Termin

Meister Eder & Svin, Würzburg, 19.11.11

Titel:Meister Eder & Svin
Art:Konzert
Am: Sa, 19.11.2011
Im: Immerhin
In:Würzburg, Bayern
Link:FreakShow-Homepage

Ich zitiere der Einfachheit halber aus Charlys Newsletter:

"...from experimental nu-jazz to alternative jazzcore..."

MEISTER EDER (d)

Gitarre - Felix Franzke
Klarinette - Johannes Moritz
Saxophon - Niklas Kraft
Bass - Hendrik Krause
Schlagzeug - Friedemann Pruß

http://youtu.be/Y_ehMoya8W0
http://youtu.be/2PF_j47N768

Und wieder haben wir eine Formation zu Gast, die dem Jazz deutlich näher steht als dem Rock, aber die sympathischen Leipziger und Berliner können live auch ganz schön Gas geben...Wir sind gespannt!!!

SVIN (den) (ex-MAGNUS FRA GAARDEN)

Lars Bech Pilgaard: Guitar
Henrik Pultz Melbye: Saxophone
Magnus Bak: March barytone
Thomas Eiler: Drums

http://youtu.be/SfJ6x9280PQ
http://youtu.be/9Y1Q1dOzewE

Dafür dominiert hier "natürlich" deutlich die Gitarre, wird sie doch von unserem Lieblingsdänen LARS von der grandiosen, mittlerweile leider beerdigten Jazzcoreformation MAGNUS FRA GAARDEN bedient. Von der gleichen Formation kommen auch seine beiden Begleitpuster, die sich noch einen neuen Drummer besorgt haben, um ihre neuen Kompositionen live unters Volk zu bringen. Wir sind nochmal gespannt!

Im anschluß an die Konzerte gibt's endlich wieder mal ne "richtige" FREAKSHOW PARTY bis in die fürhen Morgenstunden mit allerlei Klassikern aus dem Progressive-, Jazz-, und 70s-Rock aus der Konserve...

Beginn: 21 h

4

Eder (der ‚Meister’ ist aufgrund Kinderkram-Verdacht neulich abgesägt worden) begeisterten mich mit ihrer variablen, sehr phantasievollen Spielweise des Jazzrock, die gleichermaßen der Ruhe und Entspanntheit, wie auch energetischen, in musikalischer Aufgelöstheit befindlichen Strukturen gewidmet war, gleichwohl jedoch nie nur die Extreme suchte, im Gegenteil.
Für FreakShow-Verhältnisse boten Eder darum schon fast so etwas wie Kuschel-Jazzrock mit Freakout-Attitüde, was sehr gut tat, denn das Bestreben der Band, dem Hörer einen melodischen Leitfaden an die Hand, pardon, ans Trommelfell zu geben, war nie nur Makulatur, sondern durchaus durchgehend auch nachvollziehbar und die punktuell gesetzten bzw. sogar gleich zu Beginn des Konzert eingesetzten Freakouts (wie sie der FreakShow-Gänger von vorangegangenen Jazzcore-Konzerten gut verinnerlicht hat) waren nie zu lang, dafür aber sehr würzig: die Muskatnuß im Semmelknödel.
Eders Stärke basiert auf ihrer Ensembleleistung. Zwar kommt dem Derwisch-Drummer Friedemann (welche eine Antithese! ;) ) Pruss eine zentrale Rolle als Ruhe- wie Unruheherd zu, der sich nicht nur seines Schlagzeugs, sondern darüber hinaus auch zahlloser (sic!) geräuscherzeugender Mittel bedient und somit eine ungeheuer variable, fein nuancierte Perkussionsgrundlage ermöglicht; aber Eder sind insgesamt ein Kollektiv: kein Musiker will wirklich über ausgedehntere Passagen im Vordergrund stehen; die Kompositionen leben viel von flächigen Klangstrukturen der einzelnen Instrumente (ohne ins Klangteppichhafte zu verfallen), was es jedoch umso spannender macht, wenn sich aus diesen Strukturen einzelne Solopassagen herauslösen. Das geschieht dann wiederum nie prätentiös-vordergündig, sondern wiederum im Dienst des Ensembles subtil-hintergründig und auf hohem technischem Niveau.

Mein Fazit zu Eder: eine Band mit viel, viel, viel Zukunftspotential. Nicht zuletzt aufgrund der Eigenschaft ihrer Musik, eine phantasievolle, sehr individuelle Synthese aus emotionalem Tiefgang und jazzrockiger Verschrobenheit zu bieten, darf die Hörerschaft gespannt auf ihr im kommenden März erscheinendes Debutwerk sein.

Bei Svin konnte ich sehr schnell eine Vorstellung ausräumen: es sei, ähnlich der personell verwandten Band Magnus Fra Gaarden, tanzbarer Jazzrock. Die schweizer 70er-Jahre Bands Circus und Island verhalten sich wie Yin und Yang? Na gut, dann bemüh ich diesen Vergleich auch hier für die Dänen und sage: Magnus Fra Gaarden = gut, Svin = böse. Oder so ähnlich.
Svin ist dänisch und bedeutet Schwein; ebenso läßt sich scheinbar ein Gutteil der Liedertitel auf deutsch mit ‚Arschgesicht’ übersetzen. Dänen lügen nicht. E-Baß haben sie keinen, dafür steht neben dem Gitarristen Lars als zweites Magnus-Fra-Gaarden-Überbleibsel mit Magnus und seinem Horn ein 'Ersatzinstrument’ auf der Bühne, das nicht nur einen glänzenden Ersatz für nen E-Baß darstellt, sondern dem Klangcharakter der Band auch etwas von – ich bitte, diesen martialischen Vergleich nicht zu sehr auf die Waagschale zu legen – dröhnendem, schwerem Flugzeugkolbenmotor verleiht. Höhö! Brasscore, ne? ;)
Hatte ich schon erwähnt, daß Svin unverholen eine Very-Hard-Rock-Band sind? Ich mein, prinzipiell ist es völlig schnurz, ob und was sich da die zwei Bläser, Horn und Saxophon, bzw. Lars an seiner Klampfe abnudeln: dominant ist immer das beinhart behauene Schlagzeug. Und leider zog sich diese Divergenz zwischen Rhythmus- und ‚Melodie’teil auch konsequent durchs Konzert. Zwar lag bei Svin der charlynische 'Rock'N’Roll!!’-Index höher als zuvor bei Eder (was ich nicht nachvollziehen kann ;) ), aber wirklich fette Rockmomente waren selten.
Ich empfehle ihr Stück ‚Cougar’ aus der Iglo-Trilogie: fette Brasserflächen mit fettem Rhythmus in Einklang. Wunderbar! Warum nicht mehr davon?
Übrigens: ihr Debutalbum wirds demnächst auch über Charly zu ordern geben.