Termin

FreakParade II, Würzburg, 19.10.07-20.10.07

Titel:FreakParade II
Art:Konzert
Am: Fr, 19.10.2007 - Sa, 20.10.2007
Im: akw! und Cafe Cairo
In:Würzburg, Bayern
Link:FreakParade

Freitag, 19.10.
20:30, Einlass 20:00 Uhr

akw!, Frankfurter Str. 78, Würzburg

* SLEEPYTIME GORILLA MUSEUM
* IKARISCHES ENSEMBLE

+ große FREAKSHOW-Disco im akw!

Samstag, 20.10.,
ab 11:00 Frühstück, ab 14:00 Konzertbeginn

Cafe Cairo, Burkarderstr. 44

* DOMINIK MUELLER
* OEDER
* GECKO'S TEAR
* HIGH WHEEL
+ im Anschluss FREAKSHOW party im IMMERHIN

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Fast auf den Tag genau sechs Monate nach der diesjährigen Freakshow und zwei Jahre nach ihrem Debüt fand in Würzburg (Wo sonst?) die 2. Auflage der FreakParade statt, dem gemeinsamen Festival der [progrock-dt] und der Freakshow-Initiative in Würzburg um Charly Heidenreich, mit anderen Worten: Unser Festival ging wieder an den Start. Und wie war es? Schön war es... klar, es war sehr schön und musikalisch (mit wenigen zu vernachlässigenden Einschränkungen) sehr stark besetzt; musikalisch stärker besetzt als das Debüt der FreakParade und qualitativ in Nichts der Freakshow aus dem Frühjahr nachstehend.
Tag 1 begann mit angenehmen Wetter, pünktlichen Beifahrern, und einer absolut Stau-freien Fahrt von Köln nach Würzburg. Nicht nur das, in Würzburg angekommen, verfuhren wir uns zum ersten Mal überhaupt nicht, sondern gelangten auf direktem Wege in die Pension Groene, wo wir uns, wie die meisten FreakParadler auch dieses Mal eingenistet hatten. Dort trafen wir auf dem verlorenen Sohn der [progrock-dt] Wolli, den ich zum ersten Mal seit der Progparade V in Leipzig wiedersah. Unterwegs gabelten wir dann auch noch Udo auf, der aus Bettenmangel in ein Hotel ausgewichen war und gemeinsam gingen wir erst einmal ins Café M.U.C.K., wo wir die dortigen köstlichen Burger mit Pommes verspachtelten. Es dauerte nicht lange, da kündigten sich schon die nächsten Verdächtigen an: Ani, Fix und die unvermeidlichen Schuli & baerchi stießen zu uns.
Als wir später im akw! ankamen, war es kalt und das angeschlossene Café hatte noch geschlossen. Glücklicherweise hatte das anwesende Personal ein Einsehen und ließ uns schon einmal in die gute Stube, wo wir bald auch wärmende Speisen und Getränke zu uns nehmen konnten.
Eigentlich eröffnete das Ikarische Ensemble die 2. FreakParade, doch so rechte Festival-Stimmung wollte bei mir beim Konzert der Truppe noch nicht aufkommen. Ihr Konzert, das ich nur kurz live aushielt, glänzte (in dem Ausschnitt, den ich hörte) nur durch eine halbwegs gescheite Version von Gnomus aus den Bilder einer Ausstellung von Modest Mussorgsky; die Eigenkompositionen "glänzten" vor allem durch Planlosigkeit und, wie man mir berichtete, durch peinliche Texte. Nee nee, das war noch nix für mich: Zeit noch ein Glas Wein im Café des akw! zu trinken, bevor es dann endlich mit Sleepytime Gorilla Museum richtig losging.
Und es ging richtig los, denn die Truppe schaffte es bei mir zum zweiten Mal nach ihrem Auftritt auf der Freakshow, mich vbon der ersten bis zur letzten Sekunde des Konzerts in ihren Bann zu schlagen. Sleepytime-Konzerte wirken auf mich in der Tat hypnotisch und dies ist offenbar nicht nur bei mir so. Es gab Momente während des Konzerts, in denen es eine geradezu atemlose, andächtige Stille in einem verklingenden Ton gab. Niemand wollte ihn stören, niemand wollte das Verklingen unterbrechen, weil jedem klar war, dass so der Moment beendet werden würde. Das war so ungewöhnlich, dass sogar die Band dies verwundert kommentiere... Was mich wirklich verwunderte: Petra war nach dem Konzert ebenso begeistert und sprachlos wie ich (und dann auch wieder nicht, weil ich genau weiß, wie offen Petra für Live-Konzerte ist). Die anderen gingen nach dem Gig noch feiern, Petra und ich fuhren schweigend nach Hause. Ich war überwältigt von der Musik und fühlte mich heuer wenig aufgelegt zu spaßigen Progger-Tanz-Events. Let them eat cake...

