Termin

Cowboys from Hell | Ava Mendoza's Unnatural Ways, Würzburg, 10.02.13

Titel:Cowboys from Hell | Ava Mendoza's Unnatural Ways
Art:Konzert
Am: So, 10.02.2013
Im: Immerhin
In:Würzburg, Bayern
Link:Konzertinfos

Die Termine der Januar-/Februartour 2013 in der Übersicht

Cowboys from Hell

Die 80er-Jahre waren gestern, heute wird anders synthetisiert! Nicht nur, daß das schweizer Trio Cowboys from Hell für seine stilistisch sonst ganz unterschiedlich beheimateten Akteure so etwas wie die dunkle Seite des Mondes sein dürfte (heimisches Revier von Saxophonist Christoph Irniger ist normalerweise zeitgenössischer Jazz, jenes von Baßist Marco Blöchlinger und Drummer Chrigel Bosshard die Populärmusik bzw. auch der Metal). Es ist auch die Tatsache, daß hier das Saxophon nur oberflächlich betrachtet ein Blasinstrument darstellt, in Wirklichkeit aber die Parts von E-Gitarre und Keyboards der Band gibt - so geht Synthie heute! Dazu eine unwiderstehlich präzis getimte Rhythmusgruppe und der Spaß daran, die diversesten Musikideen in die eigenen energiegeladenen Kompositionen einfließen zu lassen und 'schon' hat man Jazzmetal mit viel Drive und Spaß fürs Publikum!

Frank Zappa meets Rage against the Machine meets Don Li meets Massive Attack meets Screaming Headless Torsos meets ... Pantera?! - Auf gehts zum Streifzug durch Stile und Melodien mit den höllischen Cowboys!

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Die Termine von Mendoza's Februartour 2013 in der Übersicht

Ava Mendoza's Unnatural Ways

Trio um die vielseitig beschäftigte - u.a. Projekte mit Fred Frith und Carla Bozulich - Avantrock-Gitarristin Ava Mendoza aus der Oakland-Szene mit faszinierendem Experimentierstil, der die intensive Energie des frühen Free Jazz mit komplexem Heavyrock, Avantrock und "noisy Blues" vermengt ; nach ihrer 2010er-Triotour zusammen mit Weasel Walter und Devin Hoff (als Quok Trio) ist Mendoza dieses Mal als Unnatural Ways in Europa zusammen mit Drummer Nick Tamburro und Keyboarder Dominique Leone unterwegs. Einen guten Eindruck der Bandqualitäten gibt das Video, auf Soundcloud kann man sich Audiomaterial von Unnatural Ways anhören.

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Beginn: 20 h

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Cowboys from Hell

Das Schweizer Trio machte wie schon im Vorjahr auch dieses Mal wieder im Immerhin Halt, um dort dem auch diesmal wieder zahlreich (und auch von weiter her: Nürnberg, München, Augsburg) angereisten Publikum einzuheizen.

Seither hat die Band ihr Repertoire zwar nicht groß erweitert, aber das machte gar nix, denn die Spielfreude war dieselbe großartige und die Stücke geben allemal soviel her, um sie mehrmals live zu hören. Insofern möchte ich hier auf meine Beobachtung von damals hinweisen.

Im gedanklichen Vergleich zum Vorjahreskonzert während des Konzerts ist mir aber dann doch noch ein neuer Gedanke in den Sinn gekommen, der der Erwähnung wert ist:
Faszinierend, wie Chrigel Bosshard, bei allen durch die unwiderstehliche Tightness und Variabilität seines Drummings gebotenen super-exakten Timings, dennoch den unauffälligen Part des Trios gibt. – Und ich weiß ehrlich nicht, ob ich das nun toll oder schade finden soll. Fakt ist: er ist das grandiose Fundament der Band, das seinen zwei Spielpartnern jene Freiräume öffnet, die der Musik der Cowboys from Hell ihre Identität verleiht: das knackige, gerne effektbeeinflußte und nicht zuletzt dadurch unheimlich variantenreich ausgeführte Baßspiel Marco Blöchlingers und natürlich das Saxophonspiel Christoph Irnigers, das zwar nie ‚clean’, dafür aber auch nie überbordend effekthascherisch daherkommt. - Und durchaus als Saxophon auch akustisch immer wieder seinen Auftritt hat.

Ava Mendoza's Unnatural Ways

Ava Mendoza ist eine begnadete Gitarristin; wer mir das nicht glaubt, sollte sie live erleben. Alle Aspekte eines guten Musikers betrachtend, verfügt sie nicht nur über eine herausragende Spieltechnik (sie spielte ihre E-Gitarre ohne Plektrum), sie spielt mit Gefühl für Geschwindigkeit, Timing und Fantasie. Klassische Gitarrenspieltechnik an der E-Gitarre, das hat Seltenheitswert.

Warum sie diese Eigenschaften so seltsam kaschiert, indem sie sie in so ein merkwürdiges, zuweilen gewollt wirkendes Avantrock-Korsett steckt, mit viel zu viel sägend-schrabbliger Gitarrenspielart, kann ich nicht nachvollziehen, vielleicht mag sie das so.

Im Zusammenspiel mit ihren beiden Mit-Musikern Nick Tamburro am Schlagzeug und Dominique Leone am Keyboard offenbart sich das Wesen ihres Spiels, die Idee(n) dahinter, nämlich am ehesten in Stücken mit (für ihre Verhältnisse) zurückgenommenem Tempo, in denen für die Instrumente Raum ist, sich zu entwickeln, mit Dynamik und Tonqualität (‚clean’ – verzerrt; Arpeggien – Legati) zu spielen. Interessanterweise bietet sie beides erst in den letzten beiden Stücken des Auftritts, unter anderem ein klasse ‚Avantrock-dekonstruiert-Countrymusic’-Stück. Und ebenso interessanterweise beide Male im Duett mit Drummer Tamburro. Und auch dieser kann hier zeigen, daß er nicht zufällig an einem Projekt mit Mendoza mitwirkt. Denn was zuvor schon, in Dreierbesetzung, immer wieder heraushörbar war, nämlich, daß er es versteht, nicht nur die unmöglichsten verdrehten Takte in schwindelerregender Geschwindigkeit zu kombinieren, so, als gehörte er gar nicht zu den beiden anderen Musikern, sondern auch 4/4-lern ein Maximum an Anspruch abzuluchsen, diese Fähigkeit konnte er hier deutlich – und absolut gleichberechtigt zu Mendoza – zeigen.
Dies setzt nun freilich die Leistung von Tastenmann Leone herab, ohne daß es das soll. Denn auf dem bei YouTube abrufbaren Video (s.o.) funktioniert die Dreiermischung auch akustisch gut. Im Übrigen zeigte sich auch an diesem Abend bei einem, leider nicht allzu langen, Duett von Schlagzeug und Keys, daß auch diese Zweierkombi eine Qualitätssteigerung nach sich zieht: Tamburros Spiel wird klarer, und Leones Spiel erhält nun eine gestärkte Position, wird hörbar, wo er zuvor eher im Hintergrund stand.
Ich meine, der Band würde mehr Klarheit für jedes der Instrumente gut tun – die drei sind einfach zu gut, um ihr Spiel in einen Klang-/Lärmbrei einzurühren.

So, und nun würde ich mich sehr auf andere (also nicht nur weitere, sondern eben auch sich von meiner unterscheidende) Meinungen freuen.