Kurzrezension

Lucien Dubuis Trio - Future Rock

Future Rock - CoverNicht weniger als die Zukunft des Rock ist es, die das Lucien Dubuis Trio da in Form seines Future Rock betitulierten, Ende 2012 erschienenen jüngsten Albums verspricht.

Lucien Dubuis, das ist dieser Schweizer Saxophonist, dessen Spielstil man ihm problemlos mit verbundenen Augen zuordnen kann, so charakteristisch für ihn ist seine Spieltechnik, das Gebläse schnarren, zwitschern und röcheln zu lassen; ihm auf eigene Art Leben einzuhauchen, im besten Sinne des Worts.

Und so steigt auch Future Rock mit diesem Dubuis-Trademark sofort voll ein, ohne Vorgeplänkle oder sonstwie lustmachendes Rumgefummele: es schnarrt, groovt, jazzrockt. Klasse! Und doch ertappe ich mich bei dem Gedanken: "ahja, Lucien Dubuis Trio halt". Ein Gedanke, der zweifelsohne ein hohes Qualitätsniveau musikalischen Schaffens im Hinterkopf hat, aber nun halt nicht ganz so zufriedenstellend ist, wenn man gerade das neue Album anlaufen hat lassen und Neues doch ganz gut käme.

Genau 49 Sekunden später räumt das Eröffnungsstück mit dem "alter Wein in neuen Schläuchen"-Ding rabiat auf: eine Stimme! Also: eine Menschenstimme. Revolution im Hause Dubuis! Und dann: Rap! Jazzrock-Rap?! Ja! Abseits goldkettenbehängter Obermacker, tiefergelegter Hummer und aufgepumpter Damenaccessoires zeigt ausgerechnet ein Jazzrock-Trio auf, wie cool Rap kommt, wenn er nicht unter der Prämisse eingesetzt wird, sein zu müssen, sondern sein zu dürfen - und zwar eine Idee, ein kleiner (aber geiler!) Bestandteil des ohnehin schon guten, dieses zusätzlich verfeinernden, Ganzen. Wäre zu schön gewesen, um wahr zu sein, hätten die drei Schweizer dies das ganze Album über so gemacht, aber dann erführe die Idee des rapbeatmeten Jazzrock vermutlich zu schnell Abnutzung; in jedem Fall ließe sich dann eine Masche nicht leugnen.

Auf den Weg des Maschentums muß sich das Lucien Dubuis Trio aber auch gar nicht begeben, denn der Begriff "Jazzrock" wurde schon vorher sehr wortgetreu behandelt, fast möchte ich behaupten, das Trio konzipiert seine Kompositionen über eine Albendauer hinweg immer mit der Prämisse, Rock- wie Jazzanteil paritätisch zu behandeln. - Das war schon auf den bisherigen Alben so und steht der Musik der Band sehr gut zu Gesicht, schafft es diese Balance doch, Identität zu schaffen inmitten des nicht so kleinen Jazzrock-Meeres.

Auf Future Rock aber wird so deutlich Bezug zum Rock genommen, wie vorher nur selten: immer wieder kokettiert das Trio mit klassischen Rockklängen und -strukturen in Form mal mehr, mal weniger deutlich kaschierter 4/4-Takte, durch immer wieder eingesetzte Riffgitarre, oder durch riffartige Saxophonparts, die man sich ohne Mühe auch entsprechend auf E-Gitarre gespielt vorstellen könnte.

Den Rest zur Schaffung der Hörlaune trägt dann noch Dubuis mit seinem gewitzten Spielstil an Baß- und Kontrabaßklarinette sowie Altsaxophon bei, außerdem die ganze Band mit ihrem Kontrastspiel zwischen laut - leise, verquer - straight, jazzig - rockig.

Letztlich definieren die Schweizer die Zukunft des Rock zwar nicht neu, trotzdem legen sie mit Future Rock ein Album vor, das von Beginn an zu unterhalten, seinen Hörer bei der Stange zu halten weiß. - Und das mit der Mixtur aus Rap und Jazzrock, so wenig Anteil diese am gesamen Album auch haben mag, dann doch noch etwas ganz Eigenständiges, Neues kreiert.

Jazzrock-Groove made in Switzerland. Yo!

P.S. Drollig, wie das Thema "George W. Bush" (als letztes Stück) in einer belanglosen Ohrwurmmelodie abgewickelt wird.

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