Progparade 3 - Neustadt/Weinstr., Musikwerkstatt
16.02.2002
Shades Of Dawn - Cromwell - Alias Eye

Zum dritten Mal lud die eCommunity und Mailing List [progrock-dt] zu ihrem Festival ein: Nach Bonn 1999 und Darmstadt 2000 wurde heuer Pfälzisch Sibirien - ups! - Neustadt an der Weinstraße mit der geballten Ladung Prog versorgt - aber eben nicht nur: Die Progparade ist stets mehr: Familientreffen der [progrock-dt]'ler (die teilweise sogar aus Schweden und Polen angereist waren - und das waren keineswegs alte Saftsäcke, sondern junge Hüpfer!), Plattenbörse, Gerüchteküche, Szenetreffen. Außerdem wurden hier Verträge gemacht und Projekte gesponnen und der eine oder andere PNLer präsentierte seine kurzen, blonden Stoppel zwischen einer Recording Session und der nächsten und vieles mehr. Alleine die Atmosphäre der ProgParade ist unbeschreiblich - es gab nicht wenige, die eigentlich weniger wegen der Musik, als vielmehr wegen der Atmosphäre, den Leuten kamen. Dabei bestand dafür überhaupt kein Anlass, denn wie immer präsentierte die PP ein ausgewogenes Programm, dass für (fast) jeden Geschmack etwas dabei hat.

Die Düsseldorfer Band Shades of Dawn eröffnete das Festival überzeugend. Nach langer Live- Pause mit einigen Umbesetzungen (und einem versierten Aushilfsbasser) spielte die Band um Gitarrist und Sänger Hans- Jürgen Klein ihren 70ies Artrock mit deutlichen Anleihen an Eloy, Camel, ELP und vielleicht einem Schuss Kansas in wesentlich besserer Verfassung, als auf dem etwas unglücklich produziertem Album "The Dawn of Time" von 1998. Die Band überraschte das Publikum mit kleinen, feinen ELP/ Mussorgsky-Zitaten gegen Ende des Gigs. Ihr epischer, nicht zu düsterer Sound wusste durchaus zu gefallen; neben dem sichtlich gut gelauntem Frontmann gefiel vor allem Drummer Christopher Struwe mit einer guten Performance und noch besserer Stage-Präsenz. Das Urgestein der Shadies war in der After-Show-Party gefragter und gewitzter Gesprächspartner, konnte aber vom Unterzeichnenden nicht dazu bewogen werden, ein ordentliches Bier zu trinken (das nur so am Rande).

Fast die Lokalmatadoren mimten die Wormser Cromwell mit neuem Sänger (Holger Weckbach alias "Billy Zane", das ist der Bösewicht von 'Titanic' habe ich mir sagen lassen) und neuem Gitarristen (Matthias "Petrucci" Ibelshäuser, Ex-Esthetic Pale). Die so runderneuerten Cromwell um Bandkopf/ Keyboarder Wolfgang Taeffner brachten die MuWe zum Kochen; der das gesamte Festival exzellente Sound (glasklar, nicht zu laut, es gab keine Klagen - weder vom Publikum, noch von den Musikern) konnte die Stärken der Band präzise hervorbringen. Gespickt mit zig Zitaten (Dream Theater, Esthetic Pale) und einem beeindruckenden Bandgefüge, überzeugte die Combo das Publikum mit professionellem, aber auch mitreißendem Spiel. Es gab nicht wenige Stimmen, die behaupteten, dass diese Formation wesentlich überzeugender und stimmiger sei, als die Ursprungsband, einer Meinung, der ich mich gerne anschließen möchte: Diese Formation hat Zukunft! Der düstere, gitarrengeschwängerte Keyboard-Prog der Band (was für eine Formulierung!) war sicher eine weitere Überraschung des Abends.

Alias Eye, die wahren Söhne Mannheims, beschlossen mit ihrem charismatischem Frontmann Phil Griffiths als Headliner den Abend. Das Quintett spielte Songs aus ihrem superben Debüt "Field Of Names" plus einiger Gimmicks (etwa "Time Machine" von Beggars' Opera und den Dancefloorschocker "Lady Marmelade"). Auch hier war die Band perfekt aufeinander eingespielt (ein Extra-Lob an Matthias "Olli Bierhoff" Richter an der Gitarre und Vytas Lemke an den Tasten) und konnte gegen Ende des Konzerts die zahlreichen Zugaben-Wünsche der Fans im Publikum mit einigen offenbar aus dem Kopf gespielten Nummern erfüllen ("Red House", "Lady Madonna", "New York, New York"- acappella etc). War das Publikum schon bei Cromwell von den Socken, so geriet es bei Alias Eye nun völlig aus dem Häuschen – vor allem bei den zahlreichen weiblichen Fans (wo gibt es denn so etwas auf Prog- Konzerten!?) kamen die feschen Knaben gut an. Ihre Mischung aus progressiven und mitreißenden Elementen hat ihnen wohl einige neue Fans jenen Abend eingebracht. Spaßiger (nicht musikalischer!!!) Höhepunkt war bestimmt die Background Vocals Performance der gefürchteten -=::[beerfear]::=- (das schreibt man so), die mit leicht alkoholisiertem Mut und Enthusiasmus den Refrain von 'Premortal Dance' äh -versüßten... und ich muss gestehen, dass der Unterzeichnende der legendären [progrock-dt] Allstars- Formation angehört, doch soviel ist sicher - der Saal kochte gegen Ende des Konzerts.

Überhaupt war der Besuch sehr erfreulich – rund 200 Gäste, davon endlich einmal eine Mehrheit "von der Straße" und nicht aus der Mailing List, machten das Festival auch zu einem kleinen finanziellem Erfolg. Die Location war zwar an obskurer Stelle, war jedoch mit sehr gutem Equipment ausgestattet und der Hausmixer Frank Schreiber hat sich für seine perfekte Arbeit ein besonderes Lob verdient. Die tolle Organisation muss wirklich extra gelobt werden, denn ohne diese wäre der Abend nicht so gelungen: Hier federführend die [p-dt]'ler Andi Witte, Gerd Weyhing (die "Schwoben- Connection"), Finanzjongleur Uwe Krüger sowie das Goldstück hinter der Theke Gudrun Friederich, die die Arbeit zahlreicher Freiwilliger koordinierte und stets den Überblick und ihr Lächeln behielt, sowie zahlreiche Helfer, die mit viel Freude und Leidenschaft den Abend zu einem vollen Erfolg für die beteiligten Musiker, Fans, Freaks und Besucher gemacht haben. Das Ergebnis der progparade III liegt auf der Hand: Progressive Rockmusik interessiert durchaus das Publikum, Bands aus dem Underground haben sehr wohl eine Chance, sich einem größeren Kreis zu präsentieren. Wenn das Event dann auch noch allen so viel Spaß macht, dann kann man nur sagen: "Join the ProgParade 4." [sal]

 

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