Drum'N' … äh…ja, nur Drum hieß es am Abend des 20.01.10 im Würzburger Pleicherhof, als Ches Smith allein eine Show zu stemmen hatte, die er eigentlich zusammen mit seinem Drum'N'Bass-Kompagnon Devin Hoff als Duo 'Good for cows' aufführen wollte. Der harte tschechische Winter (und sein Glatteis) bereitete diesem Unterfangen jedoch ein Problem und so fand sich der eine mit gebrochener Hand im Krankenhaus, der andere als Alleinunterhalter am Schlagzeug auf der Bühne wieder.
Es stand also ein Abend mit Schlagzeug ins Haus. Und nur mit diesem. Fast nur mit diesem, denn im Zeichen des Drum'N’Bass stehend, gehörten ergänzend, und wirklich nur ergänzend, nichts Essentielles, einige (2?) kleinere einmanualige Keyboards und ein Sampler zum Sortiment des Herrn Schlagzeugers, um diesen in seinem – wie sich (klaaaar, Charly sei Dank!) ziemlich zeitnah herausstellen sollte – virtuosen Schlagzeugspiel zu unterstützen.
Um dieses zu beginnen, folgte jedoch zunächst so etwas wie ein Kurzdurchlauf durch die unterschiedlichen Modulationsmöglichkeiten des Samplers, der vorab programmiert werden wollte, denn gleich das erste Stück konnte mit seiner Spieldauer von gut einer Viertelstunde gleich mit mehrfacher Verwendung von synthetischen Klangstrukturen aufwarten. Dieses war überhaupt ein fulminanter Auftakt, in dem quasi programmatisch für den weiteren Verlauf des Abends alles Technische aufgetischt wurde, was später als Zutat noch zum Einsatz kommen sollte: insgesamt wurden vier verschiedene Sticktypen verwandt, die ebenso virtuos wie das gesamte Spiel immer wieder beiseite gelegt und durchgewechselt wurden, je nach beabsichtigter Tonlage. Gerade das erste Stück wurde zusätzlich zu den immer wieder eingespielten Samples auch dadurch aufgewertet, daß Herr Smith ein wahres Sammelsurium unterschiedlicher Klangschalen (an denen jeder anwesende Wokkoch seine Freude gehabt hätte – so denn ein solcher unter dem leider nur knappen Duzend Zuhörer anwesend gewesen wäre) hervorholte und diese mal durch Anschlagen, mal durch Anstreichen in surreal schwingendes Tönen versetzte, was dem Ganzen etwas sehr experimentell Abgehobenes, zugleich aber auch etwas sehr Bodenständiges, Erdiges verlieh: es war Perkussion unter Ausreizung ihrer klanglichen Mittel. Ein Künstler war hier am Werk, das war sofort zu merken. Und sei es auch nur, weil sich Smith keinen Zwang antan und meinte, die Zuhörer mit Hochgeschwindigkeitsdrumming beglücken zu müssen, sondern in spannender Weise – ganz in sein Mikrouniversum um sich herum vertieft – schnelle, laute mit langsamen, ganz leise gespielten Passagen zu verbinden. Dies war es, was an diesem Abend aus Perkussion Musik machte.
Angemerkt muß werden, daß auch mit seinem Partner Hoff es nicht das geworden wäre, was das (Tanz-)Label Drum'N'Bass suggeriert. Zumindest auf der von mir erstandenen CD(-R) zum zehnten Bandjubiläum zeigen die beiden Musiker ihre avantgardistische Ader in voller Pracht und die oben beschriebenen Dynamik- und Tempiwechsel des Schlagzeugs stellen neben dem Kontrabaß den anderen Melodiepart der Musik von 'Good for cows' dar: da werden melodische Elemente einfach abgebrochen, dort lassen ebenso abgebrochene Rhythmen den menschlichen Rhythmusinstinkt für den Moment irritiert zurück. Insofern hat Herr Smith bei seinem 60 minütigen Solo nichts Falsches versprochen; 'Good for cows' als Duo hätten dies nur bestätigen können.
Bewertung: Fünf Sterne müssen ob dieser souveränen Instrumentenbeherrschung sein. - Behelfskonzert hin oder her!
