Termin

FreakShow Minifestival: VeryShortShorts | PoiL | Ni, Würzburg, 03.05.13

Titel:FreakShow Minifestival: VeryShortShorts | PoiL | Ni
Art:Konzert
Am: Fr, 03.05.2013
Im: Immerhin
In:Würzburg, Bayern
Link:Konzertinfos

FreakShow goes FunShow

So schnell kanns gehen und aus einem ursprünglichen Einzelkonzert wird ein hochklassiges Minifestival mit drei bis dato noch relativ unbekannten Bands aus den Sparten Kammerrock, Surfprog/Spaßzeuhl und Gitarrenprog.

Kunterbuntes, spaßgeladenes Zeug wird hier geboten, nicht schroff, nicht schräg. Man braucht weder einen Belegungsschein eines Seminars für fortgeschrittene Hörakzeptanz, noch muß man sich die Musik der drei Bands schönhören.

VeryShortShorts (IT ► Zum Bandcamp)
Das italienische Trio (Geige, Klavier, Schlagzeug) zeigt, wie zugänglicher Rock In Opposition geht, ohne dabei an Niveau einzubüßen. In Stücken zwischen eineinhalb und drei Minuten gibts keine Ausfälle, keine Stereotypen, keine Langeweile. Dafür ne Menge Spaß und Zuhörensfreude ob so viel Kreativität in Mini-Dosen. Dampfend-frischer, appetitlicher kann Kammerrock, kann RockInOpposition nicht serviert werden.

PoiL (FR ► Zum Bandcamp)
Irgendwo zwischen der Easyness von Surfprog und "Magmas Félicité Thösz mit 45 (oder noch besser 78) statt 33 UpM" (John Rindfrey in seiner BBS-Rezi) siedeln die drei Franzosen ihre Cartoon-Version des Prog an.
Jochen liefert auch gleich das passende Fazit: "Spaß-Zeuhl ist das über weite Strecken. Das heißt, Spaß herrscht über das ganze Album hinweg, Zeuhl nicht."

Ni (FR ► Zum Bandcamp)
Gitarren-Prog mit kompromißloser, tight-packender Rhythmusabteilung: Die Gitarre bratzt, Drums und Baß liefern die passend bunt-kurzweilig-ansprechende Untermalung dazu. Dazwischen gibts Gimmicks wie 8-bit-Jump'N'Run-Games-Sound-Samples.

Danke FreakShow-Homepage für den Text!

Beginn: 20 h
Eintritt: 20 Eur

5

Irgendwann lange nach der ursprünglich auf 20 h, später dann auf 20.30 h angesetzten Anfangszeit des mit gut 30 Gästen solide besuchten Tripelkonzerts betreten die drei Franzosen von PoiL die Bühne des Immerhin. In ihren roten, hautengen Vollsynthetik-80er-Jahre-Aerobic-Anzügen (Drummer Guilhem Meier und Keyboarder Antoine Arnera) bzw. dem ebenso knallig roten Schlafanzug (Basser Boris Cassone) erinnern sie mich an kleine rote Männchen (fehlte irgendwie nur noch die Schlumpfmütze und es wären drei Papa Schlumpfs dagestanden), die aber vom ersten Takt an höllisch abgehen. Dies liegt zum einen in der Tatsache begründet, daß die Anlage des Immerhin ihrem etwas dünnen Sound der Anfangszeit zwischenrein entwachsen und sich zu einer kapital ernstzunehmenden, der Anlage im Cairo in nichts zurückstehenden PA gemausert hat; zum anderen aber schlicht und ergreifend auch daran, daß PoiL kein Intro bringen, den Hörer nicht auf das Vorbereiten, was sie im Laufe der nun anstehenden, schweiß-, lach- und generell erregenden einen Stunde abfackeln: Spaßprog pur und der ist so dermaßen kompromißlos zwischen den Stühlen sitzend, daß ich jedem Interessierten nur wärmstens empfehlen kann, sich die Stücke der EP Dins O Cuol auf ihrem Bandcamp anzuhören. Denn was sie hier live brachten, war eine durch die entsprechende Liveintensität nochmals aufgewertete 1:1-Entsprechung dessen, was es dort zu hören gibt – und schon das ist ja (wie obiger Teasertext nahelegt) hörenswert.
Auf jeden Fall sind PoiL nach den unglaublichen Testadeporcu vor nur etwas mehr als einer Woche innerhalb kürzester Zeit schon wieder eine FreakShow-Band, die meine Mundwinkel mit gnadenloser Unnachgiebigkeit nach oben zwingt (musikalisch freilich in einem ganz anderen Revier als die Italiener wildernd): Eine Live-Musik-Dramaturgie haben sich die drei zurechtgelegt, fein in Szene gesetzt durch wunderbar konsequent ausgearbeitete Bühnencharaktere: der manisch-besessene Drummer mit dem irren (Shining-)Blick; der in Mimik und Gestik größenwahnsinnig anmutende Basser mit der Louis XIV.- / Napoleon-Anmutung; und nicht zuletzt der visuell perfekte Borat-Verschnitt am Keyboard mit all der dadaistischen Virtuosität, die auch sein cineastisches Pendant auszeichnet. Wer hier nun Chef-Performer war/ist, möge jeder für sich selbst entscheiden; rein musikalisch betrachtet liefert jeder einzelne Instrumentenbeherrschung auf höchstem Niveau. Daß dies zusätzlich noch kombiniert wird mit so ausgeprägt leidenschaftlich vorgetragener Theateraffinität setzt dem Ganzen die Krone auf.

