the mood of my piece"....

Ich finde es, gelinde gesagt, sterbenslangweilig. Fast alle Klassik-Adaptionen erreichen nie die Wucht und die revolutionäre Kraft der Vorlage. Das hier hat mehr von David Garrett als vom roten Priester. Außerdem sind die Vier Jahreszeiten "in Rock" noch ausgelutschter als in der klassischen Musik. Neee, neee, nix für mich.

Jetzt fällt mir's ein. Ich musste kurz überlegen, an wen/was mich dieser Teaser erinnert: Waldo de los Rios hieß der Mann in den '70ern. Der machte das so auch schon mit anderen Klassikern. No,Mr.Way, that's not the way 'cause it's sooo boring...
roland

Ja, ja, habter beide Recht, aber ich hatte sowas wie Sky meets Rondó Veneziano erwartet, das ist es nun auch wieder nicht. Aber - hr hr - es ist ja in unserer subjektiven Welt alles total subjektiv, also ist auch ein schlechtes Album ein gutes Album, sobald's für irgendwen ein gutes Album ist. Ich bin schon gespannt wie ein Flitzebogen!

Schade ist eigentlich, dass Darryl Way noch so gut geigen kann - er geht ja immerhin auf die 70 zu - und wie "all die Jahre" nix raus bringt, was wenixens soviel "Betrieb macht" wie ’Night Music’ 1974. Hätte er eine Hommage an Didier Lockwood starten sollen? Hätte Eddie Jobson dabei helfen sollen? Klar, da war dieses sicher recht üppige Orchesterprojekt schon am laufen. Jehnpfalz, zum elfundrölfzigsten Mal eine Version von Fiffiwaldis 4 Jahreszeiten in die Welt zu werfen, ist schon wirklich fade.

Viele werden's mögen, da binne ich mir ganz sicher. Menschen mögen das, was sie schon kennen. Deshalb werden Filme regemaket, deshalb haben die Bondfilme immer den gleichen Plot, deshalb haben Popsongs immer nach 45 Sekunden den Refrain, deshalb sehen Beckers Tussen alle gleich aus, deshalb haben ELP immer die gleichen zehn Songs gespelt, deshalb sehen wir im Kino immer wieder Campbells Hero's Journey, deshalb haben Yes "Fly from here" nochmal gemacht, und King Crimson "In the Court". Und deshalb macht Darryl Way Vivaldi. Menschen mögen das, was sie schon kennen. Viele werden's mögen, da binne ich mir ganz sicher.

[Reaktion auf Niks Erklärung der immergleichen Welt vom 06.04.18]
’Viele werdenz mögen’ heißt nicht alle werdenz mögen, heißt vermutlich auch, viele werdenz nicht mögen. Klar: Wie viele sind viele? Hier haben sich bislang 4 Leuz geäußert. "Ich mag's richtig" konnte ich dabei noch nicht erkennen.
Jetzt hätt' ich fast angefangen, mich über Niks mehr oder weniger unhaltbare Aussagen ('immer nach 45 Sekunden', 'alle Becker-Tussen gleich' etc.) zu mokieren und über die minzenz ebenso unhaltbare Kausalität, in die er die einschnürt; ohne den Hauch eines Zweifels. Fast so wie bei einem Dorfbürgermeister, der schneidig laienpsychologische (Kausal-)Floskeln raus haut, auf die erstmal viele reagieren wie auf unerschütterliche Gewissheiten. Und genau das gefällt dem Dorfbürgemeister; erstmal - auch nur die Vorstellung solcher Reaktionen. Und unter sowas, plump-markige Aussagen, die mit der Realität kollidieren und unhaltbare Kausalbehauptungen, v.a. laienpsychologische, leide ich seit Jahrzehnten. Ja, echt! Kein Witz! Und "die Welt" wäre/würde besser, wenn derlei verschwünde. Was man mit Anwendung der un-überschätzbaren Prinzipien der Evidenz basierten empirischen Forschung überprüfen könnte.
Aber, damit fang' ich jetzt gar nicht erst an. Gehört ja auch nicht hier her. Und Nik hat's auch sicher nicht soo gemeint. Außerdem ist schönstes Wetter, es liegt noch viel Schnee auf den Bergen und die meisten Lifte laufen noch. Also: Raus, Schi foan! Wöi des is des Leiwandste!
Evtl. hör ich mir demnäx Way's Fiffiwaldi mal komplett an. V'leicht werd' ich's mögen ...