Drum'N' … äh…ja, nur Drum hieß es am Abend des 20.01.10 im Würzburger Pleicherhof, als Ches Smith allein eine Show zu stemmen hatte, die er eigentlich zusammen mit seinem Drum'N'Bass-Kompagnon Devin Hoff als Duo 'Good for cows' aufführen wollte. Der harte tschechische Winter (und sein Glatteis) bereitete diesem Unterfangen jedoch ein Problem und so fand sich der eine mit gebrochener Hand im Krankenhaus, der andere als Alleinunterhalter am Schlagzeug auf der Bühne wieder.
Es stand also ein Abend mit Schlagzeug ins Haus. Und nur mit diesem. Fast nur mit diesem, denn im Zeichen des Drum'N’Bass stehend, gehörten ergänzend, und wirklich nur ergänzend, nichts Essentielles, einige (2?) kleinere einmanualige Keyboards und ein Sampler zum Sortiment des Herrn Schlagzeugers, um diesen in seinem – wie sich (klaaaar, Charly sei Dank!) ziemlich zeitnah herausstellen sollte – virtuosen Schlagzeugspiel zu unterstützen.
Um dieses zu beginnen, folgte jedoch zunächst so etwas wie ein Kurzdurchlauf durch die unterschiedlichen Modulationsmöglichkeiten des Samplers, der vorab programmiert werden wollte, denn gleich das erste Stück konnte mit seiner Spieldauer von gut einer Viertelstunde gleich mit mehrfacher Verwendung von synthetischen Klangstrukturen aufwarten. Dieses war überhaupt ein fulminanter Auftakt, in dem quasi programmatisch für den weiteren Verlauf des Abends alles Technische aufgetischt wurde, was später als Zutat noch zum Einsatz kommen sollte: insgesamt wurden vier verschiedene Sticktypen verwandt, die ebenso virtuos wie das gesamte Spiel immer wieder beiseite gelegt und durchgewechselt wurden, je nach beabsichtigter Tonlage. Gerade das erste Stück wurde zusätzlich zu den immer wieder eingespielten Samples auch dadurch aufgewertet, daß Herr Smith ein wahres Sammelsurium unterschiedlicher Klangschalen (an denen jeder anwesende Wokkoch seine Freude gehabt hätte – so denn ein solcher unter dem leider nur knappen Duzend Zuhörer anwesend gewesen wäre) hervorholte und diese mal durch Anschlagen, mal durch Anstreichen in surreal schwingendes Tönen versetzte, was dem Ganzen etwas sehr experimentell Abgehobenes, zugleich aber auch etwas sehr Bodenständiges, Erdiges verlieh: es war Perkussion unter Ausreizung ihrer klanglichen Mittel. Ein Künstler war hier am Werk, das war sofort zu merken. Und sei es auch nur, weil sich Smith keinen Zwang antan und meinte, die Zuhörer mit Hochgeschwindigkeitsdrumming beglücken zu müssen, sondern in spannender Weise – ganz in sein Mikrouniversum um sich herum vertieft – schnelle, laute mit langsamen, ganz leise gespielten Passagen zu verbinden. Dies war es, was an diesem Abend aus Perkussion Musik machte.
Angemerkt muß werden, daß auch mit seinem Partner Hoff es nicht das geworden wäre, was das (Tanz-)Label Drum'N'Bass suggeriert. Zumindest auf der von mir erstandenen CD(-R) zum zehnten Bandjubiläum zeigen die beiden Musiker ihre avantgardistische Ader in voller Pracht und die oben beschriebenen Dynamik- und Tempiwechsel des Schlagzeugs stellen neben dem Kontrabaß den anderen Melodiepart der Musik von 'Good for cows' dar: da werden melodische Elemente einfach abgebrochen, dort lassen ebenso abgebrochene Rhythmen den menschlichen Rhythmusinstinkt für den Moment irritiert zurück. Insofern hat Herr Smith bei seinem 60 minütigen Solo nichts Falsches versprochen; 'Good for cows' als Duo hätten dies nur bestätigen können.
Bewertung: Fünf Sterne müssen ob dieser souveränen Instrumentenbeherrschung sein. - Behelfskonzert hin oder her!