Termin

Doctor Nerve, Würzburg, 21.05.13

Titel:Doctor Nerve
Art:Konzert
Am: Di, 21.05.2013
Im: Cairo
In:Würzburg, Bayern
Link:Konzertinfos

Die Termine der Maitour 2013 in der Übersicht

Schon seit 1984 spielen die Mannen und Frauen um Bandleader Nick Didkovsky ihre feinherbe Mischung aus jazzrock-geladenem Bigbanddrive.
RockInOpposition von der groovenden Seite also? – Auch, aber wie es die Feinherbheit so will: ohne Ecken und Kanten ist die Musik nicht. Aber wo sonst finden sich treibende Rhythmusfraktion und schräges Gebläse (und umgekehrt!) so selbstverständlich zu einer kongenialen Einheit zusammen?
Sehr unterhaltsam, sehr hörenswert!

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Beginn: 20.30 h
Eintritt: 15 Eur

5

Ganz nah dran am Herzen der Freakshow-Idee, ihren Puls spürend, war das Konzert der US-Amerikaner von Doctor Nerve. Denn die pfeifen auf Konventionen, nehmen vertraute Kompositionsstrukturen aus dem Rock und machen damit einfach das, was sie gut finden. Da wird einer metallisierten Grundlage schräger Bigband-Drive verpaßt, ebenso wie Hardrockigem. Das Straighte des Rockfundaments und die mit diesem wahrhaftig „in Opposition“ stehenden Kompositionslinien v.a. der Bläserfraktion beißen sich jedoch nicht, sie ergänzen sich auf wunderbare, auf bewundernswerte Art und Weise. Überhaupt: das Messing (um nicht zu sagen „Brass“) ist allgegenwärtig. – Kunststück, kann die Band doch mit Trompete, Posaune, Sopransaxophon und Kontrabaßklarinette (die letzten beiden mal vom Brass ausgenommen) aufwarten.
Acht Leute stehen da, einige von ihnen in dieser Besetzung seit Anfang der 80er als Band zusammen und wirken frisch, überaus spielfreudig und von geradezu kindlicher (nicht kindischer) Freude beseelt, dieses Konzert spielen zu dürfen (v.a. Gitarren-Frontmann und Hopsgitarrist Nick Didkovsky). Im Vordergrund steht so recht keiner, die Kompositionen leben von der Ensembleleistung jedes einzelnen Musikers (Kathleen Supové an den Tasten ist hierbei natürlich eingeschlossen). – Und die ist bei jedem hoch, sehr hoch. Virtuosität, die man auch sehen kann, wenn Didkovsky den Dirigenten gibt und sein Brassprog-Orchester sicher durch die irrwitzigsten Taktstürme manövriert.
Mein persönliches Highlight: jenes E-Gitarrensolo von ihm, das seine Affinität zur klassischen Gitarren ans Licht bringt und ihn im hellen Bühnenlicht, dennoch ganz intim, die Möglichkeit gibt, ein technisch brilliantes und trotzdem melodisch geführtes Solo-Zwischenspiel einzubauen.

Mein Fazit: Doctor Nerve waren an diesem Abend (zumeist) weit weg von Unzugänglichkeiten vertrackter Kompositionsstrukturen, boten stattdessen eine verblüffend unterhaltsame Form anspruchsvoller Rockmusik. Sehr fein!