Wundert mich doch sehr, Dein Beitrag, RK. Immerhin bist Du Psychologe, Du solltest zu dem Thema eigentlich was Differenzierteres sagen können. Zum Thema Rolle der Wiederholung in der Populärkultur ist jedenfalls ordentlich was geschrieben worden.

Tja, der Fachmann staunt, der Laie wundert sich; hat meine Omma Grete oft gesagt.

Wer Differenzierungs-Geister ruft, der ... Wollte ja gar nicht damit anfangen. Aber bitte (& danke):

Deine Hauptprognose, "viele werden es mögen", bestreite ich nicht. Bleibt natürlich offen, wie viele ’viele’ sind. Sehr wahrscheinlich sind die aber erheblich viele weniger als die, die sich Way's Vivaldi nicht anhören oder gar kaufen werden.

Ich habe tatsächlich "Probleme", ganz generell, wenn ungehemmt ’weil>deshalb- & warum>darum-Behauptungen’, also Kausalerklärungen ein geworfen werden. Ebenso, wenn Aussagen zur Realität die Begriffe ’alle’ oder ’immer’ enthalten, wenn das nicht oder fast-nicht zutreffen kann - falls ich die jeweiligen Behauptungen & Aussagen sehr ernst nehme. Was öfter mal gar nicht sein müsste; wie evtl. hier.

Die "Probleme" habe ich, WEIL ich Dipl.-Psych. bin, nicht obwohl! Und zwar einer der Psychos, die das Fach und seine Anwendung auf die Realität soweit irgend möglich natur-wissenschaftlich, empirisch/stochastisch/statistisch und damit maximal (jaa!) realitäts-orientiert angehen. Was in den Alltagsvorstellungen bzgl. Psychos und Psychologie bei den Milliarden von Laien-Psychos dieser Welt kaum vorkommt. (Hätte aufzeichnen sollen, wie oft mir seit ca. 1983 irgendwer kam mit: "Du/Sie bist/sind doch Züschologe, dann müsstest/n Du/sie doch ..." Uff!)
Dabei lernt man sehr schnell, wie wenige Kausalitäten tatsächlich stabil nach gewiesen, ergo behauptet werden können (=> Fast-Schock einer- und Befreiung andererseits). Streng genommen, aber hier vereinfacht: Signifikant verifizieren oder falsifizieren oder Fresse/Finger halten oder zminz mit Vorbehalt und Konjunktiv sowie mit ’ggf.’, ’evtl.’, ’m.E.’ etc. formulieren. Wenn man's gerade ernst und dann in Kauf nimmt, Leseverdruss zu erzeugen.

Was aber u.a. auf Deinen "viele werdens mögen"-Beitrag nicht angewendet werden sollte; wg. unnötiger Ent-Spaßung. Hier hätte also ich Ent-Spaßungs-Vermeidung üben können, hab' die Finger aber nicht still halten können. Wohl, weil ich's mir wieder mal zu ernst gemacht habe. Bitte um Nachsicht!

Das mit der (Macht der) Wiederholung ist klar. Ein wesentlicher Auschnitt aus der Lerntheorie & -praxis. Kaum was ist stabiler belegt; schon lange bevor wer ’was über Popkultur geschrieben hat.
Dass "wir" nur die Menschen sind, die "wir" sind, weil "wir" und unsere Vorfahren (evtl. inkl. Saurier) explorativ bzw. neugierig waren, also auch nach neuen und nicht nur nach wiederholten Erfahrungen "trachteten", ist aber eine ebenfalls sehr gut gesicherte Kausalität.
Die Kausalitäten, die Du in Deinem Beitrag anführst, sind aber sehr wahrscheinlich nicht vollständig und/oder leicht zu widerlegen/entkräften.
Die Begriffe ’Rolle’ und ’Kultur’ halte ich für vglw. unbelastbar bzw. zu vielfältig auslegbar - falls man sich ernsthaft um Erkenntnis und dabei wiederum um bestmöglich(objektivierbar)es, gegenseitiges Verständnis aller sich darum gerade bemühenden bemüht.
Andererseits bestehe ich oft auf auf den "höheren Wert" von Kultur gegenüber Zivilisation ... etwa gegen Nasen, die Wirtschaft irrtümlich für den Zweck und nicht für ein Mittel halten, dass man evtl. gegen bessere Mittel tauschen sollte.

