Termin

Magnus Fra Gaarden, Würzburg, 17.10.09

Titel:Magnus Fra Gaarden
Art:Konzert
Am: Sa, 17.10.2009
Im: Jugendkulturhaus Cairo
In:Würzburg, Bayern

http://www.myspace.com/magnusfragaarden

Zwischen heftigen Gitarrenattacken und blasmusikalischem Jazzcore pendelnder Dänenfünfer, der als Gewinner der DANISH YOUNG JAZZ COMPETITION vom Kulturministerium seines kleinen Landes in die weite Welt geschickt wird, um zu zeigen, daß auch in Dänemark abgefahrene Rockmusik nicht vor der Fledderung der alten Tante JAZZ haltmacht. Nicht verpassen, cooles Zeugs!!!

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Wir wissen ja: Dänen lügen nicht... also, wenn die sagen, die machen Jazz und auch noch einen Jazz-Preis gewonnen haben, dann wird das schon Jazz sein... April! April!

Magnus Fra Gaarden enterten extrem pünktlich die Bühne, eigentlich fünf harmlos aussehende Jungs... obwohl die Kleidung... da waren drei in Polyester-Jogging-Anzügen, der Drummer trug eine Art Nachthemd mit integriertem Beinkleid und Kuhflecken und der Bassist war in extrem engen Leggings (wahrscheinlich ein Squire-Fan) und einer Plüsch-Weste (natürlich mit nix drunter) unterwegs. Blamm! Einmal auf die Snare gedonnert und los ging's... Jazz? Hahaaaa! Wildes Getröte von Saxophon und Waldhorn, kreischende E-Gitarre, Schlagzeug-Feuerwerk (unglaublich was aus einem relativ kleinen Drumset alles rausholen kann) und Boller-Bass. Gas, mehr Gas, ganz viel Gas, Ruhepausen eher Mangelware... ausgelassene Tänzer vor der Bühne, wilde Musiker auf der Bühne. Effektgewitter von der E-Gitarre, Gitarrist Pilgaard beim Steptanz auf den Effektpedalen und dann auch schon mal davor knieed und die Regler mit der Hand bedienend... Kreisch! Quietsch! Wildes Drumsolo... wiederum unglaublich, was eine Bass-Drum, eine Snare, zwei Toms, ein HiHat und vielleicht vier Becken so hergeben... Casper Mikkelsen in Extase, die Zuschauer rasen vor Begeisterung, die Band kommt zurück... Hornist Bak und Saxer Melbye haben sich in ein Kücken (ja, er steckte in einem gelben Kostüm mit roten Beinen!) und einen Tiger (samt Krallenpfoten und langem Schwanz) verwandelt. Bassist Jakobsen springt ständig wie ein Flummy auf und ab und erledigt „nebenbei“ die komplexesten Basslinien, was ja schließlich überhaupt kein Problem ist. Dann schnappen sich alle Musiker was Blasbares... und dann geht es mit Horn, Sax (die kannten wir ja schon), aber noch mit einer Art Mini-Tuba (der Gitarrist), mit einer Posaune (der Basser) und einer Trompete (der Drummer) bewaffnet ins Publikum... und wurde wild herumgetrötet (es gibt Dinge, die kann man nicht kaufen, für alles andere... muss man nach Würzburg ins Cairo fahren!). Dann wieder auf die Bühne – „Wir spielen mal was ruhiges“ Gemaule aus dem Publikum „Ach komm, muss auch mal sein“ Grinsen aller Orten – folgt noch eine Art Karpaten-Blues und dann noch eine flotte Polka als Zugabe, Audience Participation Time (Klatschen im 7/8 und Mitgröhlen irgendwelcher sinnfreien Begriffe) – Aus! Knapp über 90 Minuten Power, Vollgas, musikalische Comedy, feinster Jazz-ROCK, wüste Bühnenshow, der Wahnsinn.

Magnus Fra Gaarden haben sich trotz des eher mauen Besuchs (ich schätze 30, max. 40 Zuschauer) den Arsch aufgerissen, uns ordentlich in den selbigen getreten. Tolles Konzert... wenn ich einen Vergleich wagen wollte, dann würde ich sagen Panzerballett meets Akineton Retard mit zappaesken Einsprengseln in völlig Abgedreht... das vermittelt eine vage Idee des Geschehens ;-)

Die Jungs sind sicherlich die Überraschung des Jahres. Eine CD (sympathische 10 EUR, schickes Digipak) hatten sich auch im Gepäck, aber im Verhältnis zur Liveshow verhält sich die CD wie die Punker vorm Hauptbahnhof zu den Pennälern von der Oberrealschule... Spaß macht sie aber auch, wahrscheinlich haben die Preisrichter vom dänischen Jazz-Nachwuchspreis nur die CD gehört ;-)