Termin

Cowboys from Hell, Würzburg, 29.02.12

Titel:Cowboys from Hell
Art:Konzert
Am: Mi, 29.02.2012
Im: Immerhin
In:Würzburg, Bayern

Big Fish Release Tour

Der euphorische Applaus nach dem Konzert des FreakShow-Festival-Geheimtips Jean Louis im Oktober vergangenen Jahres hat es gezeigt: das Kleine kann oft ganz groß sein.

Aus der Schweiz kommen Cowboys from Hell und wieder sind es ein E-Baß, Schlagzeug und ein effektebearbeitetes (Tenor-)Saxophon, die aus der kleinen Besetzung ganz großen Jazzrock/-metal/(ich hab auch wo gelesen) -noise machen:

Frank Zappa meets Rage against the Machine meets Don Li meets Massive Attack meets Screaming Headless Torsos meets ... Pantera?! - Auf gehts zum Streifzug durch Stile und Melodien mit den höllischen Cowboys!

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Das Titelstück Big Fish vom gleichnamigen, am 3.2. erscheinenden Zweitling gibts gleich hier zu hören:

Beginn: 20.30 h

5

Für die Kurzangebundenen:

Cowboys from Hell machten live alles genau so wie auf ihren Alben: präzise, kraftvoll, dynamisch, groovy; dicht! Nur alles etwas direkter, unmittelbarer, härter, mit Platz für diverse Improvisationen angereichert. Und vor allem: alles noch etwas geiler! Spitzen Experimental-Jazzmetal!

Für alle anderen:

Uiuiuiuiui! Ein Schlagzeug, ein Tenorsaxophon und fünf Bässe: Die Erwartungen, die durch die Vorabverkostung der diversen im Internet anhörbaren Stücke der zwei bis dato erschienenen Alben erzeugt worden waren, waren nicht überzogen. – Das wurde schon beim ersten Stück, 'Dunschtig' vom Debut Monster Rodeo klar. Mit großem Headbanging-Drive wurde während des überwiegend aus Stücken des jüngst erschienenen Zweitlings Big Fish bestehenden Konzerts quasi in Stereo eine 2-in-1-Kombicombo geboten: Kanal 1 bestehend aus Drummer Chrigel Bosshard und Bassist Marco Blochlinger, die die tighte (das Wort paßt hier einfach so wunderbar, faßt es doch Begriffe wie 'dicht' und 'straff' zusammen), mächtige Rhytmusgrundlage bilden. Kanal 2 bestehend aus Mastermind Christoph Irniger, der großteils auch für die Kompositionen verantwortlich zeichnet und sein Tenorsaxophon bedient.
Bedient. Ja, bedient. Spielen tut der nämlich was ganz anders: frickelige E-Gitarre, bisweilen rasende, dann wieder sanft-sphärische Keyboardläufe, dann auch wieder ein heiseres Etwas von Saxophon. - Und Effektegerät für sonstige Klapper-, Zwitscher- und Gurrgeräusche sowieso.
Zu sagen, Irniger stünde mit seinem experimentellen Spielstil im Vordergrund des Geschehens würde dem Konzert jedoch bei weitem nicht gerecht werden, denn – wie gesagt – letztlich spielt die Band aus zwei gleichwertigen Kanälen. – Aber letztlich ist das ziemlich schnurzepiepe, wer was wann in welcher Gewichtung und Komplexität besteuert: die Musik macht einfach ungeheuren Spaß!
Mit den Schweizern steht einem so eine Band gegenüber, deren Musik unweigerlich die Nackenmuskulatur zucken läßt, die einem das Mitwippen in die Beine schickt und die Mundwinkel auseinanderziehen läßt: fettefette Anleihen v.a. beim Hardrock und Metal, aber auch beim Funk machen es möglich. – Deren Musik aber gleichzeitig auch soviel so komplex, quasi nebenher, erledigt, daß es bemerkenswert ist, wie selbstverständlich diese zwei Pole zueinandergefügt werden.
Verwunderlich ist das aber nicht: zum einen haben die drei Musiker unheimlichen Bock auf dieses Konzert gehabt, was nicht nur ihrem Spiel, sondern auch ihrer Interaktion untereinander anzumerken war. Zum anderen ist da immer dieses massive, trotzdem quirlig-groovende Rockfundament von Drums und Baß, die es ermöglichen, daß Irniger eigentlich machen kann was er will. Und das tut er auch und das sehr variabel und fantasievoll: oft hat man den Eindruck, er macht die Musik mehr mit seinen Füßen an den zahlreichen Effektepedals, als oben mit den Händen; oft sind es nur wenige Bewegungen, die den Stücken neue Wendungen geben und die seine 'Eskapaden' auch nicht langweilig wirken lassen. Der Rock-Gegenpol sorgt wiederum dafür, daß das nicht aufgesetzt wirkt, obwohl auch er alles andere als Standardkost bietet: das Schlagzeug spielt oft kontrapunktiert zum Saxophon, der Baß steuert mit farbenreichen Läufen viel zur Hörfreude bei; selbst viele Pattern, die man durchaus einfacher hätte gestalten können, zeigen im Detail die Verliebtheit der Band in solche Details.
Präzision ist alles: das gilt für die wuselige Beinarbeit an den Effektgeräten ebenso wie für die Wahl des richtigen Basses für das jeweilige Stück beziehungsweise die effektvolle, pointierte Inszenesetzung des Schlagzeugs.
Das diesmal wirklich zahlreich erschienene Publikum, es dürften zwischen 30 und 40 Leute gewesen sein, dankts der Band vom ersten Lied an mit johlendem Applaus nach jedem Stück.

Zwei Tips zum Abschluß:
1. Das Konzert der Band am 7.3. in Luzern wird live ins Netz gestreamt. Infos hier.
2. Wollt ihr der Band einen großen Gefallen tun, klickt auf ihrem FB-Kanal auf den 'gefällt mir'-Button.

Na, da freu ich mich doch gleich noch mehr auf das Konzert am Sonntag in Rüsselsheim! Und den Bericht kann ich mir ja dann sparen ;-)