Und für kulturell recht hochwertig, evtl. gar geboten, halte ich es auch, hier ohne Not sowie gegen jede "ökonomische Vernunft" und gegen jeden Praktikabilität-izismus, so ausführlich zu werden. (Unabhängig davon, wie sehr das, was ich/wir hier schreibe/n, stimmt, also signifikant verifiziert werden kann.)

Weitere Differenzierungen machen wir gerne woanders. Oda?
Wie Du weißt, schätze ich den Austausch mit Dir und den weitaus größten Teil dessen, was ich von Dir lesen kann, sehr!! Evtl. klappz ja Diessjahr mal mit einem Treffen, bei dem wir Musik hören und diskutieren mit Bergaktivitäten verbinden können.

Alles Gute derweil.

Ich kann natürlich keine Wahrheit, aber immerhin meine Lese von Niks Beitrag beisteuern: Ich sehe darin kein Abzielen auf kausale Zusammenhänge, die einer objektiven Analyse standhalten sollten. Eher Anstoß, der durch die offensichtlichen Pauschalisierungen/Zuspitzungen seine Fragezeichen setzt: Hey, ist es nicht so? Becker hat doch immer die gleiche Ische, oda? Und in der Musik: Suchen wa auch imma wieda das, waswa schon kennen. Oda? Kein Wunder, dass Vivaldi nun auch mal wieda... oda?
Und egal, was Nik sich womöglich für eine (kritische) Lesart erhofft haben mag: Der Ball bleibt beim Leser. Ist die Neueinkleidung des Alten wirklich das, was ich möchte? Ist es das, was ich erlebe? Was für ein Hörer möchte ich sein oder werden?

Sehr feine Reaktion, Townman. Sie schafft u.a. auch eine Brücke, erstaunlich easy bzw. elegant. Danke.

Folgendes "zum Einzelschicksal(?!?)" folgt jetzt nur noch, weil ich erwarte, dass außer Dir, evtl. Nik und mir kaum noch wer hier reinschaun wird.

In Niks "alle-wollen-immer-das-gleiche-"Beitrag sind - unabhängig von Way's Quatro Stagioni und wie nötig und gut man das findet - Wendungen, die bei mir Buzz-Knöppe drücken bzw. die auf Stellen kloppen, auf die "immer alle" kloppen. Und ganz sicher: Unhaltbare, ungeprüfte, unprüfbare und schlicht unnötige aber mit Wucht gesetzte ’immer-s’, ’alle-s’, ’deshalb-s’ etc. behindern und belasten "die Welt" erheblich. Das kann man nachweisen. (Sollte man sogar. Immer wieder. Und dann durchschlagend veröff'en.)

ABER KLAR, (nur) auf diesen Beitrag Niks bezogen, HIER zu dieser Darryl Way-Neuigkeit, TRIFFT'S DEIN SATZ: ’Ich sehe darin kein Abzielen auf kausale Zusammenhänge, die einer objektiven Analyse standhalten sollten.’
Da sind andere Formulierungen in meinen Sermonen, die u.a. genau das meinen. Aber Dein Satz fasst das deutlich besser.

