Kurzrezension
Janelle Monáe - The ArchAndroid
Ich bin absolut unverdächtig ein Fan von "Black Music" zu sein. Mit Rap, HipHop und Schmalz-Soul kann man mich jagen. Nun kommt man dieser Tage aber gar nicht um den Namen Janelle Monáe herum, der sogar von unseren Elite-Medien eine kulturelle Seeligsprechung erfährt...
Zurecht! Was die junge Damen auf ihrem 70-minütigem Konzept-Alben mit grösstmöglicher Selbstverständlichkeit zusammen mixt ist speziell. Ob das der "Otto-Normal-Dancefloor-Fan" noch nachvollziehen kann, wage ich zu bezweifeln. Zu viel "schräg", zu viel Durcheinander. Ein Klassik-Intro? Waschechter HipHop, gefolgt von einer P!nk-artigen Popnummer, dann wieder Film-Musik, regelrechte Folklore, Acid, Jazz und zurück? Genre-Mixer sind im Prog beliebt, meist werden Extreme ausgelotet und irgendwann landet man bei Volksmusik auf Deathmetal-Motiven. Janelle Monáe bleibt immer leicht und locker, verkauft jeden einzelnen Song als Single-fähigen Track, bietet dennoch ein in sich schlüssiges Konzept und man nimmt das Album als selbstverständlichen Fluss wahr. Kaum zu glauben, dass man Popmusik so lange konzentriert Aufmerksamkeit schenken kann, doch es geht!
Entweder The ArchAndroid ist ein sensationeller Zufallstreffer einer wahrlich experimentierfreudigen Künstlerin und Prog im Wortsinne, oder die Dame ist so talentiert, dass einem wirklich mulmig wird. Absolute Empfehlung für wagemutige!
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Irgendein seltsames Schicksal hat diese Kurzrezension ganz nach unten verbannt, so hat sie vermutlich kaum jemand gelesen... aber da ich sie nun entdeckt habe, habe ich mir das Album zur Strafe auch bestellt. Wenn's nicht taugt dann beschwere ich mich bei Dir und stelle es Dir in Rechnung ;-)
Übrigens hat das Album ja doch einen richtigen Prog-Bezug: Du erwähnst die Rahmenhandlung mit dem aus den Genen der Sängerin entstandenen Androiden, der in ferner Zukunft mit der Botschaft der Liebe die Menschheit retten soll. Na, wenn diese Story kein Prog ist...
Inzwischen versteige ich mich sogar zu der Aussage, dass The ArchAndroid das beste Album 2010 genreübergreifend ist. Gets bisse baff, wa?
Ich kann eigentlich noch besten Gewissens das überaus sehenswerte Video zu Many Moons von der Vorgänger EP empfehlen:
Guckst Du:
Na, baff nicht, aber ich kann verstehen, warum und wieso... allerdings kann ich die Euphorie nach allerdings erst einem (nicht kompletten) Durchlauf (noch) nicht teilen. Das ist ein sehr interessantes Album, welches ohne Zweifel grenzüberschreitend daherkommt, aber mir steckt da einfach zuviel "Black Music" drin und damit kann ich halt gar nicht. Ich muss allerdings noch den letzten Track hören, soweit bin ich heute morgen nicht mehr gekommen... bisher sind mir vor allem "Tightrope" (coole James Brown-Nummer) und "Mushrooms & Roses" (Black Power Neo Psychedelic???) hängen geblieben... Weiteres Hören folgt ;-)
Jou!
Ist 'ne heidenmenge Black Music drin, aber nicht dogmatisch black, sondern offen, genreübergreifend und selbstverständlich. Tightrope ist sicherlich stark James-Brown-beeinflusst, aber im Grunde rockt das Teil auch wie die endlich von der Leine gelassene "Revolution-Band" von Prince. Janelle Monáe hat Musik ja studiert und ich gehe fest davon aus, dass ihre Backing-Band aus ihrem Studenten-Umfeld kommt. Zumindest klingt es so. Fett, rockig, groovy und auf den Punkt.
Natürlich sind mehrere Hördurchläufe dringend notwendig, gerade für vollkommen artfremde Hörer (wie ich es auch bin), aber dann ballert es einem die Rübe weg. :)