Termin

The Crimson ProjeKCt, Essen, 25.03.14

Titel:The Crimson ProjeKCt
Art:Konzert
Am: Di, 25.03.2014
Im: Grugahalle
In:Essen, Nordrhein-Westfalen

Die Termine der Märztour 2014 in der Übersicht

Anscheinend wollten die Herren Adrian Belew, Pat Mastelotto und Tony Levin nicht mehr darauf warten, dass ein gewisser Robert Fripp King Crimson wiederbelebt. Also haben sie sich mit Julie Slick, Markus Reuter und Tobis Ralph gleichgesinnte Mitstreiter gesucht und mit diesen ein neues Doppeltrio unter dem Namen The Crimson ProjeKCt in Leben gerufen.

In dieser Formation tourte man 2012 unter anderem als Vorband von Dream Theater.

Thomas Kohlruß in seinem BBS-Bandprofil.

Fünf Termine in -Land.

Zur Bandpage (auf Facebook)

Beginn: 20 h
Eintritt: 46 - 57 Eur

5

King Crimson waren schon immer eine Formation, die zwei Seiten an sich besonders stark betont hat: die experimentelle, sich stetig neu erfindende Band und die nach vorne treibende, rockige, ja bisweilen sogar jammende Gruppe. Der Gig des Crimson ProjeKCts in Essen war eine gute Gelegenheit, beide Seiten quasi in natura personifiziert live zu erleben: Die eine Hälfte der Band, die Stick Men, als experimentelle Einheit und die andere Hälfte, das Adrian Belew Power Trio, als unbeschwert jammendes, energiegeladenes Pendant.

Nach einführenden Soundscapes von Markus Reuter eröffnete die Doppel-Trio-Besetzung (mit "B' Boom") und zeigte gleich, wo der Hammer hängt: Die beiden extrem kraftvoll spielenden Drummer Pat Mastelotto und Tobias Ralph und die beiden sehr prominenten Bassisten Tony Levin und Julie Slick produzierten eine Lautstärke, die ziemlich in den Gehörgängen hämmerte: Es war furchtbar laut, zu laut, um die vielen spieltechnischen Feinheiten der Band differenziert wahrnehmen zu können. Immerhin, schon beim anschließenden "Dinosaur" belegte Adrian Belew, dass er nichts von seinen stimmlichen Fähigkeiten eingebüßt hat: Keine Wackler während des ganzen Konzerts, die Töne sicher und mit voller, jugendlicher Stimme ausgesungen: Das war schon ziemlich beeindruckend.

Nach der ersten Doppel-Trio-Sequenz folgten im Wechsel Teile des Konzerts die zunächst vom Power Trio, dann von den Stick Men alleine gestaltet wurden: Hier gab es dann hauptsächlich eigenes Material. Nach anfänglichen Start-Schwierigkeiten erwiesen sich die Stick Men als Punktsieger: Ihre 'neuen' Kompositionen wirkten insgesamt interessanter und "crimsonesquer", als die ABP3-Stücke. Das improvisierte "Open Part III" der Stick Men läutete für mich eine Wende im Konzert ein und ließ alle Lautstärke-Probleme in den Hintergrund rücken. Auch das etwas zu stille und zurückhaltende Publikum kam endlich ein wenig aus der Reserve. Als dann noch die Stick Men von Adrian Belew ("Larks Tongues in Aspic, Part II", "Frame by Frame") unterstützt wurden, kam die Performance der Ursprungsband King Crimson sehr sehr nah. Diese Quartett-Besetzung harmonisierte exzellent und griff unüberhörbar auf gemeinsame Geschichte bei der Stamm-Formation zurück. Markus Reuter erwies sich hier, wie im gesamten Konzert, als vollwertiger Fripp-Ersatz, der mit eigenem Gitarrensound individuelle Akzente setzen konnte.

Der abschließende Doppel-Trio-Teil am Ende Konzerts geriet dann zu einem furiosen Triumphzug mit einem fulminanten "Indiscipline" und dem poetischen "One Time" als Gänsehaut-Momente erster Güte. Die Zugabe "Thela Hun Ginjeet" setzte den Schlusspunkt hinter ein exzellentes Konzert, das nur ein wenig an einer nicht immer sauber ausbalancierten Lautstärke und an der zu großen, zu breiten und zu leeren Halle litt.

Fazit: "The beast is alive". Auch ohne Robert Fripp (den ich wirklich keine Sekunde lang vermisst habe) lebt das Crimson-Tier mit neuer Kraft und alter Frische, nicht zuletzt durch die eingeflochtenen Neu-Kompositionen. Ich bin zuversichtlich, dass die beiden Trios noch enger miteinander verschmelzen können, so dass die Dopplungen (im Drum- und Bass-Sound) zugunsten einer Differenzierung aufgehoben werden können. Wenn wir dieser Band noch ein paar Monate Zeit lassen, um sich noch intensiver aufeinander einzulassen, dann haben wir hier eine gleichwertige 'Konkurrenz im eigenen Haus' zu Fripps neuen, eigenen Band-Plänen. Und um es noch einmal ganz klar zu sagen: Dies hier ist alles andere als eine dröge Coverband oder eine Altherren-Truppe auf Reste-Verwertungstour.

All hail to the King Crimson!

(Fotos: Pirate-Smile.de)