Termin

Pere Ubu, Frankfurt/Main, 23.05.11

Titel:Pere Ubu
Art:Konzert
Am: Mo, 23.05.2011
Im: Mousonturm
In:Frankfurt/Main, Hessen
Link:Konzertinfos

PERE UBU perform

“The Annotated Modern Dance”

Die seit den 1970ern aktiven US-amerikanischen Avant-[s. Tags] auf Europatournee.

Zur Homepage von Pere Ubu

Beginn: 21 h
Eintritt: VVK: 23 Eur, AK: 25 Eur

5

"The Annotated Modern Dance" - dieser Titel bedarf vielleicht einer kurzen Erläuterung, zumindest für die Nicht-Kenner der Band. "The Modern Dance" ist das Debütalbum von Pere Ubu, erschienen 1978. Auf der aktuellen Tour wurde selbiges komplett gespielt, versehen mit Anekdoten zu jedem einzelnen Song - daher "annotated". Gespielt wurden die Songs dabei genau in der Reihenfolge, wie sie auch auf dem Album sind. Und da das Album mit nicht einmal 40 Minuten doch eher kurz ist, wurden dazu einfach noch die zuvor erschienenen Singles gespielt.

So betrat also kurz nach 21 Uhr ein deutlich abgemagerter David Thomas das gut gefüllte "Studio" des Frankfurter Mousonturms (wird dort die Creme Mouson hergestellt?), in viel zu weite Hosen gekleidet, die daher von überdimensionalen, knallroten Hosenträgern gehalten werden mussten. Ein netter Kontrast zu seiner ansonsten in grau gehaltenen Kleidung. Dazu die nun seit einigen Jahren unveränderten Mitmusiker: Keith Moliné an der Gitarre, Michele Temple am Bass (der doppelt so groß war wie die Musikerin), Steve Mehlman am Schlagzeug und Robert Wheeler an, äh, ... dazu später.

Also, ich weiß ja nicht, ob David Thomas wirklich so schlecht drauf ist, oder ob das nur zu seinem Image gehört, aber wie der auf der Bühne rumgewankt ist, sich immer wieder auf einen bereitgestellten Stuhl setzen musste, sah schon einigermaßen bedenklich aus. Von daher sei Interessenten schon mal geraten, möglichst jedes erreichbare Konzert der Band mitzunehmen, man weiß nie, ob es nicht das letzte ist.

So begab sich die Band mit dem überwiegend aus Herren gesetzten Alters bestehenden Publikum auf eine Zeitreise in die allerfrühesten Tage von Pere Ubu, als deren Musik noch deutlich von Punk und New Wave beeinflusst war. Entsprechend ging es streckenweise etwas geradliniger zu als man es von späteren Werken der Band gewohnt ist. Dass dennoch auch in diesen Songs keine gewöhnliche Musik geboten wurde, liegt nicht zuletzt am Einsatz von Robert Wheeler, und jetzt muss ich doch irgendwie versuchen zu beschreiben, was der gemacht hat. Fangen wir mit dem einfacheren an: das Theremin. Wie schon auf früheren Konzerten, hat er auch hier wieder gezeigt, dass man dieses Instrument nicht nur für billige Effekte nutzen kann, sondern dass man darauf richtig virtuos solieren kann. Wie er mit vollem Körpereinsatz diesem Gerät die vielfältigsten Klänge entlockt, ist sowohl hörens- als auch sehenswert. Daneben bediente er ein... ja, was denn eigentlich? Es sah aus wie ein kleines Brettchen mit sechs (oder acht, hab's nicht genau gesehen) Knöpfchen dran, an denen er fleißig gedreht hat. Und mit jedem Drehen purzelten gar merkwürdige Klänge aus den Boxen, es fiepte, ziepte, quiekte, zischte, knurrte, knarrte, und ich weiß nicht was noch alles. Dazu ließ Keith Moliné die Gitarre ordentlich krachen, die Rhythmusfraktion agierte souverän, und David Thomas garnierte alles mit seiner wunderbar kaputten Stimme, die er wieder in allen Variationen von "seltsam" einsetzte. Wie immer kippte er sich ordentlich einen hinter die Binde, wechselte recht schnell von Bier zum Flachmann, hielt aber gut 2 Stunden durch (allerdings mit Sitz- und Rauchpausen).

So ging es also von frühen Singles wie "Heart of Darkness" und "Final Solution" durch alle Albumsongs vom krachigen Opener "Non-Alignment Pact" über frühe Avant-Perlen wie "Over My Head" und meinen Favoriten "Sentimental Journey" (im Original ein sechsminütiges Lallen, begleitet vom Geräusch zerdepperter Flaschen; diese kamen hier aus der Konserve, um etwas mehr Musik erweitert) zum ironischen Abschluss "Humor Me". Und dazu immer wieder die wunderbaren Anekdoten! Ich hoffe, es wird irgendwann einen Mitschnitt der Tour geben, einfach, damit ich diese hübschen Geschichten noch einmal hören kann.

Die Zugabe bestand passend zum Konzept der Tour aus einigen Songs des Folgealbums "Dub Housing", dann kündigte David Thomas das Ende des Konzerts mit den Worten "which is always my favorite part of the show" an, schnell ergänzt mit "not because it's the end, but because then we will do the merchandising".

Nun, ich hoffe, zum geplanten neuen Album "Lady from Shanghai" wird es wieder eine Tour geben, und auch die wird die Band wieder in deutsche Lande führen!