Kurzrezension
Rewiring Genesis - A Tribute To The Lamb Lies Down On Broadway
Darf man ein klassisches Prog-Album covern? Sollte man es tun? Macht es wirklich Sinn ein Album komplett neu einzuspielen, zumal eines, das sich so tief ins kollektive Bewusstsein der Prog-Welt (und weit darüber hinaus) festgesetzt hat? Nun, ich bin mir nicht sicher, ob ich diese Fragen alle prinzipiell und immer mit "Ja" beantworten möchte, aber im Falle von "A Tribute To The Lam Lies Down On Broadway" vom Rewiring Genesis-Projekt, hinter dem niemand anderes als Nick D'Virgilio (Spock's Beard) steckt, bin ich mehr als bereit eine Ausnahme zu machen, denn was D'Virgilio mit seinen Mitstreitern in ihrer Neuinterpretation des Doppel-Album-Klassikers gelungen ist, ist wirklich hörenswert. Sakrileg? Ach was, das ganze Album drückt D'Virgilios tiefen Respekt vor dem Album aus.
Ideator der Neuschöpfung ist neben D'Virgilio der Toningenieur und Produzent Mark Hornsby. Das Album wurde komplett umarrangiert, mit Bläsern, Streichern und sogar ein Akkordeon ist hie und da zu hören. D'Virgilio drummt (exzellent!) und singt (exzellent!) auf dem Album, der Rest wird von den besten Studiomusikern Nashvilles phantastisch erledigt. Das Ergebnis ist eine groovende, wahnsinnig coole und spielfreudige Neufassung der wirren Rael-Geschichte, die - lassen wir doch einfach mal den Lamb-Mythos beiseite - dem Originalalbum in nichts nachsteht. Wo das Originalalbum zwar irgendwie heilig und unantastbar, aber dann irgendwie auch kopflastig, verkrampft und undurchsichtig wirkt, ist die Rewired-Fassung lockerer, eindeutiger, kurzweiliger, was wirklich faszinierend ist, weil sich die Neufassung eigentlich eng an die Zeitvorgaben des Original hält.
Lange Rede, kurzer Sinn: Wer nicht völlig verbohrt ist und Genesis' "The Lamb Lies Down On Broadway" (trotz allen Einschränkungen) liebt, wird "A Tribute To The Lamb Lies Down On Broadway" mindestens mögen; wer immer schon ahnte, dass hinter dem Album mehr steckte, als die Studiofassung von 1974 hergibt, der wird diese Fassung als Bestätigung empfinden und diese Fassung insgeheim öfter hören, als das Original. Lediglich die verbohrten, rückwärts gewandten Prog-Nazis werden D'Virgilio den doppelten Sakrileg (Coverversion und coole Mitwipp-Musik) nicht verzeihen können.
Nick D'Virgilio liefert hier seine stärkste Leistung als Musiker und Sänger ab. Bleibt zu hoffen, dass er sein Songwriting vom Ballast seiner vielleicht nicht mehr zu ihm passenden Band befreien kann.
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