Termin

Heinz Karlhausen & The Diatonics, Würzburg, 24.02.10

Titel:Heinz Karlhausen & The Diatonics
Art:Konzert
Am: Mi, 24.02.2010
Im: Pleicher Hof
In:Würzburg, Bayern

Beginn: 20:30, EINLASS: 20:00

www.myspace.com/hkdiatonics

Und wieder ein musikalischer Volltreffer: die vier Herrschaften mit dem seltsamen Namen und dem DEUTSCHE-PHONOGRAM-logo verzeichnen Herrn Karlhausen nur als nichtteilnehmenden (DE)-KOMPONISTEN ihrer wilden, ungezügelten, hemmungslos virtuosen Jazzcoreattacken. Bloß nicht verpassen, die Jungs!!!

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Ach ist es nicht romantisch? Wo sonst geht die Rhythmussektion einer Band so glückselig Hand in Hand durchs Leben wie im Jazzcore, der heute Abend durch die niederländische Multinationenband ‚Heinz Karlhausen and the Diatronics’ repräsentiert wurde. Holländischer Schlagzeuger trifft portugiesischen Bassisten trifft italienischen Saxophonisten und alle drei gehen nicht nur mit Spielwitz, sondern überhaupt mit einem dermaßen Witz und Humor an die Sache, daß die objektive Brachialität dieser Spielart schlagartig an Härte verliert.
Überhaupt stellten ‚Heinz Karlhausen and the Diatronics’ den Jazzcore in allen denkbaren Facetten vor und scheuten sich v.a. nicht – das nur wiederum als Beleg für erwähnten Spielhumor – vor dekonstruktivistischen Zügen.

Den Beginn markierten sphärische Klänge aus dem Loop bzw. eingespeicherte Samples während derer die Band nur hier und da Klangfetzen einbaute. Dauerte genau richtig lange, um eine gute Einstimmung zu haben auf das was folgte: Schlagzeug und Baß im Einklang (mit sich und der Natur?!), der Saxophonist Daniele Martini als musikalischer Stichwortgeber. Dazwischen immer wieder retardierende Samples; mal Polizeisirene, mal Autohupe, mal war es etwas länger eine erzählende Männerstimme zu deren Klang immer wieder Klangfetzen ähnlich derer im Intro eingestreut wurden, nur mittlerweile heftiger, das folgende Weiterspiel ankündigend.
Da wurde ein astreiner ¾-Takt samt lieblicher Melodie zum Besten gegeben, um danach nach allen Regeln der (Jazzcore-)Kunst auseinander (um nicht zu sagen: dekonstruiert) zu werden, dort wurde lupenreiner Barjazz (mit allem Pi-Pa-Po, sei es rhythmisch, melodisch oder, äh, feeling-isch) intoniert, um diesen ebenso dreist Augenblicke später auf der Nase landen zu lassen und mit einem Heidenspaß drauf rumzuhacken.
Hört sich alles furchtbar kopflastig, anstrengend, nervig an? Nö! Gerade der holländische Schlagzeuger Friso van Wijck machte auf mich den Eindruck, seine Teilnahme an der ganzen Sache sei mehr so etwas wie eine vom Herrn Doktor verordnete Streßabreagiermaßnahme zur Beruhigung und Entspannung: mit stets kerzengradem Rücken saß der gute Mann mit durchwegs entspannter Miene an seinem fast schon minimalistisch zu nennenden Schlagzeug aus Pauke, Snare und Beckensammelsurium (Magnus Frau Garden lassen irgendwo grüßen) und sah mitunter eher aus wie ein smokingbekleideter Kavalier, der die Herzdame behend übers Parkett (alternativ, aus aktuellem Anlaß: Eis) führt. Toll!

Amüsanter Schlußspurt war dann ein nach der ollen ‚Legende’ John Wayne betiteltes Stück mit dem hübschen Namen ‚John ‚Fucking’ Wayne’, das quasi schließend all das zusammenfaßte, was das knapp 20 Damen (!) und Herren umfassende Auditorium in der Vorspielung zuvor vermittelt bekommen hatte: Americana-Klänge konnten nur für einen Wimpernschlag, kaum meßbar, an die Oberfläche schwimmen, ehe sie vom fiesen Heinz Karlhausen wieder getaucht wurden, der sich sodann schelmischst darüber amüsierte; krasse Jazzcore-Dissonanzen und –strukturen – hm, das Schlagzeug schlägt, der Bassist baßt, aber warum hör ich von dem nix? Ach, ist perfekt unisono! – trafen auf metalartige Riffs und Rhythmusstrukturen, die noch mal richtig gutes, einen jeden Physiotherapeuten erfreuendes, Nackenentspannen garantierten.

Tolles Konzert, tolle Band, tolle Musik – unbequem und schräg, aber eben auch mitreißend und witzig, so muß Jazzcore sein.

Tip an alle Singles: Schlagzeug oder Baß lernen und ne Jazzcore-Kombo in Deutschland gründen oder einer beitreten. Hier gibts laut Charly nämlich noch keine und daher stehen die Chancen, in einer eben solchen den Partner fürs Leben zu finden sehr gut – habe selten soviel Blickkontakt und Demonstrieren körperlicher und geistiger Einheit erlebt wie heute zwischen Bassist und seinem Schlagzeuger.