Termin

Finkenbach-Festival, Finkenbach, 17.08.12-18.08.12

Titel:Finkenbach-Festival
Art:Konzert
Am: Fr, 17.08.2012 - Sa, 18.08.2012
Im: Sportplatz
In:Finkenbach, Hessen
Link:Weitere Infos

Im Jahre 2012 wird das Finkenbach-Festival zum dreißigsten Mal stattfinden, und zu diesem Jubiläum werden sich wieder einige hochkarätige Vertreter der Krautrock-/Spacerock-Szene auf den Weg in das idyllische Tälchen im Odenwald machen. Das endgültige Line-up lautet:

Freitag, 17. August (Einlass: 17:00)

19:00 - BRÖSELMASCHINE
21:00 - Peter Pankas JANE
23:00 - EPITAPH
01:00 - AX GENRICH BAND

Samstag, 18. August (Einlass: 13:00)

15:00 - RUFUS ZUPHALL
17:00 - SPACE DEBRIS
19:00 - MAN
21:00 - GURU GURU
23:00 - HATTLER
01:00 - VIBRAVOID

4

Zum dreißigsten Mal versammelten sich Jünger des Kraut- und Spacerock in dem idyllischen Tälchen im südlichen Odenwald zum seit 1977 fast jährlich stattfindenden Festival. Erstaunlicherweise ging es dieses Jahr komplett ohne Polizeikontrollen (zumindest auf hessischer Seite), die doch eigentlich schon zur Festivalfolklore gehören. Auch der Wettergott meinte es dieses Jahr wieder gut mit den Besuchern, zu gut vielleicht, denn für Samstag waren über 30 Grad prognostiziert. Sonne satt war jedenfalls eine kleine Entschädigung für das Schlammbad einige Wochen zuvor auf Burg Herzberg.

Den Auftakt am Freitag machten die Duisburger Bröselmaschine, eines der Urgesteine des Krautrock, die seit 1969 aktiv sind (wenn auch mit Unterbrechungen). Krautrock? Nun ja, besonders rockig waren Bröselmaschine nie, eher brachten sie so eine Art leicht anpsychedelisierten Folk, der sie nur mal dezent rocken ließen. Ein bisschen glatt für meinen Geschmack, aber eine schöne Gelegenheit, einmal den Gitarrenlehrer der Nation kennenzulernen.

Mit den Hannoveranern Jane stand anschließend wirklich ein Krautrock-Urgestein auf dem Programm. Halt, ich muss präzisieren, denn Jane gibt es seit einigen Jahren in unterschiedlichen Inkarnationen (eine pro Mitglied der Umbesetzung oder so), deren Verhältnis - gelinde gesagt - als "angespannt" bezeichnet werden kann. Dies war also Peter Panka's Jane, benannt nach dem Ur-Schlagzeuger der Band. Panka ist vor einigen Jahren gestorben, an seiner Stelle trommelt nun Fritz Randow (in den frühen 70ern und nach einigen Jahren Pause noch mal in den 80ern bei Eloy), der Name dieser Jane-Inkarnation ist geblieben. Mit Bassist Charly Maucher ist immerhin noch ein Urmitglied dabei. Da meine einzige Jane-LP mir nicht sonderlich zusagt, sah ich dem Auftritt mit nicht allzu großen Erwartungen entgegen, doch ich muss konstatieren - so übel war's nicht. Jedenfalls die alten Sachen. Schwerblütiger Orgel-Bluesrock, ein bisschen rumpelig zwar - aber das kann bei Krautrock ruhig so sein. Die neuen Sachen dagegen waren mir zu mainstreamig, ein Problem vieler wiederbelebter Bands aus den 70ern, nicht nur im Krautrock. Nett dagegen war, wie Trommler Fritz Randow gegen Ende seines Solos mit drei Drumsticks jonglierte.

Die nachfolgenden strongEpitaph, deren Personalgeschichte ebenfalls mit Eloy und Jane verhandelt ist, hat mir dagegen gar nicht zugesagt. Simpler Hardrock mit zum Teil recht affektiertem Gepose.

