Termin

Pommelhorse, Köln, 17.03.14

Titel:Pommelhorse
Art:Konzert
Am: Mo, 17.03.2014
Im: Heimathirsch
In:Köln, Nordrhein-Westfalen

Die Termine in März und April 2014 in der Übersicht

Das Pauschenpferd ist wieder da. Das schreckliche Turngerät, über das uns früher sadistische Sportlehrer gejagt haben? Ja, aber diesmal macht es Spass!
Was ein Pauschenpferd mit Musik zu tun hat? - Hier wird Rock energisch gegrätscht, ein Solo macht die schnelle Schraube, Balladeskes und plötzliche Pausen kreieren überraschende Kontraste, die Arrangements sorgen für Balance und Dramatik und die dynamische Rhythmusgruppe für Pep und einen effektvollen Abgang. Verschiedene Einflüsse im Dunstfeld von Jazz und Rock inspirierten das Quintett zu einem unbeschwert zusammen kombinierten Programm - gemeinsam kreiert und abwechslungsreich und ohne übermäßigen Respekt dafür, wie "man" es vorher gemacht hat.

Ambient-Postrock mit Jazz gekreuzt gefällig? Voilà! - Pommelhorse machens möglich.

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20 Termine in -Land im März und April.

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Die Location: Der "Heimathirsch" ist ein wirklich kleiner Club in Köln-Nippes. Die Bühne ist kaum der Rede wert (de facto standen zwei der fünf Musiker von Pommelhorse vor der Bühne) und hat einen echten Wohnzimmer-Charakter, inklusive Hirschgeweih an der Wand, offensichtlich das namensgebende Relikt aus alten Zeiten und gemütlichen Sofas zum hinflezen. Schon seit einigen Jahren macht sich der Club bei uns im Veedel (und in ganz Köln) einen Namen mit kleinen, extrem feinen Jazz-, Funk- und Soul-Gigs. Das Publikum besteht offensichtlich mehr aus durchaus fachkundigen Stammgästen mittleren Alters. Das Kölsch ist lecker (Früh!), preisgünstig (1,50 €), die Atmosphäre heimelig, die Akustik war - zumindest gestern Abend - überraschend gut.

Die Konzert-Kritik in der Kurzfassung: Großartig! Sehr feine Mischung aus Jazz mit proggigen und postrockigen Akzenten. tighte Rhythmus-Sektion, Hammer-Bläser (Bass-Klarinette ist geil!) und dazu ein Rhodes-Pianist, der sowohl sowohl begleiten, als auch als Solist brillieren kann. Pommelhorse bieten technisch extrem anspruchsvolles Spiel mit Seele. Mein Tipp: unbedingt angucken gehen.

Etwas ausführlicher bedeutet das: Pommelhorse sind alles andere als irgendeine Spaßtröten-Combo aus der Schweiz (aus Bern, um genau zu sein). Es handelt sich bei ihnen um fünf extrem gute Musiker, die unüberhörbar ihre verschiedenen musikalischen Backgrounds zu einem sehr eigenen Bandsound kombinieren, der zwischen druckvollen Guapo-artigen Postrock-Passagen (immer wenn die sehr bewegliche Rhythmus-Sektion mit dem E-Piano das Kommando übernehmen) und (semi-)akustischen Improv-Jazz-Passagen wechselt, das alles garniert mit humorigen Ansagen in charmanten "Hochdeutsch" (mit dem unvermeidbaren, äußerst charmanten Akzent) des Klarinettisten und Bandleaders (?) Lukas Roos gewürzt. Die Kompositionen sind äußerst originell, voll überraschender Einfälle und lassen viel Raum für die individuellen Fähigkeiten der Musiker. Besonders spektakulär waren am gestrigen Abend die Solo-Ausflüge an der Bass-Klarinette (ein Riesengerät, dem man fantastische Sounds entlocken kann) und der gerade im zweiten Set entfesselt aufspielende Tastenmann Olivier Zurkirchen an seinem Fender Rhodes und von der exzellenten Rhythmus-Sektion sprach ich ja schon.

Die Spielfreude, die das Quintett gestern im Heimathirsch ausstrahlte, wirkte auf das gewohnt begeisterungsfähige Kölner Publikum (rund 20 Leute werden es gewesen sein und ehrlich gesagt: Viel mehr passen auch nicht rein). Trotz der beengten Location (gerade der exzellente Drummer löste den Platzmangel und das Lautstärke-Problem souverän!) spielten Pommelhorse zwei rund 40-minütige Sets, unterbrochen von einer kleinen Pause. Um 22 Uhr war Schluss (offenbar darf man wochentags nicht länger laut sein, immerhin ist der Club in einer ganz normalen Wohnstraße) und alle waren happy. Für Sammler gab es CDs (15 €) und LPs (20 €) und ein Schwätzchen mit der Band (ich sprach noch ein bisschen mit dem hervorragenden Bassisten Jeremias Keller und seinem Drummer-Kollegen Gregor Lisser, die beide sehr zufrieden mit dem Konzert, der Location und dem Würzburger Wahnsinnigen-Publikum im Immerhin waren).

Fazit: Wer als Progger gerne ein bisschen über den Tellerrand schielt und keine Berührungsängste zum Jazz und zum Postrock hat, der sollte sich die Band unbedingt anschauen. Noch stehen einige Termine in [progrock-dt]-Land an.

Mi., 19.03.2014, Göttingen (D), Apex
Do., 20.03.2014, Fürth (D), Grüne Halle
Fr., 21.03.2014, Neustadt (D), Jazzclub
Sa., 22.03.2014, Kalchreuth (D), KUBAKA
So., 23.03.2014, Bayreuth (D), Glashaus
Mo., 24.03.2014, Mainz (D), Schon Schön
Sa., 29.03.2014, Solothurn (CH), Gate68
Do., 03.04.2014, Giessen (D), Ulenspiegel
Fr., 04.04.2014, Hannover (D), Das Gut
Sa., 12.04.2014, Altbüron (CH), Bau 4
Fr., 18.04.2014, Flawil (CH), Kulturpunkt
Sa., 26.04.2014, Bremen (D), Jazzahead
Mi., 30.04.2014, Willofs (D), Festival Veteranentreffen

Weitere Termine hier: http://www.pommelhorse.ch/#4-Live
Fotos vom Kölner Gig (© Lutz Diehl): http://bit.ly/PLeOC7

Cool! Vielen Dank für den Appetitanreger, Sal! - Guck mir die am Do in Fädd an und bin gespannt. Übrigens: drei Stücke vom Pommelhorse-Debüt gibts (noch) auf der Seite der Freakshow Würzburg (hier).