Niks nächster Beitrag drückte dann zwei Knöppe, die wirken, wie ’cleaning woman’ auf Steve Martin in ’Dead men don't wear plaid’: ’... Du Psychologe, Du solltest ...’ Uff, das gab's gefühlt schon zig-tausendmal. Wieso erlaubt sich jemand, aufgrund seiner Vorstellungen von Züschelogie und Züschelogen, Vorstellungen, die grundsätzlich unzureichend oder grotten-falsch und oft genug im "üppig aufgeschäumten, billig riechenden Klischeebad" plantschen, mir Anweisungen zu geben; per ’Du solltest’? Geht nicht!
Und es passt auch nicht, bei mir (mehr) Differenziertes anzumahnen, nachdem ich gerade durchaus differenziert hatte. (Was thematisch da aber nicht wirklich hin musste.) Und wo man mir immer wieder unerwünschte Differenzierung vorwirft. Auch nach ca. 35 Jahren, in denen "auf der anderen Seite" erschütternd wenig Differenzierungen entstanden sind, kann ich derlei noch nicht jedesmal durchwinken. Ist noch schwerer, wenn's von so 'nem hellen Kopf, wie von Nik kommt. Das drückt mir Vivaldi-Neuauflagen weit nach hinten. Bitte abermals um Nachsicht. Verständnis wär super. Auch dafür, dass all das hier nomma hin "musste".

Wenn's demnäx tatsächlich noch eine Reze zu diesen "4 Bahnhöfen" von Way-valdi gibt, würd's mich wirklich interessieren. Am meisten, wenn sie von meinem bevorzugten Rezenmacher Nik käme.

Sehr nachvollziehbar, Roland. Klar, Verständnis dafür. (Hat nichts damit zu tun, dass ich mich auf das Feld deiner Auseinandersetzung mit Nik begeben möchte. Das ist euers.) Dennoch schön zu lesen, dass trotz Dissenz gegenseitiger Respekt durchscheint.
Der Wunsch nach Differenzierung kann gar nicht groß genug geschrieben werden. Ich mein: Wir wissen doch nicht zuletzt um die gesellschaftspolitischen Auswüchse der letzten Jahre, die zumindest gefühlt diesen Wunsch mehr und mehr aufs Abstellgleis geschoben haben. Schwarz oder Weiß, wo stehst du. Und bezüglich persönlicher Beziehungen kann ich mir kaum etwas Schädlicheres vorstellen als die "Immer machst du alles und muss ich alles"-Sätze.
Hinsichtlich ästhetischer Diskurse kann ich aber je nach Kontext auch schätzen: provokant-zuspitzende Polemik (gerne auch satirisch oder sogar sarkastisch), wenn sie aufreizend genug ist, dass ich mich nicht gelangweilt und/oder mit gerümpfter Nase abwende. Ich glaube, dass Feuilletonistisches im weiteren Sinn genau davon auch lebt. Und damit auch kultureller Dialog, den man m.E. mitnichten immer auf der Basis einer differenziert ausgebreiteten Sachlage führen muss - und kann!
Dennoch sehe ich die Einschränkung, dass kultureller Dialog sich darauf natürlich nicht beschränken darf: Ein guter Dialog entsteht dann, wenn man ihn vertiefen kann. Und das geht nur, wenn er inhaltlich nicht auf tönernen Füßen steht.

In diesem Sinne: Die oben verlinkte akustische "Vorschau" gehört ins ohnehin schon gut gefüllte Gruselkabinett rockig adaptierter Klassik. Schon der erste Schnipsel offenbart einen grobschlächtigen Zugriff - nicht zuletzt vom Solo-Geiger, der so kaum die Aufnahmeprüfung an einer guten Musikhochschule bestehen würde. Das ist hinsichtlich Tongestaltung und Intonation z.T. echt geschludertes Zeug. Furchtbar auch das Arrangement des "Winter"-Mittelsatzes - geht in eine ganz plakative und damit undifferenzierte (ähem) Richtung.

Genau! Stimmt! Quasi ALLES! (Tja?)
Auch die Kritik am Geigenspiel an sich. Habe nochmals rein gehört.
Ich mindere daher mein obiges ’dass Darryl Way noch so gut geigen kann’ zu ’dass Darryl Way noch geigen kann’.
Wieder ein Beitrag von Dir, der mir gut gefällt und tut; trotz der erheblichen Miseren, die Du ansprichst.