Tag 2 im Café Cairo war ja von der Papierform her der deutlich schwächere, unbekanntere Tag - keine SGM weit und breit und hinter einigen Acts stand ja ehrlich gesagt auch ein dickes Fragezeichen.
Nach dem besten Lutz-Frühstück der Welt (bei dem wir nebenbei noch versuchten T-Shirts an den Mann/Frau zu bringen und die Tombola-Gewinne (und die Tombola-Strafen) zu sichten und zu ordnen) eröffnete der kurzentschlossene Dominik mit klopfendem Herzen am Piano den Tag. Dominik war ja schon im Vorfeld nicht müde geworden zu beteuern, dass er sich kaum vorbereiten konnte (das stimmt, denn sein Einsatz wurde ja gerade fünf Tage vorher beschlossen) und dass seine Musik nach komplexeren Instrumentierung verlangt und dass die Begleitung nur am Klavier beileibe nicht ausreiche... aber in Wirklichkeit macht Dominik seine Sache nicht nur den Umständen entsprechend "ordentlich", sondern er konnte viele der Anwesenden mit zwar nicht immer fehlerfreiem, aber dennoch insgesamt beeindruckenden Klavierspiel beeindrucken. Die größte Überraschung war allerdings Dominiks Gesang, der sich live deutlich stabiler, sicherer und überzeugender gestaltete, als ich ihn von seinen Alben in Erinnerung hatte, wo man ihm seine Gesangs-Schüchternheit noch deutlich anmerkt. Dies ist beileibe kein pädagogisches Schulterklopfen für meinen Sohn, den kleinen Domi: Ich glaube Dominik hat bewiesen, dass er nicht nur eines der größten Talente der deutschen Szene ist, sondern dass er beginnt, dieses Talent "erwachsen" umzusetzen.
Danach kam der erste Teil der Tombola-Verlosung mit vielen launigen Gewinnen (ich glaube, jeder wird zustimmen, dass Udo und der Neoprogtroll Albert Anhalt die "gerechtesten" Preise abräumen konnten ;-) und danach kamen Oeder.
Tjaaaa ... was soll ich sagen: Ich glaube, der Truppe ist klar, dass nicht alles bei dem Konzert so gelaufen ist, wie sie sich es vorgestellt haben. Die Teile, die ich gehört habe (ich war zwischenzeitlich draußen und machte wenigstens eine halbe Stunde lang in "reallife" mit Freundin und Waeller-Familienausflug mit Kind, Kakao, Kaffee und Kuc... ach ne, kein Kuchen...) klangen sehr bemüht, stellenweise total verkrampft. Die Eigenkompositionen waren sehr grenzwertig: Die Texte hatten - mit allem Respekt - etwas von Pennäler-Lyrik aus der Ober-Prima, die Musik war so verkrampft und bemüht proggy, dass sie vor lauter Prog die Musik fast vergaßen, so ein Stückwerk war das alles. Richtig grausam war der völlig missglückte Theremin-Einsatz bei der einführenden Cover-Nummer " A Lotus on Irish Streams" (im Original vom Mahavishnu Orchestra), Fassungslosigkeit, Verärgerung und Entsetzen gab es bei "Entangled" (von Genesis), das ich allerdings nicht mitbekommen habe. Glücklicherweise.
