Kurzrezension

Ga'an - Ga'an

Der Liste mit kostenlosen Alben im Internet auf diesen Seiten verdanke ich die Entdeckung dieses wunderbaren Werks der Chicagoer Band Ga'an, die sich - der Name deutets an - in Eingedenk vergangener Tage irgendwo zwischen Spacerock, Krautrock und Zeuhl aufhält. Und sie tut dies nicht halbherzig und schon gar nicht verkopft, sondern die Dosis wird direkt in den Bauch injiziert wo sie ihren Weg ins Herz des Hörers findet. Zweifellos, es hätte auch schiefgehen können; genug ambitionierte Bands haben sich - mit bescheidenem Ergebnis - schon an ähnlich abenteuerlichen Mischungen versucht. Bei Ga'ans Debut von 2010 geht das aber gut und so darf sich der Hörer beruhigt zurücklehnen. - Bewegt wird er schon sehr bald heftig von ganz alleine. Denn bereits das erste Stück Chasmaeon zeigt den Weg der Reise und Ga'ans Zutaten zum Hochgefühl auf: im Hyperschall durchflogene Instrumentalräume jenseits des Irdischen werden kombiniert mit ebenso schwerelosen ah-oh-Gesängen, die - auf dem (virtuellen) Papier vielleicht abgenudelt daherkommend - eine sehr stimmige, durchweg lautmalerische Untermalung der melodischen Szenarie bilden, die von stets präsentem, aber gut nachvollziehbar bedientem Schlagzeug und flächigen, diskret hintergündig gespielten Synthies eindrücklich generiert wird.

Das instrumentelle Highlight aber ist der Baß und hier kommt der Zeuhl-Aspekt zum tragen: nicht mit der melodischen Vertraktheit à la Magma gespielt, liefert hier doch der Baß ein tief im Erdreich sitzendes Fundament, das seine langen Wellen in jeden Winkel der Musik Ga'ans ausstrahlt. - Gleichwohl ist die Musik nicht von Dunkelheit durchsetzt, nicht von ihr eingenommen, sondern hält die Balance zwischen hell und dunkel; alles ist möglich. Hoffnung wie Enttäuschung, Illusion wie Desillusion, Erfolg wie Scheitern. Ein sehr menschliches Album.

Monolithisch ist das Wort, das mir immer wieder durch den Kopf geht. Monolithisch und gleichzeitig progressiv durchdringt die Musik mit dem omnipräsenten Baß meinen Kopf. Monolithisch und progressiv: ein Widerspruch? Nein, denn so viel, wie die Musik in sich, in ihren grundsätzlich immer ähnlichen Strukturen ruht, so sehr treibt sie sich doch selbst nach vorn. Dies erzeugt eine unablässig dichte Atmosphäre, die nur selten, aber dann umso beeindruckender abgebremst wird, um anschließend wieder Fahrt aufzunehmen (vgl. I of Infinite Forms Part II 2:40 - 2:50).

Ga'an erfinden das Rad nicht neu, aber sie tun doch etwas, das - zumal in den 10er-Jahren des 21. Jahrhunderts - doch bemerkenswert ist: sie hauchen altbewährten, und vermeintlich auch -bekannten Strukturen und Melodiken neues Leben ein.

Und das ergibt ein - wirklich wahr - großes Ding Musik!

P.S. Mein Dank geht an Sal für das Ausbuddeln dieses Juwels!

P.P.S. Das Album kann man kostenlos auf den Seiten des Free Music Archive herunterladen: http://freemusicarchive.org/music/Gaan/