Termin

Panzerballett - "Tank Goodness" Album Release Tour 2012, Würzburg, 17.10.12

Titel:Panzerballett - "Tank Goodness" Album Release Tour 2012
Art:Konzert
Am: Mi, 17.10.2012
Im: Café Cairo
In:Würzburg, Bayern
Link:Konzertinfos

Panzerballett stellen ihr neues Album vor, das beim Label "Gentle Art of Music" (bekannt durch RPWL) erscheinen wird.

Zur Panzerballett Homepage gehts hier.

Zusatzbands: Consider the Source (USA) (Homepage) und Monophonist (D) (Bandhomepage)

Beginn: 20 h
Eintritt: 10 Eur

5

Schwer zu fassen: da wohne ich in Würzburg, die Stadt vielleicht, die in vergangenen Jahren am häufigsten vom (mit-)rei(s)senden Jazzmetalwarenladen heimgesucht wurde und dann liegt mein letztes (und erstes) Konzert tatsächlich schon über drei Jahre zurück, denn ausgerechnet letztes Jahr war die Band hier nicht zu Gast und 2010 konnt ich beide Male nicht. Tragisch, tragisch! – Der Entzug war also groß, denn… das erste Mal mit Zehrfeld und seinen Jungens vergißt man nie! Höhöhö. Spaß beiseite, es wird ernst.

Mit Monophonist und Consider the Source hatten Panzerballett zwei hervorragende Heißmacher am Start, die für sich genommen schon ein Konzert wert gewesen wären.

Monophonist, die souveränen Eröffner des Abends, kommen aus Köln und waren für das, was sich da anbahnte, so etwas wie nochmal kurz vorher der Sprung ins kühle Naß. Die vier machen eine rhythmisch zwar größtenteils straighte, inhaltlich aber absolut unkonventionelle, immer wieder zum überraschten Gesichtausdruck animierende Musikmischung, als deren Basisfundament mir beizeiten der Begriff PunkPRock in den Kopf gestiegen ist. Oder um einen ziemlich extremen Vergleich zu bemühen: Monophonist erschienen mir im Vergleich für Rock so etwas zu sein wie Capillary Action für Pop: sie bohren vorhandene, alte Rezepte auf unterhaltsame und ganz eigene Art und Weise auf. Und nebenher versprühen die schon ganz schön verzweifelt-wuterfüllte Vortragsweise und v.a. die Texte von Jonathan Gesang mehr anarchistische Punk-Power, als die anderen Rheinlandmitbewohner aus Düsseldorf seit Jahren zustande kriegen. Über dies hinaus wird die meist auf die übliche Rockbesetzung beschränkte Besetzung immer wieder geschmackvoll um allerlei Elektrospielereien (Synthie, E-Drum) erweitert – und wenn dann auch noch Sänger Jonathan zum dezent angequietschten Saxophon greift, das Schlagzeug beginnt, Aussetzer zu produzieren, der Baß Herzrhythmusstörungen bekommt und letztlich das Lied (und gleichzeitig der Gig) kunstvoll ‚abgewürgt’ wird (s. das Stück „Glaub mir, ich meine es gut“ auf ihrer EP), ist klar: da kann noch sehr viel kommen. Hat viel Spaß gemacht! – Ihre 2010er-EP Bilanz 2010 kann man übrigens auf ihrem Bandcamp komplett anhören und sowohl digital, als auch physisch kaufen.

