Termin

Pommelhorse, Fürth, 20.03.14

Titel:Pommelhorse
Art:Konzert
Am: Do, 20.03.2014
Im: Grüne Halle
In:Fürth, Bayern
Link:Konzertinfos

Die Termine in März und April 2014 in der Übersicht

Das Pauschenpferd ist wieder da. Das schreckliche Turngerät, über das uns früher sadistische Sportlehrer gejagt haben? Ja, aber diesmal macht es Spass!
Was ein Pauschenpferd mit Musik zu tun hat? - Hier wird Rock energisch gegrätscht, ein Solo macht die schnelle Schraube, Balladeskes und plötzliche Pausen kreieren überraschende Kontraste, die Arrangements sorgen für Balance und Dramatik und die dynamische Rhythmusgruppe für Pep und einen effektvollen Abgang. Verschiedene Einflüsse im Dunstfeld von Jazz und Rock inspirierten das Quintett zu einem unbeschwert zusammen kombinierten Programm - gemeinsam kreiert und abwechslungsreich und ohne übermäßigen Respekt dafür, wie "man" es vorher gemacht hat.

Ambient-Postrock mit Jazz gekreuzt gefällig? Voilà! - Pommelhorse machens möglich.

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20 Termine in -Land im März und April.

Beginn: 18.30 h

4

pommelHORSE spielen total nette Musik: Jazz mit a bißerla Rock und a bißerla Elektro dazu usw. Alles wirklich nett, aber für ne Freakshow-erprobte (dort spielten sie fünf Tage zuvor) Band vielleicht a bißerla zahm.

Dachte ich.

Denn das Konzert ging genau so los und ich hatte schon Bedenken, daß die fünf Pommelboys sich nicht trauen, Gas zu geben, fanden sie sich hier halt eben nicht vor einem schockerprobten (Würzburger) Michhautnixmehrumpublikum wieder, sondern als (Hintergrund-?)Band eines Frühabend-Feierabend-Jazzschoppens („Sie essen bei pommelHORSE?“).

Trotzdem: Ich dachte es nicht lang.

pommelHORSE kommen schließlich aus jenen Landen, in denen aktuell feinster ‚young jazzrock‘ kultiviert wird – und das eben nicht im Gewächshaus, sondern in freier Wildbahn. Die Schweiz und Österreich bieten mit Bands wie Anton and the headcleaners, Arktis/Air, Cowboys from hell, Kaos Protokoll, Lucien Dubuis Trio – und nicht zuletzt den hier besprochenen pommelHORSE aus Bern – eine Irrsinnsdichte hochklassigen Jazzrocks (meist) jüngerer Bands.

Hälfte eins des Konzerts war – was den Freakshowfaktor angeht – in der Tat noch etwas überschaubar: klassische Jazzstrukturen in Rhythmus- und Melodieführung waren kennzeichnend für weite Passagen, veredelt durch das kammerjazzige Vorndran-Duo aus Klarinette(n) und Saxophon(s), das im Laufe der 80 Minuten sämtliche Tempi und Dynamik-Stufen souverän zelebrierte.
Ich muß zugestehen: „straight“ heißt bei pommelHORSE immer auch „fantasievoll im Detail“. Zuhören lohnt sich. – Und mit Stücken wie „When it started to snow“, „Hirsch“ und „Simply pinky Eminems“ zeigt sich die Band für meine Ohren in diesen ersten 40 Minuten immer dann am buntesten, am unterhaltsamsten, wenn sie illustratorisch tätig wird und den entsprechenden Lied-Titeln das passende akustische Gewand dazuschneidert: farbig, fantasievoll, fariabel.
Von mal tanzend-leicht fallenden Schneeflocken zum heftigsten Schneesturm (live total geil: „When it started to snow“ mit diesen starken, sich abwechselnden Unisonoseilschaften zwischen Baß – Baßklarinette und Schlagzeug – Saxophon, und dem Rhodes als Melodiebegleitung, die dann wechseln und sich als Schlagzeug – Rhodes zusammentun und das Saxophon die melody line übernehmen lassen); vom vertonten Innenleben eines Hirschen („Hirsch“) über wildgewordene Zirkuselefanten („The circus is closed and the animals have gone wild“) hin zum angespaceten „Simply pinky Eminems“ – pommelHORSE beherrschen sowohl fein-ziseliert-nuanciertes Kopfkino als auch psychedelisierten Breitwandsound. Auf ihre Weise.
Dennoch rutschte ich mitunter ungeduldig auf meinem Stuhl herum, der Band innerlich zurufend „wann fahrt ihr endlich eure Krallen aus?!“. Denn die haben sie...

Beherrschen tun mich die fünf allerdings ungleich mehr in Hälfte zwei. Denn hier kamen sie: Kompositionen wie „The painful process of falling asleep at 5:30 pm“ in denen die Musiker dem, was zuvor schon als „total nette Musik“ hörbar war, Krallen hinzufügten: Krummtaktiges, Dissonantes; unbequeme Instrument- und Melodieführung. Das ganze gepaart mit dem, was Sal in seinen Köln-Beobachtungen beschrieben hatte: Synthie-Exkurse, Postrock-Anleihen, und das ganze auf einem technisch tollen Niveau. Schön in „Intergalactic Spaceforum“ zu hören, das sich von einem pingenden Space Contact zu einer kleinen, aber sehr feinen Jazzrock-Sci-Fi-Story mit Drive und Melodie entwickelt.
Ohne „Weiße Wand“, mit enorm viel rockendem Drive bleiben pommelHORSE auch hier ihrem Stil treu, sind melodisch, ohne belanglos zu sein, anspruchsvoll, ohne verkopft daherzukommen.

Die „total nette Musik“ zeigt nun ihre mitreißende, unbequeme, aber dennoch nach wie vor kompromißbereite Seite – und das bis dahin eher reserviert Resonanz zeigende Publikum in der akustisch wirklich gut ausbalancierten Grünen Halle taut merklich auf.

Ein feines Konzert von fünf – wie sollte es anders sein? – total netten Kerls! Hör ich mir gern mal wieder an.