Der Nachteil dieses fulminanten Auftakts: PoiL nahmen den weiteren Bands ganz ordentlich die Luft des Publikums weg, was etwas weniger bei den folgenden Ni, aber deutlich mehr bei den abschließenden VeryShortShorts zu spüren war, deren Konzert ja auch erst zu deutlich vorgerückter Stunde begann.

Ni also… Tja, sag nimals Ni (ich hör ma lieber auf, nicht daß ich noch was ins Phrasenschwein reinschmeißen muß). Ni sind die vielleicht goilste Bratzgitarrenband der Welt. Permanent wird an einer der beiden Gitarren geschrabbelt, daß es eine Freude ist (und eine solche ist es für mich bzgl. Gitarrenrumgebratze nicht allzu häufig). Weit weg sind die vier wie PoiL aus der Gegend um Lyon stammenden Franzosen von musikalischer Belanglosigkeit, denn viel zu deutlich stellen sie immer wieder auf ihre bervorzugte Klangorientierung ab, erweitern das rockmelodische Klangspektrum und durchweben ihre Kompositionen mit Jazzelementen, die sie aber in der Regel nach kürzester Zeit (das Enzym E-Gitarrobratzase machts möglich) genüßlich dekonstruieren und in ihrer immer wieder deutlich metallisierten Schmelze aufgehen lassen. – Wenn das mal keinen Qualitätsstahl ergibt!
Dennoch: wo ich nach PoiLs Konzert froh war, daß es rum war (schiere Reizüberflutung und auch die Mundwinkel bekamen irgendwann – muskulär völlig überdehnt – das Flattern), da war ich nach Nis Konzert ebenso nicht so sehr traurig, daß es vorbei war: etwas gleichförmig war die Musik – trotz ihres hohen Spaßfaktors – auf die Dauer doch etwas.

Die Luft im Konzertraum war zu diesem Zeitpunkt nicht nur gut warm, der zur Freakshowmusikinformationsverarbeitung nötige Sauerstoff hatte sich zudem deutlich reduziert und so fanden die drei Italiener VeryShortShorts (oder einfach VSS) gegen 0.30 h ein wohl schon deutlich gesättigtes Publikum vor. – Was übrigens nicht die Schuld des Veranstalters war, denn VSS sollten eigentlich die Glühkerze des Turbodiesel-Line Ups geben. Straßenverkehrsbedingt spielten sie dann (leider) erst zum Schluß.
Und ich weiß nun ehrlich nicht, was ich an dieser Stelle schreiben kann/darf/soll, denn zum einen (das ist ja meinem Featuretext auf diesen Seiten zu entnehmen) ist eine objektive Meinung zu VSS von mir nicht unbedingt zu erwarten. Zum anderen gab es diverse Stimmen, die das VSS-Konzert für schwachbrüstig und für weitab dessen angesiedelt befanden, was die drei auf ihren Alben abliefern, vor allem den eher hintergründig abgemischten und gegenüber den zwei Kollegen an Schlagzeug und E-Piano in seiner Instrumentenbeherrschung abfallenden Geigenspieler bemängelnd (etwas, das ich in dieser Schärfe nicht teilen möchte; außerdem stieß dieser auch erst unlängst, vor gut zwei Wochen, neu zur Band als Ersatz für den auf den Alben zu hörenden Stefano Roveda). – Und es gab die Stimmen, die schlicht (und hauptsächlich) die vorhergehende Reizüberflutung durch die zwei Vorgängerbands konstatierten, die eine wachere Wahrnehmung und bessere Einschätzung des gebotenen Konzerts nicht möglich machte (etwas, dem ich mich voll anschließen kann).
Fakt ist: VSS kamen extra für dieses eine Konzert nach Deutschland, was an sich schon hoch anzurechnen ist. In meinen Ohren gaben sie ihr Bestes und lieferten ein solides, wenn auch nicht überragendes Konzert ab, das viel von dem Esprit jenes frischen Kammerrocks transportieren konnte, der die Qualität und Originalität ihrer Studioalben ausmacht. Ich bin mir sicher: besser aufeinander eingespielt und als Glühkerze im Rahmen eines FreakShow-Turbodiesels eingesetzt, bietet die Musik von VeryShortShorts alles, um für lange Zeit in Erinnerung zu bleiben.