Kurzrezension

Kaos Protokoll - Quick & Dirty

Das Schweizer Trio Kaos Protokoll bringt in seinen an Ideen nicht armen Ansatz des Jazzrock neben einer ordentlichen Portion Rock immer wieder experimentelle Klangideen, elektronische Exkurse und punktuell auch formalen Minimalismus ein, die Band geht überhaupt gern über die Grenzen des Gewohnten hinaus. Gut, diese Beschreibung könnte man vermutlich auf etliche Bands anwenden; die drei Schweizer schaffen es jedoch, ihren eigenen Stil zu finden, ihren eigenen Weg zu gehen und dabei den Hörer nicht mit einer künstlerisch womöglich reichhaltigen, aber unzugänglichen Klangkollage zu konfrontieren, sondern auf ihrem im November 2012 erschienenen Debüt Quick & Dirty auch schonmal die Bettflasche sprechen zu lassen, dem ewigen Kampf mit dem inneren Schweinehund ("Sauhund im Innern") musikalische Gestalt zu geben oder sich des Themas 'Beziehungskrach' auf höchst spannende und unterhaltsame Weise anzunehmen (mal Zickenterror von Panzerballett zum Vergleich hören). — Überhaupt ist Humor eine ganz wichtige Zutat der kaosprotokollschen Musik und das spricht schonmal stark für sie, vor allem für den Fall, wenn hier allzu karge Kost geboten werden würde.
Was aber eh nicht so ist, denn die Schweizer (es muß - Klischeealarm! - an der frischen Bergluft liegen, daß von dort erfrischend unterhaltsame Ideen herstammen, man denke nur an die Cowboys from hell) bieten eine derart bunte Mischung an, die keine Langeweile aufkommen läßt und der Unzugänglichkeit den Kampf ansagt: verträumte Melodieseligkeit, rockigen Drive, Baßgrooves, Hingabe zu den klanglichen und strukturellen Möglichkeiten des Jazz — all das packen die drei und schnüren es zu einem funktionierenden Ganzen.

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