Danach Tombola Part II "Das große Finale" mit dem tollen Pendragon-LP-Hauptgewinn für Ecki :-P und Gewinn-Bergen diverse Progger.
Nach einem kurzen Taxi-Einsatz, kehrte ich ins Café Cairo zurück, wo meine meine Landleute von Gecko's Tear gerade schon bei der Sache waren. Und sie entpuppten sich als der Matchwinner des zweiten Tages: Nicht nur, dass sich die Jungs abseits der Bühne als unfassbar sympathische, unkomplizierte und lustige Truppe entpuppten (der Sänger/Gitarrist Claudio sprach fließend Deutsch, so dass meine Übersetzungen gar nicht von Nöten waren), auch auf der Bühne spielten sie eine sehr unterhaltsame, locker-flockige, virtuose, selbstironische Hochgeschwindigkeits-JazzRockFunk-Melange, die normalerweise meine Freundin Petra in die Flucht hätte schlagen müssen, die aber wegen ihrer Originalität und positiven Gesamtstimmung auch bei ihr, der Frickel-JazzRock-Hasserin par excellence recht gut ankam. Wow! Die Jungs haben es wirklich drauf und wir waren uns alle einig: Wir wollen sie bald bald bald wiedersehen :-)
Zu später Stunde und als krönender Abschluss dann unsere High Wheel mit starkem RetroProg, launigen Ansagen, Gitarrensoli ohne Ende, geilomeilo Bass-Spiel, coolen Keys und dollen Drums ... und ... ohne CDs. Und wer war es Schuld? Der Kogler-Erich! Der hatte nämlich die CDs vergessen und deswegen konnte niemand niemand niemand die fantastischen CDs von High Wheel kaufen oder gar die neue Live-CD erwerben.
Dabei hätten die Jungs nach ihrem GEILEN Auftritt bestimmt den einen oder anderen Silberling verkaufen können, denn wie bei Gecko's Tear, überzeugten High Wheel durch spielerisches Können ebenso wie durch sympatische, selbst-ironische Ansagen. Schön, wenn man auf großartige Musiker trifft, die sich selbst nicht zu ernst nehmen.
Wiederum: Ich hätte niemals niemals nie nicht geglaubt, dass Petra mit solcher Mucke etwas anfangen kann, aber sie war sichtlich begeistert (Verdammt! Langhaarige Musiker kriegen die Frauen immer um! Pah!) Auch klasse: Schuli hat es bei dem Höllenlärm geschafft einzuknacken, ebenso war Domi platt - pah! Die Jugend von heute hat einfach keine Kondition mehr!
Für Petra und mich war nach dem Konzert Schluss, derweil das Progger-Volk ins Immerhin zu Magma abhotten ging. Zu den Exzessen dort (baerchi betrunken und auf Partnersuche!) kann ich leider nichts mehr berichten.

