Kurzrezension

Multinationaler Unisono-Drive: Heinz Karlhausen & The Diatonics - same

HKDiatonics Cover
Es gibt so Bands, wie halt eben auch HKD, da hört man nach dem Konzert Stimmen (ganz reelle), die in Zweifel ziehen, ob diese Musik denn auch auf Konserve funktionieren würde und das, obwohl man soeben Zeuge eines energetischen Auftritts geworden war. Vielleicht aber auch weil man gerade Zeuge eines zu energetischen Konzerts geworden war. Nicht anders ging mir das 2010 bei meiner ersten Begegnung mit dem multinationalen Trio. *

Gut, daß man im Leben immer mal wieder ne zweite Chance bekommt, die mir im vorliegenden Fall Möglichkeit dazu gab, nicht nur begeistert feststellen zu dürfen, daß die damalige Liveperformance der mutlinationalen HKD-Guys (Schlagzeuger Friso van Wijck ist Niederländer, Baßist Gonçalo Almeida Portugiese und der heute in Belgien lebende Saxophonist Daniele Martini kommt ursprünglich aus Italien) nicht nur eine Momentaufnahme war, sondern auch, um den Nachweis anzutreten, ob ihre Musik nicht vielleicht doch auch abseits der Bühne, im dann nicht mehr so stillen Kämmerlein funktionieren würde.

Das Hörfazit ist denn auch einer Kurzrezi würdig (die eigentlich erst hier beginnt): Ja, sie tuts. Denn HKD geben auch auf Konserve die Unisonicer (sowas habt ihr noch nicht erlebt! Oder... Doch! Auf Koenjihyakkeys Album Viva Koenji/II gehts ähnlich ab), die in ihren Rockjazz Elemente reinbringen, die das Ganze mitunter zum Doom-Jazz oder auch Psychedelic Jazzrock werden lassen. - Und deren Musik ihre wildesten Parts dann erlebt, wenn sich die Unisoni auflösen und phasenweise die virtuose Genialität jedes der drei Musik breit macht.

Drei Leute reichen mitunter schon aus, um echt großes Kino zu erzeugen. Ich schrieb es ja anderswo: gute Leute muß man eben haben.

Allen, die der Mischung aus Jazzrock mit deutlichem Akzent auf dem Rockanteil, viel baßbetontem Drive, Ausflügen in (Loop-)Noisings, anpsychedelisierten Baßläufe, Musik in allen Tempi und dem Hang zum Experimentellen nicht abgeneigt gegenüberstehen, kann nun nur noch geraten werden, sich das HKD-Studioalbum bei Bandcamp anzuhören und dann entweder dort digital für 8 Euro oder physisch für nen 10er bei der Band zu bestellen (hkdiatonics[ätt]gmail[punkt]com).

Anspieltip: John Fucking Wayne

* Vielleicht auch, da es meine erste Begegnung mit dem war, was gemeinhin als 'Jazzcore' firmiert (das, was ich zuvor bei den Little Women gehört hatte, läuft bei mir außer Konkurrenz/Zuordnung).