Termin

Freikonzert: Brown vs. Brown, Würzburg, 23.04.10

Titel:Freikonzert: Brown vs. Brown
Art:Konzert
Am: Fr, 23.04.2010
Im: Cairo
In:Würzburg, Bayern
Link:Brown vs. Brown Myspace

Elastic Funk from the 24th Century:

Dirk Bruinsma - alto sax
Jeroen Kimman - guitar
Gerri Jäger - drums
Viljam Nybacka - bass

Einlass: 20.00 Uhr
Beginn: 21:00 Uhr

Eintritt kostenlos, Spenden willkommen.

4

[Vorwort: der folgende Bericht bezieht sich auf den zweiten Teil des Konzerts, der mit seiner Dauer von gut 60 Minuten allein schon Konzertlänge besaß und der wohl der krassere der beiden Teile war, näher dran am Debutalbum ‚Twitch and shout‘, während der erste Teil dem jüngsten, eingängigeren Album ‚Odds and unevens‘ näher gewesen sein soll]

„Duuuu, Papaaaa? Ich mag nicht wie ihr wollt, ich will mein eigenes Ding machen!“ – „Du machst was ich sage!“ „Ich will aber nicht!! - Oder nur ganz kurz, so wie ihr sagt.“

Albern, gell? Naja, aber irgendwie muß ich ja einen Konzertbericht beginnen, dessen zugrundeliegende musikalische Darbietung sich derart penetrant etwaigen ‚Harmonisierungsversuchen‘ (alternativ: Schönhörversuchen) entzieht, wie die von Brown vs. Brown intonierte Spielart von - - Jazz. Um nichts anderes geht es hier im Kern und wenn ich da was von ‚-rock‘ oder ‚Funk‘ geschrieben sehe, dann schüttelt sich mein Kopf zumindest innerlich heftig. Denn mehr als alle anderen Ingredienzchen basierte das Menü der Holländer (plus einem solitären, wackeren Tiroler Bua am Schlagzeug) auf (free-)jazzigen Elementen, die – und da damit bin ich wieder bei der albernen Einleitung angelangt – Anklänge an harmonische oder zumindest konzeptionell verbundene Strukturen ziemlich schnell wieder in wohlgemeintem Chaos versinken lassen.

Das sagt alles nicht viel aus bisher, ich weiß. Versuch ichs mal so: Brown vs. Brown liefern einen Verschnitt aus avantgardistischer Distanz, die durchaus nicht arm an Eleganz zu nennen ist. Hier erinnern sie mich an das Avant-Duo ‚Good for cows‘, dessen einzelkämpfender Schlagzeuger sich Ende Januar 2010 in Würzburg die Ehre gab und dessen Spiel ebenso wie dasjenige von Gerri Jäger durch Filigranität und eben beschriebener Eleganz hervortat. Nicht nur, daß auch Jäger sein Set als melodisches Element zu verwenden wußte, so benutzte auch dieser neben den Trommeln zusätzliche Gimmicks zur – analogen – Effekterzeugen, was vor allem den Einsatz von, direkt auf den Trommelfellen gespielten, Klangschüsseln umfaßte.

Zusätzlich zur eleganten Note gesellte sich Dirk Bruinsma am (Tenor-)Saxophon, das immer wieder mit zierlichen Läufen sich durch eine aufgewühlte See von riffigen Wellen kämpfte.