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Nach der ersten Auflage der Verschmelzung von ProgParade und Freakshow, ging die FreakParade heuer in die zweite Runde, diesmal sogar als zweitägige Veranstaltung. Wobei es eigentlich treffender scheint, den ersten Abend als Sleepytime-Gorilla-Museum-Konzert mit Vorband zu betrachten, und Samstag als die eigentliche FreakParade: Freitags im akw! war der Publikumszuspruch sehr gut, nur leider wurden weit überwiegend Tageskarten für Freitag verkauft - was ich u.A. deshalb genau weiss, da ich an der Kasse saß.

Einerseits freut es mich, dass SGM anscheinend endlich die ihnen gebührende Wertschätzung auch in Deutschland erfahren, andererseits war's natürlich schade, dass dadurch der Samstag mit vier Bands ein bisschen in den Schatten gestellt wurde, insbesondere, da mit den Italienern Gecko's Tear musikalisch ebenfalls ein echter, "exotischer" Knaller dabei war. Dafür war natürlich die Atmosphäre am Samstag sehr familiär und entsprach dem "[progrock-dt]-Listentreffen"-Anspruch, den die ProgParades in früheren Jahren stellten und erfüllten.

Durch meine Kassentätigkeit habe ich von der ersten Band des ersten Tags, dem "Ikarischen Ensemble" leider nicht viel mitbekommen. Was ich von nebenan hören konnte, bestätigte aber den Eindruck, den deren Album bei mir hinterlassen hatte: Dass es sich um eine instrumental und musikalisch überaus hochwertige deutsche Gruppe zwischen Jazz, Klassik und Metal handelt. Die von mir an anderer Stelle beklagten Texte der Ikarier konnte ich gottseidank nicht verstehen...

Der anschließende Auftritt der Avant-Metaller Sleepytime Gorilla Museum war wieder mehr als überzeugend, wenn mir auch ihr Freakshow-Festival-Gig als noch intensiver und atmosphärischer in Erinnerung geblieben ist. Dafür war's etwas avantgardistischer angehaucht, und es gab kaum Überschneidungen im Programm. Übrigens: Der Zeitplan wurde im Gegensatz zu den meisten anderen Festivals in Würzburg am Freitag nahezu eingehalten, so dass Sleepytime Gorilla Museum mit ihrem Auftritt noch vor 24:00 Uhr durch waren.

Am Samstag kam es im Zeitplan zwar zu ein paar Verzögerungen, allerdings nicht zu allzu dramatischen. Fast pünktlich (will heißen: mit weniger als einer Stunde Verspätung) begann Dominik Müller sein Soloprogramm (Piano plus Gesang). Neben einigen seiner Eigenkompositionen wie dem langen "Sturmweh" oder "Gedanken", die man in den durchinstrumentierten Versionen kostenlos von seiner Homepage laden kann, gab er ein paar sehr gelungene Prog-Klassiker-Cover zum besten, insbesondere eine wirklich feines ELP-Nummer, etwas Genesis, King Crimson und Yes. Sehr nett und trotz der spartanischen Instrumentierung keine Sekunde langweilig. Insbesondere Dominiks Live-Gesang hat mich positiv überrascht; dieser klang sogar kraftvoller und sicherer als auf seinen Studio-Alben.

Die anschließen Würzburger Oeder fand ich leider eher ihrem Namen entsprechend. Schlecht gemacht waren die vier oder fünf Stücke, die ich mir anhörte, sicher nicht, aber trotz Theremin und gelegentlicher Haken letztenendes doch zu braver Singer-Songwriter-Stoff, um mich im Saal zu halten.

Danach kamen die Italiener (Neapolitaner, wenn ich mich nicht irre) Gecko's Tear, die mich und dem Applaus nach zu urteilen den Rest des Publikums begeisterten. Komplexe, aber wie Sau groovende Kompositionen, virtuose Instrumentenbeherrschung und eine unprätentiöse, lockere Bühnenpräsenz (inklusive nahezu perfektem Deutsch von Frontmann Claudio Roecker Mirone) ließen mehr als einmal den Geist von "Mr. Bungle" durch's Cafe Cairo schweben, nur eben mit italienischer Lockerheit garniert. Cool.

Den abschließenden Auftritt der Freakshow- und ProgParade-Veteranen High Wheel hat Fix im Prinzip perfekt kommentiert, weshalb ich seine Aussage hier einfach wiedergebe: "Man vergisst immer wieder, wie gut High Wheel tatsächlich sind". Die Band aus Miesbach lieferte mit ihrem Mix aus harten Klängen, Neo- und Retro-Prog sowie sphärischen Momenten einen wieder einmal sehr unterhaltsames Konzert und ist wirklich eine der wenigen Truppen aus Deutschland, die an die Prog-Weltklasse heranreichen (zum letzten Schritt fehlt es meines Erachtens nur an souveränerem Gesang und weniger hausbackener Keyboard-Arbeit).

Schade nur, dass der FreakParade-Samstag im Gegensatz zu den gut 150 Zuschauern tags zuvor nur von insgesamt vielleicht 50 oder 60 Getreuen wahrgenommen wurde. Dabei hätte alleine Lutzens Progger-Frühstück und die mit mehr als 200 Preisen wirklich attraktive Tombola es einen Besuch wert sein müssen ;-)