Die danach folgenden, bestens aufgelegten Consider the Source waren melodisch nicht nur ne deutliche Ecke näher dran am späteren Headliner, sie waren auch ne echte Überraschung und schon bald stellte sich heraus, dass es sich mit den New Yorkern, für die es nach dem Würzburg-Gig weg aus Europa ging, um eine echte Edel-Zusatzband handelte. Getrieben von Jeff Mann am Schlagzeug, dessen wuseliges Spiel mich an Oozing Goo’s Drummer Drescher denken ließ, war v.a. die Double Neck Guitar von Gabriel Marin ein besonderer Hingucker, nicht nur visuell. – Denn der Kerl liebt Gefrickele und ist mimisch dem O(h)rgasmus dabei so nahe (drüber?!), daß ein anwesender FSK-Kontrolleur wohl entsetzt die 18 notiert hätte. Wo aber war dabei der Baß? Der war oft (viel!) zu gut versteckt neben der Schlagzeuglinie untergebracht, spielte viel gemeinsam unisono (also ebenso wuselig), so daß die über weite Strecken angewandten Slappings leider nicht gut zur Geltung kamen; entsprechend gierig war ich darauf, das Baß-Solo zu hören, das John Ferrara doch wohl offensichtlich zustand. Schlagzeug und Baß bilden also den einen Teil des Konzepts, die Gitarre den anderen, den – wenn man so will - Freakpart. Und das ließ mich ab einem gewissen Zeitpunkt tatsächlich an Musik anderer Veranlagung denken: an Jazzcore à la Heinz Karlhausen, denn während die Rhythmusfraktion ein groovendes Fundament liefert, hat Marin an seinem Doppelhalser wirklich alle Freiheiten, was auch schräge Passagen mit einschließt, die genug Aussagekraft haben, um zu unterstreichen, weshalb man Supportband für Panzerballett ist. Consider the Source machen jedoch weniger Jazzmetal, als vielmehr Jazzrock mit zappaesker Note. Anders läßt es sich für mich nicht gut umschreiben, wenn Marin am Pedal umstellt und er plötzlich „Saxophon“, „Vibraphon“ oder auch „Trompete“ spielt. Die Band geht in gewisserweise also den umgekehrten Weg wie die Schweizer Cowboys from Hell, bei denen das Saxophon alle möglichen Instrumente, v.a. aber die E-Gitarre, wiedergibt. Große Klasse auf jeden Fall, breites Grinsen inklusive! Trotzdem, etwas technisch kommt mir das Dargebotene aber mitunter dann doch vor: das ausgedehnte Baßsolo, das (natürlich!) doch irgendwann folgt, bietet Ferrara zwar Gelegenheit, eindrucksvoll seine Fähigkeiten (der Mann liebt das Hochgeschwindigkeits-Slapping wirklich!) unter Beweis zu stellen; die Läufe an der Gitarre, auch die sind technisch erste Sahne. Aber die Technik ist halt nur die eine Seite, denn wenn der Groove dabei nicht überspringen mag, wirkt das etwas gewollt. Die Krönung des Konzerts der New Yorker wäre also gewesen, die starken Zutaten auf die Gänze des Programms zu verteilen. Sie haben alle Möglichkeiten dazu.

A propos der Groove springt über:

„Vielleicht seid ihr noch nicht so weit – aber eure Kinder werdens dann sein.“ Und: „Wir quälen uns da durch und ihr mit uns“ waren nur zwei der kernigen Ansagen des Panzerballett-Frontmanns Jan Zehrfeld. Die Münchener Band spielte ausschließlich Stücke des jüngsten Albums Tank Goodness und so bezogen sich auch obige Aussagen auf dieses Album (gemeint waren „Some Skunk Funk“ und die Coverversion von Coltranes „Giant Steps“). Das musikalische Rezept der Band ist gleich geblieben:
Joe Doblhofers Gitarre und Alex von Hagkes Sax bilden die Melodieeinheit, Jan Zehrfelds Gitarre und Heiko Jungs Baß die treibende Riffsektion; alles zusammengehalten von Sebastian Lansers Schlagzeug. Weiterentwickelt hat sich die Band diskret, sozusagen unter der Oberfläche. Denn alles andere als oberflächlich ist das zu nennen, was Zehrfeld über neue Kompositionsmethoden fürs jüngst erschienene Album Tank Goodness zu erzählen weiß. Doch bei aller hierbei gebotenen Komplexität: der Band gelingt es wie so oft, den ganzen hochkomplexen musiktheoretischen Kram, der ihrem Machwerk zugrunde liegt, in der Praxis einzupacken in diese mitreißende Metal(l)umhüllung. Dank einiger Kurzerörterungen Zehrfelds1, die dem jeweiligen Stück vorangehen und den Zuhörern dessen Aufbau und Raffinessen näher bringen sollen, ist das dann auch praktisch überprüfbar. Zumindest bis zu einem gewissen Grad (Giant Steps [sic!]), hinter dem Schluß ist mit Kopf-Mitwippen, wo man einfach nur noch gebannt dasitzt/-steht und andächtig zuhörend versucht, mitzuverfolgen, was genau da vor einem gerade passiert.
Der Rest aber ist pure Power, Panzerballett live sind einfach ein Brett. Eine hochprofessionelle Band, die nach wie vor viele Leute anzuziehen weiß. So auch an diesem Abend: mit gut 70 Leuten war das Cairo, das – ich kanns einfach nicht oft genug schreiben – mal wieder mit ultratransparenter Akustik glänzte (dicker Dank auch an alle beteiligten ‚Pultmänner’! :) ) angenehm zahlreich besucht.

1 Leicht hätte man sowas versauen und als selbstverliebter Künstler erscheinen können; Zehrfeld bringt das aber absolut charmant und für den Laien gut verständlich rüber und macht diese Einleitungen so zu wichtigen Elementen des Konzerts, denn mutmaßlich übersteigt der kompositorische Hintergrund der Musik das musiktheoretische Wissen vieler Zuhörer – also bitte beibehalten!