Danach forderten die Anstrengungen des Arbeitstages ihren Tribut, so dass der Rezensent und seine Begleiter auf den eigentlich um 1:00 anstehenden Auftritt der Ax Genrich Band verzichteten.

Mit Rufus Zuphall wurde der zweite Tag durch eine weitere Krautrock-Legende eröffnet. Die Aachener Band, die wegen des Einsatzes der Flöte und eines gewissen Folk-Touches auch als "deutsche Jethro Tull" bezeichnet wird, löste sich Anfang der 70er nach nur zwei Alben wieder auf und wurde erst zwanzig Jahre später wieder aktiv. Und auch hier zeigte sich wieder das Problem vieler solcher Neuauflagen: während das alte Material, eine Mischung aus Krautrock, Blues und Folk, durchaus ansprechend präsentiert wurde, waren die neuen Songs mir eindeutig zu glatt und beliebig. Hinzu kam der schwachbrüstige Gesang, wobei glücklicherweise viel instrumentale Stücke gespielt wurden.

Bei nun endgültig unerträglicher Hitze folgten Space Debris, und das war endlich ein richtiger Knaller. Das Odenwälder Quartett schickte die Zuschauer auf einen wunderbaren spacigen Trip aus psychedelischen Gitarren und fetter Orgel, oft auch härter rockend, aber auch mal leicht angejazzt, wenn der Keyboarder auf E-Piano umschaltete. Bis dahin nicht nur eindeutig das Highlight des Festivals, sondern alleine schon ein ausreichender Grund für die Fahrt nach Finkenbach.

Als einzige nichtdeutsche Band traten anschließend die Waliser Man auf. Ermattet von der Hitze und dem vorangegangenen Trip zog der Rezensent es allerdings vor, sich an ein schattiges Plätzchen zu begeben und lediglich mit halbem Ohr zu lauschen. Und allzu viel schien das Rezensentenohr nicht zu verpassen, denn zwischen viel mainstreamigem Rock gab es nur hin und wieder ein paar psychedelische Passagen. Die aber waren durchaus hörenswert.

Headliner des Festivals waren wie immer Guru Guru, die auch dieses Jahr nicht enttäuschten. Der Set schien mir dem letztjährigen recht ähnlich, eine Mischung aus Ethno-Rock (die indische Tröte kam wieder zum Einsatz), Krautrock und einigen eher normalen Bluesrockern. Die vier durchweg älteren Herrschaften - Mani Neumeier hat mittlerweile die 70 überschritten - zeigten immer noch ungebremste Spielfreude, bei der der Spaß nicht zu kurz kam. Neben dem unverwüstlichen "Elektrolurch" war auch eine Kabuki-Einlage köstlich. Garniert wurde das Konzert mit einigen Feuerwerksraketen.

Nachdem Helmut Hattler beim Festival 2011 mit Kran begeisterte, trat er dieses Jahr mit seinem 2000 gegründeten, schlicht Hattler genannten Projekt auf, mit dem er sich moderneren Klängen widmet. Das bedeutet in diesem Fall groovige Beats und souliger Gesang, alles sehr eingängig und garantiert frei von Ecken und Kanten. Immerhin Herrn Hattlers Künste am Bass traten hin und wieder in den Vordergrund, wenn auch längst nicht so wie bei Kraan.

Zu vorgerückter Stunde beschlossen Vibravoid das Festival und sorgten für den zweiten Höhepunkt nach Space Debris. Mit einem Cover von "Tomorrow Never Knows" ging es los, und alles, was folgte, schien der gleichen Epoche entsprungen. Ein Fest aus psychedelischen Gitarren und fetter Schweineorgel machte es leicht, die mittlerweile doch recht aufgefrischten Temperaturen zu vergessen und, anders als im Vorjahr, bis zum Ende, irgendwann zwischen 3:00 und 3:30, auszuharren.

Insgesamt wieder ein schönes Festival, zwar ohne einen Schräg-Kracher wie letztes Jahr Faust, dafür aber auch ohne Reggae-Bands. Gewinner waren für mich ganz klar Space Debris und Vibravoid.

War der Yogi wieder mit von der Partie? :)