Termin
Katuzoki Umezu Kiki Band, Würzburg, 09.11.09
Geschrieben am 15.10.2009 von thomkat
| Titel: | Katuzoki Umezu Kiki Band |
|---|---|
| Art: | Konzert |
| Am: | Mo, 09.11.2009 |
| Im: | Omnibus |
| In: | Würzburg, Bayern |
In der aktuellen Besetzung mit dem enorm kraftvoll agierenden US-Drummer Joe Trump (Carlos Alomar, Elliott Sharp) liefern die vier Musiker eine starke Melange aus Eastern Music, Rock und Jazz. Und das war es dann schon mit der Kategorisierung. Denn die KIKI Band ist letztlich nicht einzuordnen, in Schubladen zu packen. Sie spielen einen absolut cleveren Mix, eine neue Form des Jazz-Rock, der Elemente des progressiven Rock genauso wie ungewöhnliche Beats, wilde Breaks oder ethnische Melodien (gern die Klänge Arabiens) integriert. Doch bei aller Vielfalt bleibt es immer hochenergetischer Jazzrock!!!
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Jazz ist eigentlich nicht so mein Ding, aber wenn sich Jazz und Rock vermischen (und dabei vielleicht die rockige Seite so ein bisschen die Führung übernimmt), dann kommt oft Großartiges dabei heraus. Wie zuletzt, als mich Magnus Fra Gaarden begeistern konnten. Und nun stand wieder ein derartiges Ereignis – natürlich in Würzburg ;-) – an: Die Kazutoki Umezu Kiki Band hatte sich angesagt. Und auch wenn Herr Umezu wohl so was wie eine Legende ist, sagte mir das alles erstmal gar nichts… so war ich also, bis auf ein paar Schmunzler wegen des für deutsche Ohren komisch klingenden Namens, offen für alles. Gut so…
Pünktlich – ja, eben Japaner – enterten die Musiker die „Bühne“ im Omnibus, einem sympathischen Keller-Club, den ich schon ein paar Mal besucht habe, wenn sich Charly dort die Ehre gab. Und dann legten Kazutoki Umezu am Sax, Natsuki Kido an der Gitarre, Takeharu Hayakawa am Bass und Joe Trump (okay, der ist kein Japaner) am Schlagzeug los wie die Feuerwehr… und vor allem LAUT. Wenn die Jungs so richtig am Rad drehen, das Saxofon quietscht und kreischt, die Gitarre jault und brazelt, der Bass bollert und das Schlagzeug sein Gewitter entfacht, dann jagt ein musikalischer Sturm über den Zuhörer hinweg, der schwer beschreiblich ist. Das ist ein klassischer Fall von „muss man erlebt haben“. Die Kiki Band ist schwer zu fassen. Da mischen sich Hard Rock, Free Jazz, Avantgarde, Blues, Worldmusic zu einem heißen Gebräu. Umezu bläßt sich die Lunge aus dem Leib (überhaupt erstaunlich, dass in dem kleinen Körper – Umezu ist vielleicht 1,60 m „groß“ und ziemlich dünn – soviel Luft und Power steckt), wie man es sonst vielleicht nur noch von Markus Stauss hören kann. Aber in der Kiki Band dürfen alle mal ran… Gitarrist Kido (früher bei Bondage Fruit unterwegs) lässt die Gitarre krachen und spielt reinrassige Hard Rock-Soli mit geradezu klassischem Elektro-Gitarren-Sound, Bassist Hayakawa beweist ausserirdische Fingerfertigkeit und spielt den Hochgeschwindigkeits-Bass schlechthin, mit einem ganz eigenen, verzerrtem Sound (wer schon mal Liveaufnahmen von Tim Bogert gehört hat, der kann ungefähr erahnen, wie das klingt). Und dann ist da noch Joe Trump, der hinter seinem überschaubaren Drum-Set abgeht wie ein Zäpfchen und ohne Ende Betrieb macht (und bei seinem Solo-Spot auch seine Backen und die Mundhöhle als Percussion-Instrumente einsetzt).
Die Kiki Band spielt zwei Sets von ca. 50 Minuten, mit einer kurzen Pause dazwischen (in der man am besten die CDs der Band abgreift, es gibt zwei Studio-Alben und eine Live-Scheibe, die nicht nur optisch hübsch gemacht sind (japanische Papersleeves mit Strip!), sondern auch die Power der Band gut 'rüberbringen). Nachdem die erste Hälfte praktisch nur Vollgas war, gibt es in der zweiten Hälfte auch mal ein paar ruhigere Töne, in denen Umezu zur Klarinette greift. Aber auch das beherrscht die Band und so macht auch eine Jazz-Ballade Spaß.
Wenn man Anhaltspunkte braucht, dann könnte man sagen… Markus Stauss und Spaltklang oder auch The Wrong Object treffen auf Hard Rock oder völlig ausgeflippte Cream jammen mit Colosseum… na ja, mit einigem Hinken halt ;-)
Insgesamt also mal wieder ein toller Abend mit tollen Musikern in einer tollen Lokation. Könnte also nicht besser sein und es ist wieder einmal klar geworden, wo Charly Heidenreich draufsteht, da ist auch Charly drin und das bürgt für Qualität und mitreißende musikalische Erlebnisse.
Nachdem am Anfang die üblichen Verdächtigen (Gesichter, die man von diversen Freakshow-Konzerten schon gut kennt) in der Größenordnung von ca. 25 Zuschauern den Omnibus „bevölkerten“, wurden es im Laufe des Abends mehr und mehr Zuschauer, bis am Ende der Keller gut gefüllt war. Schließlich sollte im Anschluss an das Konzert noch eine Jam-Session der Jazz-Hochschule stattfinden und da tröpfelten anscheinend die Musiker und die Stammgäste nach und nach ein… hoffentlich haben die auch noch alle ihren Obolus entrichtet, dann sollte sich der Abend auch finanziell einigermaßen gelohnt haben. Die jungen Jazzer machten übrigens ganz schön Augen und Ohren ob des wüsten Gebotenen ;-))