Die andere Seite des Verschnitts läßt sich für mich am ehesten mit ‚Little women‘ beschreiben und wer meinen Konzertbericht hierzu gelesen hat weiß, wie schwer ich mir dort mit einer emotionalen Einordnung tat. Und da das Gros des Brown vs. Brownschen Jazz aus ebensolchen vertrackten, amelodischen Strukturen bestand war eine solche Konfusion bei mir auch diesmal wieder gegeben: Zum einen waren da die Rhythmuswechsel, die sich, irrlichtenderweise, nie darum scherten, wenn auch nur die geringsten aufkeimenden Mitwackelversuche gleich wieder im Keim erstickt wurden, weil der arme Mitwackler vom Rhythmusallerlei stehengelassen wurde. Zum anderen wurde die Musik die meiste Zeit über dominiert von einer lebhaften Stimmung, wie man sie am ehesten aus den Reihen der Politik kennt: Bündnisse wurden von der Mehrheit und gegen einzelne geschlossen (Schlagzeug, Baß und Gitarre im rhythmischen Gleichmarsch ‚gegen‘ Sax). Oder es gab einen dissentischen Haufen, bei dem alle Instrumente einzeln ihrer Meinung Ausdruck verliehen. Oder aber es bestand eine stabile (was bei Brown vs. Brown irgendwo im Bereich von Sekunden zu wenigen Minuten heißen dürfte) Koalition zweier Parteien, die hier meist von Gitarre und Schlagzeug gebildet wurde. Die Gitarre kann eh als ‚der‘ Gegenpart zum erwähnt variabel gespielten Schlagzeug, ebenso dem Saxophon und auch dem Baß, der stets präsent im Raum stand und teils für very good vibrations in allen Körperteilen sorgte, angesehen werden:

Vielleicht irre ich mich, aber ‚gefühlt‘ bestand die Hauptarbeit des Gitarristen Jeroen Kimman darin, riffige Akkorde beizusteuern. – Was wiederum nicht ohne Eleganz geschah, denn ebenso wie die Finger des Kollegen am Baß, Viljam Nybacka, auf dem Griffbrett auf und ab schnellten, so war dies auch bei Kimman der Fall, nur alles etwas bratziger, weniger fein nuanciert und leider oft auch weniger gut hörbar. Daß er allerdings auch anders konnte, klang stellenweise immer wieder an, nur gehören diese kurzen, wenigen Passage zu obig beschriebenem, elegantem Teil.

Fast unnötig zu erwähnen, daß zu diesem rauhen Teil der Geschichte auch das Saxophon gesellt, sich zu den anderen in eine Ecke stellt und seine Geräusche mitunter durch ein Effektgerät (ein ‚Quietsch-Maximizer‘?! ;) ) schickt.

Was bleibt also bzw. wer könnte sich potentiell für Brown vs. Brown begeistern?

(Free-)Jazz-Maniacs sicherlich, die (endlich und längst schonmal) ausgetretene Pfade verlassen und eintauchen möchten in einen rauhen, kompromißlosen Mikrokosmos aus Jazz, Avantgarde und Rock (evtl., aber nur als Spurenelement, gebe ich das Vorhandensein von Funk zu).

Jemand, der gerne ‚Gute-Laune-Jazzrock‘ à la ‚ Magnus fra Gaarden ‘ oder Kazutoki Umezu’s ‚ Kiki Band ‘ erwartet, wird diesen von Brown vs. Brown nicht bekommen. Allerdings kommen schrägen Klangstrukturen offen gegenüberstehende Gemüter dafür auch Jazzrock an seiner Basis serviert, ohne Schnörkel, dafür mit ganz viel vertrackter Rhythmik und Melodik, die sich bei mir einer emotionalen Bewertung entzieht und mich nachdenklich zurückläßt ob dieser „Ästhetik des Abstrakten“ (J. Rindfrey).

Und darum möchte ich schlußendlich Brown vs. Browns Musik die Bezeichnung Jazz’Rock‘ abnehmen und sie vielmehr als JazzAvant/AvantJazz betitulieren. Das trifft es für mich deutlich eher und versöhnt mich damit, so eifrig nach Emotionen gesucht, ohne sie befriedigend gefunden zu haben.

Im Nachhinein ist die Reihenfolge der vorhergehenden Freakshow-Konzerte als äußerst clever gewählt anzusehen, denn ohne ‚Little women‘, ‚Good for cows‘ und ebenso die Jazzcorer von ‚Heinz Karlhausen and the diatronics‘ als ‚Vorbildung‘ hätte ich über Brown vs Brown womöglich nur verständnislos den Kopf geschüttelt – mein ganz und gar herzlicher Dank geht deshalb an dieser Stelle an Charly!!